«Wir sind keine Kindermädchen»: Das beschäftigt die Wiler Bademeister während den Hitzetagen

Die aktuelle Hitze treibt die Menschenmenge ins kalte Nass, sprich in die Freibäder Weierwise und Bergholz. Nur: Je mehr Leute sich am und im Wasser befinden, desto mehr sind die Bademeister gefordert.

Nicola Ryser
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Tropisches Ambiente: Die Temperaturen sind hoch, die Zahl der Badegäste nimmt zu. Das ruft die Bademeister vermehrt auf den Plan. Bild: Nicola Ryser

Tropisches Ambiente: Die Temperaturen sind hoch, die Zahl der Badegäste nimmt zu. Das ruft die Bademeister vermehrt auf den Plan. Bild: Nicola Ryser

«Nicht rennen am Beckenrand!» Es ist dieser klischeehafte Ausruf, der wohl jedem zumindest einmal in seinen Kindestagen beim Badibesuch zu Ohren gekommen ist. Nur ist er keineswegs verwegen. Unfälle wie das Ausrutschen auf dem nassen Boden sind in der Badi zwar nicht alltäglich, aber sie können vorkommen. Darum braucht es die Bademeister, die für Ordnung und Sicherheit auf der gesamten Anlage sorgen sollen.

Vor allem in der aktuellen Hitzephase sind diese Aufseher jedoch mehr gefordert, als ihnen wahrscheinlich lieb ist. Bis und mit Wochenende gehören über 30 Grad und praller Sonnenschein zur Tagesordnung, was viele Wilerinnen und Wiler an und ins Wasser lockt. Die Bademeister müssen dabei den Überblick behalten – und wohl auch kühlen Kopf bewahren.

Präsenz zeigen ist essenziell

In Zahlen ausgedrückt: An Hitzetagen wie diesen suchen im Bergholz rund 1000 und in der Weierwise 800 Menschen die Anlage auf, mittwochs sind es gar über 2500 Besucher insgesamt. Damit die Bademeister bei diesem Aufmarsch dennoch alles im Griff haben, wird bereits vor der Saison offen kommuniziert, was ein Badegast machen darf und was nicht. «Alle Bademeister beider Freibäder und dem Hallenbad sitzen zusammen und legen die Regeln fest, beispielsweise wo man nicht reinspringen darf», erklärt Alexandra Bürgi, Leiterin Betrieb und selbst Bademeisterin. So seien alle auf demselben Stand, die Regeln werden überall gleich durchgezogen.

«Wenn die Saison dann beginnt, kommt es noch vor, dass man den einen oder anderen Badegast darauf aufmerksam machen muss. Doch bald wissen alle Bescheid, was nicht erlaubt ist.»

Dann sei es auch nicht mehr so schwierig, den Überblick über Hunderte Gäste zu haben. Essenziell sei dabei die Autorität sowie Präsenz der Bademeister: «Wir müssen immer und immer wieder gesehen werden, damit die Gäste wissen, dass wir da sind, ob es nun um deren Sicherheit oder das Einhalten der Regeln geht.» In der Weierwise sind gewöhnlich zwei Bademeister vor Ort, im Bergholz gar drei.

Eltern passen nicht mehr so gut auf

Bürgi muss zwar einräumen, dass es hin und wieder zu Zwischenfällen kommt, die man nicht verhindern kann, aber glücklicherweise handelt es sich meist um Bagatellen wie Bienenstiche oder Schürfungen. Unfälle im Wasser gebe es nur sehr selten.

Ein Problem beschäftigt sie jedoch seit längerer Zeit: «Es kommt des Öfteren vor, dass Kinder im Alter von vier, fünf Jahren unbeaufsichtigt auf der Anlage herumlaufen.» Man müsse dann die Kinder fragen, wo deren Eltern seien.

«Zumeist befinden sich diese irgendwo auf der anderen Seite der Anlage. Das ist nicht gut. Wir sind keine Kindermädchen und können selbstredend unmöglich immer alle Gäste im Auge behalten.»

Man versuche, vor Ort oder per Broschüren die Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass sie immer einen Blick auf ihre Kinder haben sollen. Nur: Bürgi, die selbst seit über einem Jahrzehnt als Bademeisterin tätig ist, stellt fest, dass solche Fälle in jüngster Vergangenheit zugenommen haben. Ein möglicher Grund: «Vielleicht wägen sich Eltern vermehrt in Sicherheit, weil sie alle per Handy durchgehend erreichbar sind. Das kann gefährlich werden.»

Es gehe dabei nicht nur um den Schutz vor Unfällen im Wasser, sondern auch vor fremden Leuten. Umso wichtiger sei die offene Kommunikation mit den Badegästen.

«Natürlich lernen wir aus der Routine, bekommen ausgeprägte Menschenkenntnisse. Wir spüren schnell, wenn etwas nicht stimmt. Doch auch die Gäste sind aufmerksam. Deshalb ist ihre Mithilfe sehr wertvoll.»

Sei diese aber gegeben, könne man – trotz vieler Gäste – der Arbeit problemlos nachgehen. Schliesslich ist die Aufsicht nur ein Teil davon. «Wir als Bademeister sind Allrounder. Wir müssen die Anlage in Betrieb halten, die Becken reinigen und auch die Wiesen ständig pflegen. Das bedeutet viel Aufwand.» Doch die Zeit vergehe dabei schnell. Und: «Wir können so auch das schöne Sommerwetter geniessen.»