Wirtepaar verlässt «Bären» trotz guter Umsatzzahlen, bleibt aber weiterhin in der Region Wil

Nach der Fastnacht ist Schluss für die Pächter des «Bärens». Sie werden in einem neuen Restaurant weiterwirten. Wo genau, ist noch offen. Sandra und Remo Güntensperger bleiben der Region aber sicher erhalten.

Gianni Amstutz
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Pünktlich um 10 Uhr öffnet der «Bären» seine Türe. Schon kommen die ersten Gäste. Sie alle werden von Sandra und Remo Güntensperger, dem Wirtepaar, herzlich begrüsst – die meisten mit Vornamen. Man kennt sich im «Bären». Bald schon müssen sich die Stammgäste aber einen anderen Ort für ihren morgendlichen Kaffee oder ihr Mittagessen suchen. Denn die Betreiber des Restaurants an der Toggenburgerstrasse 7 haben ihren Pachtvertrag gekündigt.

Tief in Wil verwurzelt

Den Schlussstrich haben sie nicht etwa wegen ausbleibender Gäste oder mangelnden Umsatzes gezogen. «Die Geschäfte liefen gut», sagt Remo Güntensperger. Seit der Übernahme des Lokals vor drei Jahren habe man stets auf eine treue Kundschaft zählen können. Dies nicht zuletzt deshalb, da man das Wirtepaar in Wil kennt. Egal ob Jungwacht, Schwingklub, Stadtfest oder Fastnacht: Die Günterspergers waren und sind in zahlreichen Vereinen aktiv und tief in Wil verwurzelt. Selbst in ihrem vorherigen Betrieb in Altnau am Bodensee stammten viele der Gäste deshalb aus Wil.

Das war auch der Grund, wieso sie 2016 den «Bären» in Wil, ihrer Heimat, übernommen hätten, sagt Remo Güntersperger. «Wir wollten dorthin gehen, wo unsere Kunden herkommen.» Neben den Stammgästen, die sie bereits aus ihrem privaten Umfeld und der Zeit in Altnau kannten, lernten sie in den vergangenen Jahren im «Bären» auch zahlreichen neue Menschen kennen. Aus vielen Gästen seien inzwischen Freunde geworden.

Wieso also hört das Paar auf? «Wir sind wiederholt an Kapazitätsgrenzen gestossen», sagt Güntensperger. Die Anzahl Plätze und auch die Grösse der Küche liessen einen Betrieb nach den Vorstellungen des Paars nicht zu. Einfach die Speisekarte zu verkleinern oder sich aus organisatorischen Gründen zu verbiegen und damit ein anderes Publikum anzusprechen – «nur, weil es dann leichter gewesen wäre» – kam für sie nicht in Frage. So hätten sie sich letztlich entschieden, den «Bären» aufzugeben und ein neues Projekt zu wagen.

«Wir wollen nochmals richtig Gas geben», sagt Güntersperger. Gerne würden sie einen zusätzlichen Koch einstellen, um den Gästen mehr zu bieten. Trotzdem werde die Küche auch im neuen Restaurant gutbürgerlich – wenn auch etwas anspruchsvoller – bleiben.

Neues Lokal vielleicht wieder in Wil

Wo genau das sein wird, stehe noch nicht fest. Es stünden ihnen verschiedene Optionen offen. «Wir werden aber sicher in der Region bleiben, vielleicht sogar in der Stadt», verrät Güntersperger. Denn grundsätzlich sei es in Wil nicht schwieriger als andernorts, ein Restaurant rentabel zu führen. Veränderungen in der Gastronomie, wie das Wegfallen des Feierabendbiers und der Mangel an jungen Gästen gebe es schliesslich überall.

Das krönende Ende für das Wirtepaar im «Bären» wird die Fastnacht sein. Selbst jahrelang Mitglied der Wiler Tüüfelsgilde, könnte der Abschluss der Günterspergers im «Bären» passender nicht sein. Ein letztes Mal wird das Lokal für die fünfte Jahreszeit dekoriert und für Fastnächtler eine zweite Heimat sein. Doch der Wirt betont: «Es wird kein Abschied von meinen Gästen, sondern lediglich ein Neuanfang in einem neuen Restaurant.»