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Wohnen im Schiffscontainer

WIL. Der Architekt Roger Edelmann montiert auf dem Dach des Gewerbebaus Kraftwerk an der Glärnischstrasse zwei Container. Von nun an lebt Nicolaj Ammann in der Containerwohnung. Eine Premiere für Wil.
Philipp Haag
Architekt Roger Edelmann im Schlafzimmer. (Bilder: Philipp Haag)

Architekt Roger Edelmann im Schlafzimmer. (Bilder: Philipp Haag)

Mehr als ein paar Minuten dauert der Einzug nicht. Er zügelt mit kleinem Gepäck. Lediglich ein paar Bücher, persönliche Dokumente und drei, vier Koffer mit Kleidern nimmt Nicolaj Ammann mit in seine neue Wohnung. Er lebt in der derzeit wahrscheinlich aussergewöhnlichsten Behausung in Wil: einem Schiffscontainer auf dem Dach des Gewerbebaus Kraftwerk an der Glärnischstrasse 1. Der Mitinhaber des im Kraftwerk untergebrachten Update-Fitness-Center freut sich auf sein neues Heim: «Ein tolles Projekt.»

Der geistige Vater der Containerwohnung ist Roger Edelmann vom Architekturbüro Arson AG. Er plante bereits das Kraftwerk-Gebäude. Kurz nach Eröffnung im Jahr 2010 ergaben sich allerdings Platzprobleme. Eine Erweiterung war notwendig. «Auf dem Grundstück gab es aber nur noch 65 Quadratmeter an Ausnutzungsreserven und die Möglichkeiten für eine bauliche Veränderung waren gering», sagte Edelmann bei der gestrigen Besichtigung des Dachcontainers. Weil Edelmann bereits mit Schiffscontainern gearbeitet hat – einer steht beispielsweise in seinem Büro im Kraftwerk – und ein derartiger Stahlkoloss gut zum Stil des Baus passt, entschied er sich, solche Gehäuse einzusetzen. Ausserdem füllen die Container mit einer Länge von 13,7 Meter und einer Breite von 2,4 Meter die 65 Quadratmeter an Restausnutzung aus.

Umfassende Abklärungen

Bis die beiden Schiffscontainer auf dem Dach des Kraftwerk montiert werden konnten, waren umfassende Abklärungen notwendig. Nicht nur musste Edelmann der Skepsis der Mitmieter im Kraftwerk entgegenwirken, er musste sich auch nach einem Partner umsehen, der Erfahrung mit Schiffscontainern als Büro-/Wohnraum hatte. In der Schweiz sind solche Kenntnisse selten. Edelmann fand den Partner in einem Architekturbüro in Madrid. Ursprünglich sollte auch eine spanische Firma die Container auf Vordermann bringen. Doch das Unternehmen ging Konkurs. Es blieb Edelmann nichts anderes übrig, als die Container selber zu beschaffen. Er reiste nach Bremerhaven und kehrte mit zwei jeweils 4,8 Tonnen schweren Containern zurück, komplett verbeult und verrostet. In Zusammenarbeit mit heimischen Firmen restaurierte er die beiden Stahlgehäuse.

Anfänglich waren die Container als Büroraum vorgesehen. Doch der Mieter sprang ab. Als die Betreiber des Fitnesscenters Edelmann vorschlugen, die Container als Wohnung zu nutzen, war er begeistert. Er setzte das Projekt unter das Motto «Neue Wohnideen für die Stadt Wil». Es mussten zusätzlich eine Dusche und eine Küche eingebaut werden. Daneben gibt es ein Schlafzimmer, eine Wohn/Esszimmer, ein Arbeitszimmer sowie eine grosszügige Terrasse. Die stahlkühle Wirkung des Containers ist komplett verschwunden. Das Innere des Prototyps präsentiert sich als wohnlich-gemütliche Stadtwohnung, die eine Monatsmiete von gegen 1600 Franken kostet. Eine Herausforderung war die energetische Balance. «Der Winter ist kein Problem. Aber wir mussten verhindern, dass es im Sommer zu heiss wird», sagt Edelmann. Er löste das Problem mit Isolationsmaterial aus der Raumfahrt.

«Völlig unkompliziert»

Eine weitere Schwierigkeit, das Einrichten des länglichen Baus, löste er mit Hilfe von Ikea. Die Anfrage von Edelmann beantwortete das Einrichtungshaus mit einem Ja. «Völlig unkompliziert», wie er sagt. Ikea arbeitete ein Konzept aus und stattete die Container mit Möbeln aus der PS-Designkollektion aus. «Eine Premiere für uns», sagt Ikea-Schweiz-Kommunikationschef David Affentranger. «Doch eine solche Idee passt ideal zu Ikea.»

Die Container stehen auf dem Dach des Kraftwerk.

Die Container stehen auf dem Dach des Kraftwerk.

Wohnlich: Ein Blick in das Wohnzimmer und die Küche, den Eingangsbereich sowie das Schlafzimmer. (Bild: pd)

Wohnlich: Ein Blick in das Wohnzimmer und die Küche, den Eingangsbereich sowie das Schlafzimmer. (Bild: pd)

Mieter Nicolaj Ammann auf dem Sofa in seinem neuen Wohnzimmer.

Mieter Nicolaj Ammann auf dem Sofa in seinem neuen Wohnzimmer.

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