Wirtschaftskrise hat Region voll getroffen

Soziale Verantwortung sei für viele Manager ein Fremdwort, wurde an der Hauptversammlung der Gewerkschaft Unia Fürstenland moniert. Die Gewerkschaft wird ihre Präsenz in Uzwil verbessern. Das Sekretariat an der Bahnhofstrasse wird wieder während der ganzen Woche besetzt sein.

Philipp Stutz
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Die Gewerkschaft Unia verstärkt ihre Präsenz in Uzwil: von links Präsident Ernst Gabathuler, Joachim Lichtenhahn, Präsident der Juso Winterthur, und Gewerkschaftssekretär Felix Birchler. (Bild: stu.)

Die Gewerkschaft Unia verstärkt ihre Präsenz in Uzwil: von links Präsident Ernst Gabathuler, Joachim Lichtenhahn, Präsident der Juso Winterthur, und Gewerkschaftssekretär Felix Birchler. (Bild: stu.)

UZWIL. Ernst Gabathuler, Präsident der Unia Fürstenland, forderte an der Hauptversammlung grösseren Zusammenhalt innerhalb der Arbeitnehmer.

Kündigung erhalten

Gabathuler weiss, wovon er spricht, erhielt der engagierte Gewerkschafter doch nach langjähriger Tätigkeit im selben Unternehmen die Kündigung. Darauf startete die Gewerkschaft eine breite Solidaritätsaktion.

«Mit unserem Kampf konnten wir zwar die Wiedereinstellung Ernst Gabathulers nicht erreichen», sagte Gewerkschaftssekretär Felix Birchler. «Doch wir haben bewiesen, dass wir zusammenstehen und uns wehren können.» Auf nationaler Ebene liefen nun Bestrebungen, einen besseren Kündigungsschutz für gewerkschaftliche Vertrauensleute zu erreichen.

Entlassungen in der Region

«Die Wirtschaftskrise hat die Region voll getroffen», sagte Felix Birchler in seinem Jahresbericht. Die beiden grossen Industriebetriebe in Uzwil hätten Leute entlassen und seien damit in die Schlagzeilen geraten. Sie seien aber beileibe nicht die Einzigen. Sei doch die Arbeitslosigkeit gerade in unserer Region stark gestiegen.

Die Unia sei in den grossen Industrien an der Aushandlung von Sozialplänen beteiligt, um die schlimmsten Auswirkungen von Entlassungen abzufedern. «Dabei hat sich gezeigt, dass soziale Verantwortung für manche Manager ein Fremdwort ist und sie die Probleme und Befindlichkeiten ihrer Mitarbeiter nicht kennen», kritisierte Birchler.

Temporär statt neu einstellen

Dass viele der HSG-Manager, die heute Industrieunternehmen leiten, vom langfristigen Wirtschaften wenig Ahnung haben, zeige sich daran, dass mit dem Stellenabbau massiv übersteuert worden sei. Vor einem halben Jahr seien massiv Leute abgebaut worden. Nun, bei steigenden Aufträgen, reichten die Kapazitäten nicht mehr aus. Doch Neueinstellungen würden noch aufgeschoben. «Man holt höchstens temporär Arbeitende», sagte Felix Birchler.

Die absurde Folge: «Wir haben viele Arbeitslose, und jene, die noch eine Stelle haben, müssen wieder Überstunden leisten.» Und dies alles, weil Manager ihre Unternehmen nach Finanzkennzahlen führten und nicht mehr nach einer Produktionslogik. «Es bleibt zu hoffen, dass die Wirtschaftskrise wenigstens zu einem langfristigen Umdenken in den Chefetagen führt und man wieder Abschied nimmt vom reinen Profitdenken», sagte der Gewerkschaftssekretär.

Joachim Lichtenhahn, Präsident der Juso Winterthur, stellte die 1:12-Initiative vor. Sie hat zum Zweck, dass niemand in einem Jahr weniger verdient als der bestbezahlte Manager im gleichen Unternehmen in einem Monat. Seit Beginn des Jahres ist das Gewerkschaftssekretariat in Uzwil wieder während der ganzen Woche besetzt. Die Stelle des Sekretärs wird auf die Bedürfnisse des Aufbaus im Industriesektor ausgerichtet. Aus Anlass der Neubesetzung findet heute ein Apéro statt.

Politisierte Jugend

An der Versammlung wurde betont, es sei wichtig, die Mitgliederwerbung voranzutreiben. Viele Arbeitnehmer seien zwar mit der Gewerkschaft treu verbunden, doch es mangle an Nachwuchs. Ein Mitglied zeigte sich zuversichtlich, dass die Jugend heute wieder vermehrt politisiert sei. Viele Junge seien selbst mit der Wirtschaftskrise, welche den Druck auf die Arbeitsbedingungen verschärft habe, konfrontiert worden und hätten die Wichtigkeit der Arbeit erkannt.

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