WM ist Höhepunkt der Saison

Sie ist zurzeit die Nummer 1 im Schweizer Frauenradrennsport, aber nur Kennern der Szene ist ihr Name ein Begriff: Patricia Schwager. An der WM in Melbourne möchte sie voll angreifen.

Remo Beerli
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Rad. Mit der WM in Melbourne steht vom 29. September bis zum 3. Oktober im Radsport der Frauen der Höhepunkt der Saison bevor. Die grösste Hoffnung der Schweiz ist dabei Patricia Schwager aus Ifwil. Die 26-jährige Südthurgauerin ist schon seit 2006 Profi und nach den Rücktritten von Nicole Brändli und Karin Thürig die wohl beste Frau der Gegenwart im Schweizer Radrennsport. Chancen rechnet sich Schwager sowohl im Zeitfahren als auch im Strassenrennen aus.

Von ihr bei der fünften WM-Teilnahme eine Medaille zu erwarten, wäre aber etwas viel verlangt: «Im Zeitfahren bin ich diese Saison in internationalen Rennen mehrfach unter die besten zehn gefahren. Die Konkurrenz wird an der WM aber noch zahlreicher und stärker sein. Wenn die Tagesform stimmt, liegt jedoch einiges drin. Das Strassenrennen ist halt immer ein Poker. Wichtig ist mir einfach, dass ich meine bestmögliche Leistung zeigen kann.»

Gut in Form

Schwager fühlt sich bereit für die wichtigsten Rennen der Saison. «Die Tour de l'Ardèche in Frankreich in der zweiten Septemberwoche war die perfekte Vorbereitung auf die WM», meint die Fahrerin des Cervélo Teams.

Allgemein habe sie in dieser Saison wohl auch dank einem Trainerwechsel im Winter speziell im Zeitfahren grosse Fortschritte gemacht. So konnte sie sich über die ganze Saison in vielen Rennen gut in Szene setzen.

Der grösste Erfolg sei dabei die Verteidigung des Schweizer Meistertitels im Bergrennen in Montfaucon gewesen.

Im Zeitfahren reichte es ihr bei den Schweizer Meisterschaften für den zweiten Rang, was für die ehrgeizige Ifwilerin aber zu wenig war: «Für mich war das eine grosse Enttäuschung, denn ich war die Top-Favoritin.»

An nationalen Titelkämpfen gehört Patricia Schwager jeweils zu den wichtigsten Anwärterinnen für den Titel und an den Weltmeisterschaften wird sie die Leaderin des vierköpfigen Schweizer Teams sein. Doch in ihrem Rennalltag beim Cervélo-Test-Team ist sie nicht die Chefin: «Ich muss oft Helferaufgaben übernehmen, denn wir haben ein sehr starkes Team. Es ist neben jenem von HTC Columbia wohl das stärkste Team im Frauenradrennsport. In einem kleineren Team könnte ich vielleicht Team-Leaderin sein.

Doch dann hätte ich nicht die gleich guten Trainingsbedingungen und finanziellen Möglichkeiten, um den Sport professionell betreiben zu können.»

Fernziel Olympia

Patricia Schwager ist oft unterwegs. Nicht nur wenn sie Rennen fährt. Denn sehr oft trainiert sie zusammen mit ihren Teamkolleginnen in Trainingslagern.

Zu Hause in Ifwil, wo sie noch bei ihren Eltern wohnt, ist sie deshalb selten länger als eine Woche am Stück und nutzt diese kurze Zeit jeweils zur Erholung.

Das Schattendasein der Frauen neben den Männern im Radrennsport stört auch die Fahrerin des Cervélo-Test-Teams. Das grösste Verbesserungspotenzial in diesem Bereich sieht sie in der gezielten Zusammenarbeit mit den Männern: «Gewisse Rennen wie die Flandernrundfahrt oder die Flèche Valonne haben wir am gleichen Tag wie die Männer.

Das könnte man noch bei viel mehr Rennen machen, denn das war jeweils eine tolle Erfahrung.»

Das grosse Fernziel, das Schwager im Kopf hat, sind die Olympischen Spiele 2012 in London. Mindestens bis dahin möchte sie mit vollem Einsatz Radrennsport betreiben.