WLL: Keine Pflästerlipolitik betreiben

Die Stadt hat eine «Strategie Strasse» ausgearbeitet, um das Zentrum Wils vom Verkehr zu entlasten. Für CVP-Stadtparlamentarier Hans-Peter Hutter ist das nicht ganzheitlich. Er fordert zusätzlich eine ÖV-Strategie.

Ursula Ammann
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Das Thema öV gehört für CVP-Stadtparlamentarier Hans-Peter Hutter zwingend zu einer ganzheitlichen Mobilitätsstrategie. (Bild: Ursula Ammann)

Das Thema öV gehört für CVP-Stadtparlamentarier Hans-Peter Hutter zwingend zu einer ganzheitlichen Mobilitätsstrategie. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Mit jedem neuen Arbeitsplatz, jeder neuen Wohnung steigt in Wil das Verkehrsaufkommen. Um den Kollaps zu verhindern, hat die Stadt einen Konzeptbericht «Strategie Strasse» ausgearbeitet. Er zeigt in verschiedenen Szenarien auf, wie das Zentrum vom motorisierten Individualverkehr (MIV) entlastet werden kann. Dies beispielsweise mit einer Art Ringstrasse durch Strassennetzergänzungen im Osten und Westen der Stadt.

Nach Ansicht des Wiler CVP-Stadtparlamentariers Hans-Peter Hutter ist der Stadtrat dabei aber nicht ganzheitlich vorgegangen. «Der öV wurde im Konzeptbericht nur am Rande berücksichtigt», sagt er. Eine ÖV-Strategie sei in diesem Zusammenhang jedoch zwingend und dringend. Sie bilde – wie die Velostrategie – ein wichtiges Standbein, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Hutter hat deshalb ein Postulat «ÖV-Strategie Wil» eingereicht. Dieses umfasst vier Fragen: Zum einen möchte der CVP-Stadtparlamentarier wissen, welche Anforderungen der öV aus Kundensicht erfüllen müsste, damit er die innerstädtischen Mobilitätsbedürfnisse der Stadt Wil, aber auch der Agglomeration besser abdecken könnte. Gemäss Konzeptbericht ist ein grosser Teil des MIV in Wil hausgemacht, entsteht also innerhalb der Stadt. Hutter vermisst im Bericht allerdings eine Analyse dieses Umstands, der aus seiner Sicht auch mit dem öffentlichen Verkehr zusammenhängen könnte. Es sei gut möglich, dass die Bedürfnisse, die den Binnenverkehr betreffen, heute mit dem öV nicht genügend abgedeckt werden, erklärt er.

Stadtbahn als Möglichkeit prüfen

In seinem Postulat fragt Hans-Peter Hutter zudem, welche ÖV-Konzepte diese Anforderungen am besten erfüllen. Hier sei insbesondere auch die Möglichkeit einer Stadtbahn als Rückgrat des öV zu prüfen. Eine solche könnte in Kombination mit Bussen eingesetzt werden, so Hutter. Als gutes Beispiel nennt er die Stadt Zug. Auch ganz neue Konzepte wie selbstfahrende Autos müssten seiner Ansicht nach in einer ÖV-Strategie mitberücksichtigt werden. Der Einbezug künftiger Technologien sei notwendig, zumal die Umsetzung einer ÖV-Strategie ein Jahrzehnt oder mehr dauern könne.

Des Weiteren erkundigt sich Hans-Peter Hutter in seinem Postulat danach, wie ein ÖV-Konzept die «Strategie Strasse», die Velostrategie sowie den geplanten Umbau des Bahnhofplatzes beeinflussen würde und ob sich allenfalls Synergien ergäben. Die vierte Frage betrifft den Beitrag, die diese Konzepte leisten könnten, um die ÖV-Verbindung zwischen der Altstadt und ihren Vorstädten sowie der Oberen Bahnhofstrasse und dem Bahnhof zu verbessern.

Für den CVP-Stadtparlamentarier ist es denkbar, dass die eine oder andere Massnahme aus dem Konzeptbericht «Strategie Strasse» bei einem verbesserten ÖV-Konzept hinfällig würde. «Insbesondere der Druck, neue Strassen zu bauen, könnte abnehmen», sagt Hans-Peter Hutter. Doch um das herauszufinden, müsse zuerst einmal eine ÖV-Strategie entwickelt werden. Die alleinige Fokussierung auf den motorisierten Individualverkehr erachtet er als «Pflästerlipolitik».

Mit seinem Postulat geniesst Hans-Peter Hutter im Parlament eine breite Unterstützung. 30 Parlamentarierinnen und Parlamentarier verschiedener Parteien haben den Vorstoss mitunterzeichnet.