Wo nicht nur der Duden hilft

17 Schülerinnen und Schüler besuchen die 5. Klasse von Karin Buchschacher. Die Lehrerin wird heute von der Unterrichtsassistentin Regina Bigger unterstützt. Die Unterrichtsassistenz gehört an dieser Schule zum Förderkonzept.

Martina Signer
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Unterrichtsassistentin Regina Bigger (links) unterstützt Klassenlehrerin Karin Buchschacher (rechts) im Deutschunterricht. (Bild: Martina Signer)

Unterrichtsassistentin Regina Bigger (links) unterstützt Klassenlehrerin Karin Buchschacher (rechts) im Deutschunterricht. (Bild: Martina Signer)

KIRCHBERG. Es ist ein nebliger, grauer Tag um kurz vor 8 Uhr. Die letzten Kinder stürmen zur Primarschule Sonnenhof. Sie wollen nicht zu spät im Unterricht erscheinen. Heute lernen sie bei ihrer Lehrerin Karin Buchschacher, wofür man den Duden brauchen kann. Im Schulzimmer ist es angenehm warm, und die Kinder machen grosse Augen, als plötzlich eine Journalistin den Raum betritt. Was die wohl hier macht? Diese Frage steht ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben.

Doch schon geht der Unterricht los. «Ihr sollt nun in Gruppen von zwei und drei Schülern besprechen, was wir mit dem Duden alles herausfinden können», gibt Karin Buchschacher ihren Schützlingen den ersten Auftrag im Deutschunterricht. Eifrig wird diskutiert, die Lehrerin wird mit Fragen bestürmt. Im Anschluss sollen die Kinder an ihrem Dossier zum Thema Duden weiterarbeiten. Hände schiessen in die Höhe. Die Kinder haben viele Fragen. Karin Buchschacher kann kaum die eine Frage beantworten, schon beansprucht der nächste Schüler ihre Aufmerksamkeit. Zum Glück ist aber noch jemand da, der die Lehrerin unterstützt. Heute hilft nicht nur der Duden, sondern auch Unterrichtsassistentin Regina Bigger.

Klare Aufträge von Lehrern

Die Unterrichtsassistenz ist an der Primarschule Sonnenhof laut Schulleiter Christof Geser an ein neues Förderkonzept angegliedert. Insgesamt arbeiten drei Unterrichtsassistentinnen an der Schule, die klare Aufträge von den Lehrpersonen in der Mittelstufe erhalten. Im Deutschunterricht an diesem Morgen beantwortet Regina Bigger Fragen der Schüler. Wenn sie diese nicht beantworten kann, gibt Karin Buchschacher die Antwort. «Manchmal gibt es aber auch Schüler, die einfach jemanden brauchen, der sie unterstützt», sagt Christof Geser. Der den Schülern dabei hilft, immer das richtige Buch bereitzuhalten oder ihnen die Aufgabenstellung nochmal erklärt. Vor allem bei Kindern, die sich etwas schwerer tun. «Das verschafft den Lehrpersonen Freiraum, um sich auf den Rest der Klasse zu konzentrieren.» Natürlich gebe es auch zwei Schulische Heilpädagogen an der Primarschule. Diese können aber dank der Unterrichtsassistenz in ihrer knapp bemessenen Anwesenheitszeit – zwei Stunden pro Woche und Klasse – explizit dort eingesetzt werden, wo ihre Fachkenntnisse am nötigsten sind.

Rahmenbedingungen schaffen

Die Ressourcen der Unterrichtsassistentinnen sind so individuell einsetzbar, wie es die einzelnen Schüler benötigen. Der eine braucht da Hilfe, die andere dort Unterstützung. Regina Bigger hat selbst Kinder und sich schon immer gerne im pädagogischen Bereich engagiert. Sie hat schon beim Mittagstisch mitgeholfen und ist seit zwei Jahren Unterrichtsassistentin. Nach dem Deutschunterricht widmet sie sich einer Schülerin, die den Französischunterricht nicht besucht, in Einzelbetreuung. Sie motiviert die Schülerin immer wieder und wird mit deren Fortschritten belohnt.

Noch gibt es vom Bildungsdepartement keine genauen Regeln oder Vorschriften in Sachen Unterrichtsassistenz. Laut Christof Geser sollte sich dies aber bald ändern. Er zeigt sich sehr erfreut über das Konzept Unterrichtsassistenz und die dadurch entstandenen Fortschritte an der Primarschule Sonnenhof. Auch die Lehrpersonen seien froh um die Hilfe, die sie erhalten. «Nun fehlen nur noch die Rahmenbedingungen auf kantonaler Ebene.» Schliesslich werden Unterrichtsassistenten für ihre Arbeit bezahlt und besuchen Aus- und Weiterbildungen, um den Schülern die optimale Unterstützung bieten zu können.