Wo Kuscheljustiz angebracht ist

WIL. Das Jugendheim Platanenhof in Oberuzwil wird oft mit Vorurteilen konfrontiert. Kantischülerin Annika Augustin untersucht die Gründe für den Aufenthalt von Jugendlichen dort und zeigt die positiven Auswirkungen davon.

Kristian Filipovic
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Der Platanenhof in Uzwil ist eine sozialpädagogische Einrichtung. (Archivbild: Urs Bucher)

Der Platanenhof in Uzwil ist eine sozialpädagogische Einrichtung. (Archivbild: Urs Bucher)

«Der Platanenhof gehört zu Oberuzwil, genauso wie das Bundeshaus zu Bern oder der Eiffelturm zu Paris. Er ist nicht aus Oberuzwil wegzudenken, steht häufig in der Kritik der Medien und der Bevölkerung», schreibt Kantischülerin Annika Augustin am Anfang ihrer Maturaarbeit. Die Motivation für sie, sich dem Thema Platanenhof bei ihrer Maturaarbeit zu widmen, war eine zufällige Begegnung im jungen Alter. Sie war erstaunt, dass der Basketballplatz des Platanenhofs mit hohen Gittern und Stacheldraht vom Rest der Welt abgegrenzt ist. Als sie dort Jugendliche spielen sah, war sie beeindruckt von einem Korbwurf eines Platanenhof-Bewohners. Als dieser ihr zuwinkte und zulächelte, erschrak ihre Grossmutter und erklärte ihr, dass dies ein Gefängnis für «böse» Jugendliche sei. Von da an dachte Augustin, es sei wirklich ein Jugendgefängnis. Auch im weiterem Verlauf ihres Lebens habe sie oft nur Negatives über den Platanenhof gehört. Und obwohl sie in der Umgebung des Jugendheimes wohnt, wusste sie eigentlich nicht viel darüber.

Umfeld hat grossen Einfluss

Beim Platanenhof handelt es sich um kein Jugendgefängnis, sondern um eine sozialpädagogische Einrichtung. Aus diesem Grund untersucht Annika Augustin in ihrer Maturaarbeit, ob eine solche Einrichtung für Jugendliche besser geeignet ist als ein Jugendgefängnis.

Sie beschreibt in ihrer Maturaarbeit, der Grund, warum Jugendliche im Platanenhof landen, sei oft, dass diese nicht gelernt hätten, konstruktiv mit Aggressionen umzugehen. Nach Augustin ist der Umgang in der Familie der häufigste Grund dafür. Ein falscher Freundeskreis, der Konsum von Suchtmitteln oder der falsche Gebrauch von Medienprodukten mit gewaltsamem Inhalt können ebenfalls zu einer destruktiven Aggressionsausübung führen.

Annika Augustin spricht auch davon, dass Jugendliche, die sich ausserhalb der Normen und Gesetze bewegen, oft ungenügend Empathie erfahren haben. Somit wüssten diese auch nicht richtig, wie sie mit ihrer Empathie gegenüber anderen umgehen sollen. «Darum ist es wichtig, dass solche Jugendliche eine Vertrauensperson haben, die ihnen zeigt, dass sie etwas wert sind», erklärt Augustin die Wichtigkeit einer sozialpädagogischen Einrichtung und macht darauf aufmerksam, dass die Jugendlichen nicht von Natur aus «böse» sind, sondern von ihrer Vergangenheit und ihrem Umfeld negativ beeinflusst worden sind.

Jugendgefängnis sinnlos

Einen Aufenthalt in einem Jugendgefängnis hält Annika Augustin aus diesen Gründen für sinnlos, weil dort ein straffälliger Jugendlicher lediglich seine Strafe absitzen würde, ohne dass ihm wirklich klar werde, was er falsch gemacht habe. «Dazu brauchen sie Unterstützung.»