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«Wir schreiben die Stunden nicht auf»: Katharina und Radislav Piljic arbeiten seit 20 Jahren als Mesmer-Ehepaar in Niederuzwil

Am 1. April 1999 haben Katharina und Radislav Piljic ihre Arbeit in der Christkönigspfarrei Niederuzwil als Mesmer-Ehepaar aufgenommen. Trotz Handy und moderner Technik - die meisten Arbeiten haben sich kaum verändert.
Cecilia Hess-Lombriser
Die grossen Putzarbeiten in der Kirche erledigen Katharina und Radislav Piljic gemeinsam. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Die grossen Putzarbeiten in der Kirche erledigen Katharina und Radislav Piljic gemeinsam. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Vor 20 Jahren waren Katharina und Radislav Piljic-Trunz junge Eltern von drei Kindern und wohnten gegenüber der Christkönigskirche Niederuzwil. Er arbeitete als Kundenmaurer, sie war gelernte Zierpflanzengärtnerin. Beide waren fest in der katholischen Kirche beheimatet, als jemand ihnen vorschlug, sich als Mesmer zu bewerben.

Er hatte Bedenken, ob er genügen würde, sie war Feuer und Flamme. Mit einem Lachen sagt sie:

«Das ist mein Traumjob, ich wollte schon als Jugendliche Mesmerin werden, als ich Oberministrantin und Lektorin war»

Am Anfang war Radislav Piljic zu 100 Prozent angestellt und seine Frau besorgte den Blumenschmuck für die Kirche. Heute sind sie gemeinsam mit einem 130-Prozent-Pensum angestellt und arbeiten Hand in Hand – oder auch alleine und selbstständig.

Arbeiten ohne auf Uhr zu schauen

Freundlich, hilfsbereit, flexibel, kreativ, vielseitig, engagiert und grosszügig: So könnte man das Mesmer-Ehepaar kurz beschreiben. Was im Pflichtenheft steht, weiss es nicht genau. Sicher nicht alles, was es tatsächlich macht. Die beiden werden von allen Seiten gerufen, helfen bei Bastelarbeiten oder nehmen Büromöbel auseinander. Kürzlich hat Radislav Piljic einen Raum mit Motiven entsprechend der Benützung bemalt – er hat auch eine künstlerische Ader. «Wir schreiben die Stunden nicht auf», stellt Radislav Piljic fest.

Ein fester Arbeitsablauf ist bedingt möglich. Beim Besuch der «Wiler Zeitung» wird er weggeholt, weil er einer Mieterin des Pfarreizentrums die Räume und die Gerätschaften in der Küche zeigen muss. Eigentlich hätte sie sich vorher telefonisch melden müssen. Radislav Piljic nimmt es gelassen. Er ist sich einiges gewöhnt. Die Mesmer-Wohnung befindet sich im Pfarreizentrum; Grosszügigkeit und Hilfsbereitschaft ist eine Voraussetzung in seinem Amt.

Mesmer-Dienst vom Vorgänger gelernt

«Vor 20 Jahren wurde ich ins Wasser geworfen, auch wenn ich den einmonatigen Mesmer-Kurs besuchen konnte», erzählt er. «Lernen kann man nur vor Ort mit den vorhandenen Begebenheiten und dem vorhandenen Material», stellte er schon bald fest. Er hatte das Glück, mit seinem Vorgänger, Theo Küsters, während eines Monats gemeinsam arbeiten zu können, und da dieser sein Stellvertreter wurde, war er stets in Rufnähe. Radislav Piljic erklärt:

«Bis man sich wirklich überall auskennt, braucht es ein ganzes Jahr. Im Kirchenjahr ist jedes Fest anders und es braucht spezifisches Material und gewisse Vorbereitungen.»

Er habe sich viele Notizen gemacht. Heute wisse er gar nicht mehr, wo das Notizheft liege. Die Abläufe sind ihm in Fleisch und Blut übergegangen.

Auch Katharina Piljic ist seit Kindsbeinen an mit dem katholischen Gottesdienst vertraut. Da sie seit einigen Jahren die Ministranten betreut und sie in ihren Dienst einführt, ist auch sie ganz nahe an den Ritualen dran. Die Arbeit in der Kirche samt den Putzarbeiten machen jedoch nur rund einen Viertel des Arbeitspensums aus.

Laubbläser hat Bambusbesen ersetzt

Zum Pensum gehört der Hauswartdienst im Pfarreiheim und im Zentrum. Die ganze Umgebung muss gepflegt werden: Schnee räumen im Winter, unzählige Male Laub rechen im Herbst, Rasen mähen, Gehplatten richten und mehr. «Unser Verschleiss an Bambusbesen ist auf Null gesunken, seit wir einen Laubbläser erhalten haben», verrät Katharina Piljic. So könnten sie Stunden an Arbeit sparen, denn das Laub um die Kirche müsse weg. Ansonsten habe sich die Arbeit kaum verändert. Einzig etwas mehr Technik und das Handy seien dazu gekommen.

Die Arbeiten hat sich das Paar nach Neigungen geteilt. Sie zieht im Treibhaus Blumen, die sie anschliessend im Garten pflegt, um fast das ganze Jahr damit die Kirche zu schmücken. Sie jätet, schneidet Sträucher, bewässert und – putzt die WC. Er stuhlt und stellt die Tische für Anlässe im Zentrum, putzt Böden und Fenster, laubt, repariert, erklärt, hilft, packt an. Radislav Piljic fasst zusammen:

«Man muss die Arbeit sehen, genau wie in einem Haushalt, und Prioritäten setzen.»

Und man müsse die Fähigkeiten eines Aals haben. «Immer durchschlängeln und sich den Gegebenheiten anpassen und Lösungen finden.»

Zusätzlicher Einsatz für Menschen

Die Vielseitigkeit, die Selbstständigkeit und der Umgang mit verschiedenen Menschen ist das, was Katharina und Radislav Piljic in ihrem Beruf schätzen. «Wir haben auch die Möglichkeit, kreativ zu sein und die Räume im Zentrum für andere Menschen zu öffnen», sagt sie. Damit meint sie ihr Engagement in der Markthalle, die Lebensmittelabgabe an von Armut betroffene Menschen, wo auch er involviert ist, und die Marktstube, die sie in ihrer Freizeit führt. Da ist aber auch der jährliche Gala-Abend, zusammen mit Flüchtlingen, und die Krippe auf dem Ochsenplatz, deren menschengrosse Figuren Radislav Piljic hergestellt hat. «Es kommt auch vieles zurück», meint er bescheiden.

Die Pfarrei Niederuzwil profitiert mehrfach vom umsichtigen und allzeit bereiten und freundlichen Mesmer-Ehepaar. Immer sind die beiden jedoch auch nicht vor Ort: Sie fahren Hunderte von Kilometern Velo pro Jahr und er spielt Tennis.

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