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Wohnen wie im Mittelalter: Das Schloss Zuckenriet wird renoviert

Gegenwärtig laufen die Sanierungsarbeiten beim Schloss Zuckenriet allerdings nur auf Sparflamme. Das hat seinen Grund.
Ernst Inauen
Das Gerüst ist weg: Die Südfassade des Schlosses Zuckenriet präsentiert sich bereits im Endzustand. (Bilder: Ernst Inauen)Das Gerüst ist weg: Die Südfassade des Schlosses Zuckenriet präsentiert sich bereits im Endzustand. (Bilder: Ernst Inauen)
Die Gesamtsanierung von Schloss Zuckenriet wird noch Jahre dauern.Die Gesamtsanierung von Schloss Zuckenriet wird noch Jahre dauern.
In verschiedenen Räumen stehen nun historische Kachelöfen.In verschiedenen Räumen stehen nun historische Kachelöfen.
Die Schlosskapelle von 1476 ist wieder im ursprünglichen Zustand.Die Schlosskapelle von 1476 ist wieder im ursprünglichen Zustand.
Auch der historische Landsitz Vogelsang wird komplett saniert.Auch der historische Landsitz Vogelsang wird komplett saniert.
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Schloss Zuckenriet

Sieben Jahre schon dauert die Sanierung des mehr als 545-jährigen Schlosses Zuckenriet. In jüngster Zeit waren aber wenig Baufortschritte zu beobachten. Der Grund steht im Zusammenhang mit der Gründung Zuzwiler Firma Castellanum GmbH durch die Zuckenrieter Schlossbesitzerfamilie Hiltebrand.

Zusammen mit dem Toggenburger Projekt- und Bauleiter Martin Häberli von der Firma Hausschmied und den bisher bei der Schlossrenovation beteiligten Fachleuten tritt die Castellanum GmbH als Generalunternehmen für die Sanierungen historischer Bauten auf. Dies im Sinn der mittelalterlichen Bauhütten, die damals in kirchlichen Bauten eingerichtet wurden und jahrelange Sanierungsarbeiten ausführten.

Für die Denkmalpflege ein Sonderfall

Die Idee zur Gründung kam auch von Seiten der Denkmalpflege des Kantons St.Gallen, wie Kunsthistoriker Moritz Flury bestätigt. Er bezeugt nach der jahrelangen guten Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft seine Achtung für die Bestrebungen zum Erhalt historischer Bausubstanz. Im Bewusstsein, dass im Schloss Räume und Einrichtungen nachgebaut worden seien, die ursprünglich in Zuckenriet nicht vorhanden waren, habe es schon einige Diskussionen gegeben. «Für die Denkmalpflege ist dies ein Sonderfall. Der grosse Umfang, die Anwendung alter Techniken und die hervorragende Arbeit der beteiligten Handwerker sind für die Kultur und für die Gemeinde Niederhelfenschwil ein bedeutender Gewinn», sagt Moritz Flury. «Wir sehen Castellanum gerne auch andernorts wieder im Einsatz und wünschen ihr viel Erfolg.»

Neue Aufgabe im Toggenburg

Der seit seiner Jugend an historischen Bauten und deren Geschichte interessierte Schlossbesitzer ist wie auch Martin Häberli Mitglied des Vereins Domus Antiqua Helvetica, der die Erhaltung schützenswerter Bauten fördert. Die Sektion Säntis umfasst die Kantone St.Gallen, Thurgau und die beiden Appenzell. Als Eigentümer von schützenswerten Wohnbauten suchen die Mitglieder die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Die Kontakte zum Präsidenten der Sektion Säntis, Paul Koller, führten die neue Firma Castellanum zu dem Auftrag, den historischen Landsitz «Vogelsang» an der Krinauerstrasse gegenüber dem Städtchen Lichtensteig umfassend zu renovieren.

Der ehemalige Vogteisitz der Grafen von Toggenburg wurde 1612 von der Reding-Stiftung anstelle eines Vorgängerbaus erstellt. Im 20.Jahrhundert renovierte die damalige Besitzerfamilie Stiefel aus Wil das Gebäude und verkaufte es vor einigen Jahren an den Bütschwiler Paul Koller. Ähnlich wie beim Schloss Zuckenriet führten die Analysen zur Erkenntnis, dass beim Gebäude erhebliche Mängel eine umfassende Renovation erfordern. Bei der letzten Sanierung wurde gemäss Projektleiter Martin Häberli falsches Material eingesetzt, das mehr geschadet als genützt habe. So seien durch aufsteigende Feuchtigkeit sowohl das Mauerwerk als auch die Holzkonstruktion zu Schaden gekommen. Das in der Ostschweiz bisher einzigartige Unternehmen Castellanum setzt nun seine Erfahrung aus der Zuckenrieter Sanierung auch im Toggenburg ein und wird in den nächsten Monaten den Landsitz in den ursprünglichen Zustand umbauen.

Eine fundierte Sanierung braucht seine Zeit

Durch den neuen Auftrag in Wattwil wird die Arbeit in Zuckenriet nur in reduziertem Umfang weiter laufen. Dem Schlossbesitzer eilt es nach eigener Aussage nicht, bewohnt er doch mit seiner Familie aktuell eine andere Liegenschaft in Zuckenriet. Bei einer persönlichen Führung machte er auf einige bemerkenswerte Besonderheiten aufmerksam. Die Schlosskapelle sei erst zwei Jahre nach dem Bezug des Schlosses 1476 angebaut und im 19. Jahrhundert erneut kirchlich den vierzehn Nothelfern geweiht worden. Erst im 20.Jahrhundert konnte die katholische Kirchgemeinde Niederhelfenschwil in der Kapelle einmal jährlich einen Gottesdienst feiern. Dieser Brauch wurde bis in die 1960er-Jahre gepflegt.

Der heutige Schlossbesitzer ist bestrebt, die Schlosskapelle wieder in einen gotischen Zustand zurück zu bringen. «Bei der Restaurierung entdeckten wir unter dem Verputz der Wände Rötelzeichnungen, so zum Beispiel einen Gesslerhut oder Kreuze», sagt Matthias Hiltebrand. «Bemerkenswert sind auch die gotischen Fenster und die mit gemalten Blumenmotiven versehene Holzdecke.» Dass die vorher vernachlässigte Schlosskapelle in den ursprünglichen Stil nachgebaut wird, findet auch Moritz Flury von der Denkmalpflege «in Ordnung und begrüssenswert».

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