«Wir möchten in Zukunft verstärkt auf junge Spieler aus der Region setzen» – der EC Wil schlägt mit seinem neuen Headcoach Kevin Schüepp neue Wege ein

Der 38-jährige Kevin Schüepp wechselt nach dieser Saison innerhalb der 1. Liga von Frauenfeld nach Wil. Sein Assistenztrainer Ivo Frischknecht folgt ihm.

Tim Frei
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Mit Kevin Schüepp als Trainer hat sich Frauenfeld zum heissen Anwärter auf den Amateurmeistertitel entwickelt.

Mit Kevin Schüepp als Trainer hat sich Frauenfeld zum heissen Anwärter auf den Amateurmeistertitel entwickelt.

Bild: Mario Gaccioli

Der Wechsel des Trainers Kevin Schüepp hatte sich im Verlauf des Dienstags immer mehr abgezeichnet. Zuerst teilte Wils Ligakonkurrent Frauenfeld am Morgen mit, dass Schüepp und sein Assistenztrainer Ivo Frischknecht den 1.-Liga-Qualifikationssieger per Saisonende verlassen. Am frühen Abend berichtete die Thurgauer Zeitung, dass Schüepp ab der nächsten Saison Headcoach des EC Wil wird. Kurze Zeit später bestätigten die Wiler den Wechsel. Zudem war zu erfahren, dass Frischknecht den gleichen Weg macht.

Präsident Roger Dietschweiler liess in der Medienmitteilung verlauten: «Wir sind überzeugt, mit dem Trainerduo genau die richtigen Personen für die anstehenden Aufgaben gefunden zu haben.»

Frauenfeld vor zehn Jahren letztmals Erster vor dem Playoff

Schüepp und Frischknecht sind in der Tat ein vielversprechendes Trainergespann. Sie haben den EHC Frauenfeld in dieser Saison zu einem Favoriten auf den Meistertitel und den Aufstieg entwickelt: Die Thurgauer haben die Qualifikation und die Masterrunde souverän auf dem ersten Platz beendet – mit einem Vorsprung von acht Punkten auf den EHC Wetzikon, der ebenfalls Aufstiegsambitionen angemeldet hat.

Frauenfeld, der Amateurmeister von 2009, hat das Playoff vor exakt zehn Jahren letztmals von Rang eins aus in Angriff genommen.

Wil profitiert von Frauenfelds Neuausrichtung

Die bisherige Saisonleistung der Frauenfelder war laut Dietschweiler mit ein Grund für die Verpflichtung von Schüepp und Frischknecht. Dass dies überhaupt zum Thema wurde, lag an Frauenfelds Neuausrichtung. Der 1.-Liga-Club hat mit dem NLB-Verein HC Thurgau eine verstärkte Partnerschaft vereinbart, die einen schnellstmöglichen Aufstieg in die dritthöchste Liga vorsieht – um dort Thurgaus Partnerteam zu bilden.

Roger Dietschweiler, Präsident des EC Wil.

Roger Dietschweiler, Präsident des EC Wil.

Michel Canonica

Unter anderem wurde das Stellenprofil des Trainers verändert: Frauenfelds Idealvorstellung wäre ein Halbprofi als Headcoach. Schüepp wäre laut der Thurgauer Zeitung nicht von vornherein ausgeschlossen gewesen. Der 38-Jährige habe sich jedoch für seinen Job als Key Account Manager bei Oerlikon Balzers entschieden und gegen die sportliche Herausforderung mit hohem Zeitaufwand und Schleudersitz-Feeling.

«Es geschah alles ziemlich kurzfristig»

So kam es gerade passend, dass der EC Wil sich keinen Profitrainer mehr leisten kann. Dietschweiler bestätigt: «Schüepp stand am Anfang nicht zuoberst auf unserer Liste. Es geschah alles ziemlich kurzfristig. Sobald wir von der neuen Situation in Frauenfeld erfahren hatten, nahmen wir mit Schüepp Kontakt auf.»

Der Sohn des früheren FC-St.Gallen-Torhüters Markus Schüepp ist bekannt dafür, nebst einem Kern an Routiniers auf Nachwuchsspieler aus der Umgebung des jeweiligen Vereins zu setzen. Mit diesem Plan habe er den Vorstand überzeugt, sagt Dietschweiler. Denn der EC Wil wolle neue Wege gehen: «Wir möchten in Zukunft verstärkt auf junge Spieler aus der Region setzen.» Dazu passt, dass die Vereine Wil, Uzwil und Herisau vereinbart haben, ihre Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich fortzusetzen.


Zusammenarbeit im Nachwuchs geht weiter

Der EC Wil, der EHC Uzwil und der SC Herisau setzen ihre Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich ab Stufe U13 fort. Dies teilten die Vereine am Dienstagabend mit. Ihre Bilanz fällt positiv aus, gleichzeitig haben die Clubs aber auch Entwicklungspotenzial erkannt. Ziel sei und bleibe es, die Kooperation «im Sinne einer gezielten und nachhaltigen Nachwuchsförderung fortzusetzen und damit in die Zukunft aller drei Vereine zu investieren». Der Nachwuchsverbund Wil-Herisau ist seit der Saison 2015/16 tätig. Auf diese Saison wurde beschlossen, mit Uzwil auf den Stufen Moskito und Mini zu kooperieren. (tm)

In der Region verankert

Dietschweiler erhofft sich, dass sich dieses Bekenntnis zum Nachwuchs positiv auf die Zuschauerzahlen auswirkt. Das ist durchaus möglich, denn junge Spieler aus der Umgebung stiften in der Regel Identifikation bei den Anhängern.

Ebenso helfen dürfte, dass der neue Trainer in der Region verankert ist: Schüepp, in St.Gallen geboren, wuchs in Uzwil auf und wohnt aktuell in Zuzwil. Er ist zudem ein bekanntes Gesicht beim EC Wil: In der Saison 2018/2019 coachte er die Herisauer Novizen Top aus dem Nachwuchsverbund Wil-Herisau, die heute unter dem Namen U17 spielen.

Mit dem EHC St. Gallen in die 2. Liga aufgestiegen

In seiner Spielerkarriere lief Schüepp zehn Jahre in der 1. Liga auf, die meiste Zeit davon für seinen Stammclub Uzwil. Seine Trainerlaufbahn begann er beim EHC St.Gallen, mit dem er in die 2. Liga aufstieg.

Später wurde er Uzwiler Headcoach. Dieses Engagement war aber mit neun Spielen nur von kurzer Dauer. Nun also wagt Schüepp einen zweiten Anlauf als Trainer der ersten Mannschaft eines 1.-Liga-Clubs aus seiner Region.