Wohnen auf Zeit statt Hotelbetrieb: Das passiert nun mit dem «Fürstenau» in Wil

Die neuen Pächter der «Fürstenau» in Wil werden den Betrieb bald aufnehmen. Sie werden kein Hotel führen.

Lara Wüest
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Gut eine Woche ist es her, als der Pächter des Hotels Fürstenau in Wil zum letzten Mal seine Gäste bewirtete. Nach sieben Jahren musste der Gastronom Wolf-Gert Kunze den Betrieb einstellen, weil er nicht mehr genug Geld damit verdiente. Dass das Ende nahte, hatte sich schon länger abgezeichnet. Bereits vor zwei Jahren war der Umsatz merklich zurückgegangen.

Für kurze Zeit war nun unklar, wie es mit der Liegenschaft weitergehen soll. Doch jetzt steht die neue Pächterin fest: die Living Moments AG mit Sitz in Bad Ragaz. Eine Firma, die Service-Apartments vermietet. Ihr Konzept: Das Vermieten von möblierten Wohnungen oder Zimmern an Personen, die für einige Monate ein Dach über dem Kopf suchen. «Unsere Kunden sind zum Beispiel Projektleiter, die für eine gewisse Zeit eine Wohnung benötigen, diese aber nicht selber möblieren wollen», sagt Geschäftsführerin Bea Guntli. Auch Wochenaufenthalter, deren Arbeitsort weit von Zuhause weg sei, würden das Angebot nutzen.

Nicht ganz ein Hotel

Die Firma bietet bereits zahlreiche Wohnungen und Zimmer in der Ostschweiz an, etwa in Chur, Davos und Rapperswil. Und neu wird eben auch Wil dazukommen.

In der «Fürstenau» sollen Zimmer mit einer Gemeinschaftsküche zur Mitbenutzung vermietet werden. Guntli sagt:

«Es ist bei uns fast wie in einem Hotel, aber mit etwas weniger Service.»

So werden die Zimmer zum Beispiel alle zwei Wochen gereinigt statt, wie in den meisten Hotels, täglich. Eine Rezeption suchen Kunden vergeblich.

Nur leichte Renovierung geplant

Der Vertrag zwischen den neuen Mietern und dem Hausbesitzer kam erst Anfang letzter Woche zustande. Und bereits ab Oktober soll es losgehen: Ab dann können die Zimmer gebucht werden. Bis dahin sollen diese «mit leichten Renovationen auf Vordermann gebracht werden», wie Guntli sagt. Man werde jedoch auch viel so übernehmen, wie es sei.

Was mit dem Restaurant geschieht, ist noch offen. Dieses wollen die neuen Pächter nicht selber betreiben, sondern ihrerseits verpachten. «Wohnen ist unsere Kernkompetenz und wir wollen unseren Fokus erst einmal darauf legen», so Guntli. Die Suche nach einem Mieter sei aber im Gange. Allerdings muss das nicht zwingend ein Gastronom sein. «Wenn jemand Büroräume einrichten möchte, sind wir offen», so die Geschäftsführerin. An einem will die Living Moments AG aber festhalten: am Arvenstübli. «Es ist so schön, das möchten wir unbedingt erhalten», so Guntli.

Gute Zeiten liegen länger zurück

Ob die neuen Mieter mit ihrem Konzept mehr Erfolg haben werden als Vorgänger Wolf-Gert Kunze, wird sich zeigen. Kunze selber konnte sich nicht erklären, warum der Umsatz zurückging. «Seit einem Jahr harzt es einfach gewaltig», sagte er im August vor einem Jahr. Sein Fazit kurz vor dem Ende: «Gut war einzig das Mittagsgeschäft.»

Einst, vor sieben Jahren, als die «Fürstenau» noch ein Motel mit Minigolfanlage war, florierte das Geschäft. «Das Motel war sehr gut besucht, gerade auch von Jungen, die Minigolf spielten und einkehrten», sagte Ruedi Schär vom Info-Center der Stadt kürzlich gegenüber dieser Zeitung. Doch die Minigolfanlage und das Motel sind längst Vergangenheit, das Haus liegt mittlerweile versteckt hinter neuen Gebäuden. Wer es nicht kennt, verpasst leicht die Zufahrt. «Das Haus ging vergessen», so Schär.