Witterung hinterlässt Spuren: Schäden an der Konstruktion des Wiler Holzturms

Stehende Nässe hat am Wiler Wahrzeichen, dem Holzturm auf dem Hofberg, Schäden verursacht. Eine Sanierung wird vorbereitet. Wann diese durchgeführt wird, ist aber noch unklar.

Adrian Zeller
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Der Aussichtsturm in Wil: Ein Holzbauwerk mit schöner Aussicht

Der Aussichtsturm in Wil: Ein Holzbauwerk mit schöner Aussicht

Bild: Ralph Ribi

«Zurzeit wird der Turm einer vertieften Inspektion unterzogen», erläuterte Max Forster, Leiter Umwelt bei der Stadt Wil, vor wenigen Tagen. Als Projektleiter bei der Erstellung des 38 Meter hohen Bauwerkes verfügt er über vertiefte Kenntnisse über dessen Beschaffenheit und Konstruktion. Bezüglich seines Unterhaltes müsse man Erfahrungen sammeln, sagt er.

Ursprünglich wurde der Bau des Wiler Wahrzeichens auf dem Hofberg vom Verein Wil Tourismus initiiert, für den Unterhalt und für die Versicherung ist jedoch die Stadt zuständig. «Sie unterhält den Turm sehr gut und trägt ihm Sorge», lobt Walter Dönni, Präsident des Vereins Wil Tourismus.

Schadstellen an den x-förmigen Streben

Durch die Nässe sind an der Holzkonstruktion Schäden entstanden.

Durch die Nässe sind an der Holzkonstruktion Schäden entstanden.

Bild: Adrian Zeller

An den x-förmigen Streben haben sich jedoch mittlerweile Schadstellen gebildet. Sie seien durch witterungsbedingte Nässe entstanden, die zu wenig rasch abfliessen konnte, erklärt Max Forster.

«Wir haben bereits im Frühjahr einen Augenschein vorgenommen, jetzt wird der Turm einer vertieften Analyse unterzogen und es werden auch Bohrwiderstandsmessungen vorgenommen.»

Für diese nun abgeschlossenen Arbeiten stand vorübergehend eine mobile Hebebühne im Einsatz. Ein Problem für die Statik des Turms bestehe durch die schadhaften Bereiche nicht, versichert Forster. Die Verstrebungen bestehen aus Douglasienstämmen aus der Region.

Bereits Spezialmasse eingesetzt

Aufgrund der jetzt erhobenen Messergebnisse werden Sanierungsmassnahmen geplant. Die Bevölkerung werde zu gegebener Zeit über diese informiert, sagt Forster. Bei einer der Streben wurden bereits im vergangenen Jahr defekte Bereiche versuchsweise mit Spezialmasse ausgebessert, das Vorgehen habe sich bewährt, so Forster.

Anlässlich der vertieften Überprüfung des Zustandes der Turmkonstruktion wurden auch die der Wetterseite abgewandten Treppenstufen mit einer Spezialmasse von den Witterungseinflüssen wirkungsvoller geschützt. Die Stufen auf der wetterzugewandten Seite wurden bereits früher ausgebessert.

122 Jahre wurden immer wieder Turmpläne geschmiedet

Der Wiler Turm hat eine lange Vorgeschichte: 122 Jahre wurden immer wieder Turmpläne geschmiedet. Auslöser war ein vervielfältigtes Panoramabild ab dem Hofberg vom Landschaftsmaler Heinrich Rottensweiler. Aus der gedruckten Ansicht reifte die Idee, diesen Blick für die Bevölkerung nicht nur auf dem Papier zugänglich zu machen, sondern dafür einen Aussichtsturm zu errichten. Dieses Projekt war der Auslöser, um 1884 einen Wiler Tourismusverein zu gründen.

Das entsprechende Stück Land gehörte einem Winterthurer Stadtrat. Die Initianten konnten sich mit ihm auf eine Überschreibung des Grundstücks einigen. Wie so häufig bei Bauprojekten kam es zu Einsprachen. Der Vereinsvorstand konnte sich mit dem Anstösser, dem Eigentümer eines Gutsbetriebs auf dem Hofberg, über die Zufahrtswege nicht einigen. Im Herbst 1884 wurden die Pläne resigniert ad acta gelegt.

1912 wurde die Idee reaktiviert: Der Besuch des deutschen Kaisers stand an. Dieser Umstand schien so wichtig, dass man ein repräsentatives Bauwerk errichten wollte. Eine Anfrage an den Bund zur Errichtung eines Vermessungspunktes auf dem Hofberg, der zugleich auch als Aussichtsturm genutzt werden sollte, wurde abschlägig beantwortet: kein Bedarf. Man hatte in Wil auf die Eidgenossenschaft als Geldgeber gehofft. Eine zusätzliche Absage kam auch vom damaligen Landeigentümer Friedrich Pestalozzi. Beim dritten Anlauf, 1932, wurden nach den Berechnungen die Kosten als zu hoch erachtet. Es waren die Jahre nach der Weltwirtschaftskrise.

1983 stellte ein ungenannter Wiler Industrieller eine namhafte Summe für die Realisierung in Aussicht. Doch die Turmpläne scheiterten diesmal am Widerstand von Umweltkreisen.
Anlässlich der Jubiläumsfeier zur urkundlichen Ersterwähnung von Wil im Jahr 2004 gewann die Turmidee neuen Auftrieb und auch viele Anhänger. Der damalige Stadtrat war dem Projekt gegenüber positiv gestimmt und nahm einen Kredit ins Budget auf. Die Geschäftsprüfungskommission ihrerseits schlug im Stadtparlament eine Streichung des beantragten Anteils vor. Angesicht der hohen Verschuldung habe der Turmbau keine Priorität.

Das Parlament entschied anders. Es konnte losgehen. Durch eine Sammelaktion beschafften die Initianten, der Verkehr- und Verschönerungsverein Wil, bei Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen 300'000 Franken. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 560'000 Franken; 260'000 Franken steuerte die Stadt bei.
Innert zwölf Wochen wurde der Turm errichtet und am 8. Juli 2006 mit einem Fest für die Bevölkerung eröffnet. Diesen Sommer hätte wieder ein Fest am Fusse des Turmes stattfinden sollen. «Coronabedingt musste es abgesagt werden», bedauert Walter Dönni, Präsident des Vereins Wil Tourismus.

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