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Wo er ist, singt's und klingt's

WIL. Karl Paller erhält den Anerkennungspreis 2014 der Stadt Wil. Der gebürtige Südtiroler ist Gründer und Leiter des Chors und Orchesters Cantores Corde. Neben dem Dirigieren ist auch das Hundetraining eine seiner Leidenschaften.
Ursula Ammann
Karl Paller in seinem Musikzimmer in Züberwangen, wo er gerade aus Telemanns «Die Tageszeiten» spielt. (Bild: Ursula Ammann)

Karl Paller in seinem Musikzimmer in Züberwangen, wo er gerade aus Telemanns «Die Tageszeiten» spielt. (Bild: Ursula Ammann)

Karl Paller war gerade einmal 17 Jahre alt, als er erstmals einen Chor leitete. Die Sänger waren seine Klassenkameraden aus dem Internat bei Brixen im Südtirol – ein von Kapuziner-Patres geführtes Haus. Das Singen einer Messe gehörte für die Gymnasiasten zum täglich Brot wie das Gebet vor dem Essen. Die Zeit im Internat habe ihn sehr geprägt, sagt Karl Paller. So entdeckte er dort seine Liebe zur Kirchenmusik, jener Musik, die seit Jahrzehnten sein kulturelles Schaffen ausmacht (siehe Box). Für dieses Schaffen erhält er nun den Anerkennungspreis 2014 der Stadt Wil.

Grund war der Lehrermangel

Als eines von acht Kindern wuchs Karl Paller auf einem kleinen Bauernhof in St. Pankraz im Südtirol auf. «Ich wollte immer Musik studieren, aber in unserer Familie hiess es, das sei ein Zigeunerberuf», erzählt der 68-Jährige. Für ihn war deshalb klar: Dieser Traum lässt sich erst verwirklichen, wenn er ihn selbst finanzieren kann. So begann er erst einmal als Lehrer zu arbeiten. 1969 zog er nach Züberwangen, wo er eine Stelle an der Primarschule antrat. Doch wie kommt ein Südtiroler ausgerechnet in eine kleine Gemeinde im Fürstenland? Der Weg dorthin führte über eine Alp oberhalb von Weisstannen, wo Pallers Vater im Sommer jeweils aushalf. Vom Pfarrer wurde er inne, dass im Dorf dringend Lehrer gesucht würden. Vater Paller informierte seinen Sohn, der sich offen zeigte für die neue Herausforderung. Doch es kam anders. Der Pfarrer zog aus Weisstannen weg nach Züberwangen – und auch dort herrschte zu dieser Zeit Lehrermangel. So reiste Karl Paller eben nach Züberwangen, und es gefiel ihm sofort. «Diese offene Gegend hier hat mir viel mehr zugesagt als Weisstannen», erzählt er.

Etwas Eigenes schaffen

Mit dem Studium an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern und an der Universität Zürich hat Karl Paller die Musik zu seinem Beruf gemacht. Er arbeitete als Musikpädagoge an der Kantonsschule Wattwil, am ehemaligen Oberseminar in Zürich, am Kindergärtnerinnenseminar in Amriswil und an der Oberstufe Sonnenhof in Wil. Heute hat er trotz Pension noch einen Lehrauftrag am Konservatorium in Bozen (Südtirol). So fährt er jede Woche 700 Kilometer hin und zurück in seine alte Heimat. Doch die Musik bestimmt auch seit jeher einen grossen Teil seiner Freizeit. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent von Kirchenchören leitet er Chor und Orchester Cantores Corde, eine Gemeinschaft, die er 1990 selbst gegründet hat. In der Regel wirken zwischen 30 und 40 Sänger im Chor und etwa nochmal so viele Musiker im Orchester mit. «Ich wollte damals einfach etwas Eigenes auf die Beine stellen», erzählt Paller. Zudem könne er mit Cantores Corde auch grosse Oratorien aufführen, was mit dem Kirchenchor eher nicht möglich sei. Karl Paller hat sogar das Defizit, das bei den ersten Konzerten anfiel, aus eigener Tasche bezahlt. «Das war es mir wert», sagt er.

Hundetraining und Dirigieren

Jemand wie Karl Paller – so könnte man meinen – kann neben der Musik gar kein anderes Hobby haben. Doch dem ist nicht so. Er widmet sich nebenbei intensiv dem Training mit seinem Deutschen Schäferhund. Einst war Karl Paller sogar Leistungsrichter bei Hundeprüfungen. Zwischen dem Dirigieren und dem Hundetraining sieht er durchaus Parallelen. «Wenn man den Hund zum Erfolg bringen will, muss man ihn immer wieder motivieren.» Bei den Menschen sei das ähnlich. Es gehe nicht darum, als Herrscher aufzutreten. «Das A und O ist, dass die Leute gerne singen.»

Positive Überraschung

Gesungen wird auch im November wieder. Cantores Corde führt am 16. November «Die Tageszeiten» von Georg Philipp Telemann auf (in der Stadtkirche St. Nikolaus um 17 Uhr). Anlass dafür ist der Anerkennungspreis der Stadt Wil, der ihrem Dirigenten Karl Paller am 20. November in der Tonhalle Wil überreicht wird. Er sei schon überrascht gewesen, dass ihm diese Ehre zuteil werde, sagt Karl Paller. «Es gibt so viele Kulturschaffende, die einen solchen Preis verdient hätten, aber noch keinen bekommen haben.»

Weitere Preisträger

Neben Karl Paller werden am 20. November auch Max Peter Ammann, Film- und Theaterregisseur und Schriftsteller, sowie Frank Nievergelt, von 1991 bis 2012 Leiter der Kunsthalle Wil, mit dem Anerkennungspreis der Stadt Wil ausgezeichnet. Den Förderpreis erhält die junge Oboistin Marietta Bosshart.

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