«Wir erwarten umstrittene Spiele»

An diesem Wochenende kommt es im Badminton zum Playoff-Halbfinal Hin- und Rückspiel zwischen dem BC Uzwil und St. Gallen/Appenzell. Die Wiler Zeitung sprach mit BC-Uzwil-Präsident Thomas Müller und Sportchef Jürg Schadegg.

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Vor einem Jahr sassen wir zu gleicher Zeit, ebenfalls vor einem Playoff-Halbfinalspiel, hier zusammen. Was hat sich beim BC Uzwil seither verändert?

Thomas Müller: Unser aktuelles Team präsentiert sich eher etwas schwächer als letzte Saison. Wir schlossen die Qualifikation vor einem Jahr auf dem zweiten Rang ab, jetzt belegen wir den vierten Platz.

Der Grund dafür ist, dass wir den routinierten René Nedela auf diese Saison hin nicht mehr verpflichteten und dafür zwei jungen, eigenen Spielern (Kevin Joss und Oliver Schoch) das Vertrauen schenkten. Diese beiden Jungen haben eine gute Qualifikation absolviert und mitentscheidenden Anteil daran, dass wir auch dieses Jahr wieder in die Playoffs einziehen durften.

Wahrscheinlich hat auch der Sportliche Leiter seinen Beitrag dazu geleistet, dass die Playoffs Tatsache geworden sind?

Jürg Schadegg: Ich habe unseren Spielertrainer Jan Fröhlich dort unterstützt, wo er es für nötig befand. Bei Schwierigkeiten versuchte ich jeweils, ihm denn Rücken freizuhalten, damit er sich auf das konzentrieren konnte, was sinnvoll und nötig war.

Wichtig war für Fröhlich jeweils auch, dass er in kritischen Phasen der Meisterschaft Dinge in die Wege leiten durfte, die unsere Zustimmung fanden. Des Weiteren hielt ich stets den Kontakt mit Janine Cicognini, die in der Vergangenheit meist auswärts trainierte.

Wie muss man sich einen Playoff-Halbfinal aus Spielersicht vorstellen? Ist ein solcher viel wichtiger als ein gewöhnliches Meisterschaftsspiel, und zählen diese beiden Spiele gar zu den Saison-Höhepunkten?

Schadegg: Es muss das Ziel des Vereins, aber auch der Spielerinnen und Spieler sein, jede Saison mindestens in die Playoff-Halbfinals zu kommen Dafür trainieren wir, und dafür verzichten wir auf vieles. Wir freuen uns somit besonders auf dieses Wochenende, wo wir gegen St. Gallen/Appenzell spielen dürfen. Das wird zu einer Affiche, welche weder der Verein, noch die Spielerinnen oder Spieler jeden Tag erleben.

Ich jedenfalls erwarte ein Derby der besonderen Art, ein Derby mit besonders vielen Zuschauern, ein Derby aber auch, in welchem es einige aussergewöhnlich umstrittene Spiele geben wird.

Gegen St. Gallen dürfte es um einiges schwieriger werden zu gewinnen und in die Finalrunde einzuziehen als noch vor einem Jahr gegen Adliswil?

Schadegg: Ob es im Vergleich zu vor einem Jahr schwieriger wird, ist nicht sicher. St. Gallen verfügt zwar über sehr starke Herren und über ein ausgeglichenes Team.

Im Team von Uzwil stehen dafür ganz starke Frauen. In den beiden Begegnungen in der Qualifikation verloren wir zwar beide Male knapp, waren aber mindestens sehr nahe an einem Unentschieden. Wenn es unseren Leistungsträgern gelingt, eine optimale Leistung zu erbringen, und wenn die anderen von unserer Mannschaft über sich hinauswachsen, stehen wir nicht chancenlos da.

Der BC Uzwil dürfte wohl in gewohnter Art und Weise alles so einrichten, dass die BZU-Halle in Niederuzwil zu einem kleineren Festzelt gerät, zu einem Mini-Stadion. Was alles darf der Matchbesucher erwarten?

Müller: Wir wollen die BZU-Halle tatsächlich wieder zu einem kleinen Stadion umfunktionieren. Wir werden rund um die Spielfelder Sitzplätze aufstellen, damit jeder Besucher die Spiele bequem sitzend mitverfolgen kann.

Zudem werden wir die Halle speziell dekorieren, und auch die Schweizer Fahne wird nicht fehlen, wenn die Landeshymne vor Aufnahme der Partien abgespielt wird. Es dürfte wichtig für die Spieler beider Mannschaften sein, wenn die Stimmung bereits vor dem ersten Spiel besonders ist. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass in diesem Playoffspiel eine Bombenstimmung herrschen wird.

Wer wie heute der BC Uzwil das erste Spiel zu Hause austragen muss, hat in der Regel einen Nachteil, sagt man. Um welchen Nachteil handelt es sich hierbei?

Schadegg: Playoff-Spiele haben einen ganz anderen Charakter als Heimspiele während der Qualifikation. Aufgrund des Resultats im Playoff-Hinspiel bereitet man das Rückspiel je nachdem ganz anders vor. Man ändert eventuell die Taktik oder setzt Spieler und Spielerinnen im Rückspiel auf anderen Positionen ein. Dann spielt im Hinspiel die Nervosität auch eine grosse Rolle.

Wir vom BC Uzwil hoffen natürlich, dass dies unsere Akteure nicht trifft und diese es eventuell schaffen, einen Vorsprung in das Rückspiel mitzunehmen.

Wie fest kann man bei so einem Spiel noch taktieren. Bringt es denn überhaupt etwas, wenn man beispielsweise in der Aufstellung auf das zweite Spiel hin alles ändert?

Schadegg: Aufgrund der Aufstellung kann man manchmal schon noch etwas bewirken. Diesen Faktor gilt es deshalb nie ausser Acht zu lassen.

Es ist nämlich so, dass sich der Gegner bei einer überraschenden Aufstellung kurzzeitig verunsichert oder gestört fühlt. Dies wiederum kann sich positiv auf die eigene Leistung und das Resultat auswirken.

Wie wichtig ist für den Verein, dass dessen erste Mannschaft in die Playoffs einziehen kann? Wirkt sich das finanziell positiv aus?

Müller: Sowohl aus dem finanziellen Aspekt wie auch bezüglich der erhöhten Aufmerksamkeit ist eine Playoff-Teilnahme wichtig für uns.

Playoffs ziehen zudem auch Publikum an, das sich sonst nicht unbedingt zu uns in die Halle «verläuft». Wir können also gute Werbung in eigener Sache machen.

Der BC Uzwil hat sein Versprechen gehalten und auf diese Saison hin einige junge, eigene Spieler in die erste Mannschaft eingebaut. Wird weiter an diesen Nachwuchsspielern festgehalten, damit diese ihre Fortschritte bestätigen dürfen?

Müller: Wenn wir nicht mit ausserplanmässigen Abgängen konfrontiert werden, wollen wir auch in der nächsten Saison so weiterspielen.

Wir sind überzeugt davon, dass unsere Jungen zusätzliche Fortschritte erzielen werden und sehen deshalb keinen Grund, das Team mit auswärtigen Spielern zu verstärken.

Interview: Urs Nobel