«Wir sind eine verrückte Truppe»

WIL. Der Gospelchor Chlorophyll feierte am Wochenende sein 20-Jahr-Jubiläum mit einem Galakonzert und einer Matinee in der Lokremise. Ein Querschnitt aus 20 Jahren zeugte von der unglaublichen Vielfalt des Chores.

Carola Nadler
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Der Chlorophyll-Chor stand gemeinsam mit dem Posaunenquartett Moods und der Wiler Band Frantic auf der Bühne. (Bild: Carola Nadler)

Der Chlorophyll-Chor stand gemeinsam mit dem Posaunenquartett Moods und der Wiler Band Frantic auf der Bühne. (Bild: Carola Nadler)

Er floss in Strömen. Nein, nicht der Champagner – dieser zu späterer Stunde verdientermassen sicher auch. Es war der Schweiss, der floss, denn die Temperaturen an diesem Samstagabend waren überaus hochsommerlich. Man mochte Mitleid haben mit den rund 60 Chlorophyll-Sängerinnen und -Sängern, die da gut 90 Minuten im Scheinwerferlicht der Lokremise standen.

Vor allem die langärmeligen magentafarbenen Jacken der Frauen mochten wie Saunaanzüge gewirkt haben. Doch das Bild war einfach zu schön und übertraf erfreulich das landesweit übliche Gospeltenü mit einem farbigen Schal. Perfekt wäre das Bild gewesen, hätten die Sängerinnen und Sänger ein bisschen weniger ernst dreingeschaut.

«Bisschen verrückt»

20 Jahre Chlorophyll – mit einem Galaabend in der Lokremise feierte sich der Chor, der gerne von sich sagt, ein bisschen verrückt und anders zu sein. «Anders» zu sein, herauszustechen, ist dem Chor mit seinem innovativen Leiter Walter Gysel in all den Jahren gelungen, was das Konzertprogramm am Samstagabend bewies: Ein Querschnitt aus 20 Jahren zeugte von der unglaublichen Vielfalt des Chores. Vor allem sind es aber auch die präzisen Einsätze und die dynamische Beweglichkeit des Chores, die begeistern, was von der unermüdlichen und engagierten Arbeit von Dirigentin Jeanine Egli zeugt.

Neue Chorgeneration

Mit dem Block «Roots», afrikanischen Gesängen, leitete der Chor geschickt zum heutigen Gospelsound aus Solo, Rhythmus, Bass und Piano über. Es folgte ein Ausschnitt aus dem Konzert mit der Bluegrassband «Schlorzi Musig», fröhlichen Songs um Liebe und Lebenslust. Mit Musicalsongs und dem Auftritt mit dem Posaunenquartett Moods bewies Chlorophyll immer mehr, dass er sich hervorragend als Botschafter einer neuen Chorgeneration eignet.

Natürlich standen mit «Amazing Grace» und «John the Revelator» auch zwei Gospelklassiker auf dem Programm, bevor mit der Wiler Band Frantic noch einmal ordentlich eingeheizt wurde.

Wie geht es nach einer 20jährigen Erfolgsgeschichte weiter? «Chlorophyll wird es nicht mehr geben», so Gysel. Was erst dramatisch klang, wurde schnell aufgelöst: Der Chor entledigte sich seiner pinkigen Accessoires, der Chlorophyll-Schriftzug über der Bühne verschwand: Mit einem neuen Outfit und einem neuen Namen werde man nun in ein neues Zeitalter gehen. Der Chor wird künftig unter dem Namen «Sixty Voices» auftreten.