Witze so trocken wie die der Briten

Seine Worte waren für die meisten Besucherinnen und Besucher nicht zu verstehen, dafür die Musik: Loten Namling – ein Freiheitsaktivist, Friedensbotschafter und Musiker – faszinierte im Kulturpunkt auch mit seinen Philosophien.

Drucken
Teilen
Loten Namlings wichtigste Botschaft: Selbst in schwierigen Situationen mit positiven Gedanken aufeinander zugehen. (Bild: Franz Fischli)

Loten Namlings wichtigste Botschaft: Selbst in schwierigen Situationen mit positiven Gedanken aufeinander zugehen. (Bild: Franz Fischli)

FLAWIL. Dann und wann hört die Welt vo Dalai Lama. Und von seinen Botschaften für Verständigung und friedlichem Miteinander. Doch kaum jemand weiss Genaueres über das Land, dem er entstammt. Das mag auch daran liegen, dass das Drama der chinesischen Besetzung Tibets inzwischen schon einige Jahrzehnte zurückliegt.

Geblieben ist indessen die Erinnerung an die Traditionen der uralten Kultur, im besonderen ist sie bei den Exiltibetern, die in der Schweiz sowie in anderen Ländern, die damals Flüchtlinge aufgenommen hatten, noch sehr lebendig. Mit dem Auftritt am letzten Freitagabend in Flawil setzte Loten Namling auch für uns Mitteleuropäer einen eindrucksvollen Akzent.

Gemeinsames mit der Schweiz

Der Gesang und die Musik, die die Besucher des Kulturpunkts zu hören bekamen, sind für das westlich geprägte Hörempfinden alles andere als eingängig. Zwar hat man auch schon das eine oder andere über Tibet gehört oder gelesen. Doch die Unmittelbarkeit der Darbietung von Loten Namling, einem Freiheitsaktivisten und Friedensbotschafter der ersten Stunde, schlug durch das Universale der Sprache und Musik sehr schnell eine Brücke. So betonte Loten Namling in seinen vielen eingestreuten Geschichten auch einige Gemeinsamkeiten mit der Schweiz. Wie diese beruht die tibetische Kultur auf den Traditionen einer alpin geprägten Gesellschaft. Was sich unter anderem in der Art des Gesangs zeigt. Da wie dort bildet die Naturtonleiter die Grundlage – so wie auch bei uns beim Jodel oder anderen uralten Volksweisen.

Mit seiner kräftigen, ausdrucksstarken Stimme intonierte er alte tibetische Lieder. Deren Motive gleichen denen aus der Schweiz. Es geht um Menschen und deren Beziehung zueinander sowie um das Walten der oft übermächtigen Natur. Auch wenn die Worte für die meisten nicht zu verstehen waren, fanden die Lieder mit ihrer fast meditativen Eindringlichkeit den Weg in die Seelen des Publikums. Die besondere exotische Note erhielten sie durch das Dya-nyen, ein tibetisches Saiteninstrument, mit dem Loten Namling viele seiner Lieder begleitete.

Trockene Witze

Wichtig ist ihm auch das Lachen. Oder genauer: die Ironie, die das Leben prägt. So seien, sagte Loten Namling, tibetische Witze mindestens so trocken wie die der Briten. Seine wichtigste Botschaft indessen ist die, selbst in schwierigen Situationen mit positiven Gedanken aufeinander zuzugehen, einander unvoreingenommen zuzuhören und so bei Konflikten auf konstruktive Weise eine Lösung zu finden. Dies ist dank seines eindrucksvollen Auftritts bei den Besuchern angekommen. (pd)

Aktuelle Nachrichten