Wil/Toggenburg
«Es ist schlicht nicht meine Aufgabe, Polizist zu spielen»: Wirte appellieren wegen der Öffnung der Innenräume an die Selbstverantwortung

Seit heute können die Restaurants und Bars die Innenbereiche wieder öffnen. Unsere Zeitung hat nachgefragt.

Francesca Stemer
Merken
Drucken
Teilen
Die Restaurants und Bars können ab heute auch die Innenbereiche wieder öffnen.

Die Restaurants und Bars können ab heute auch die Innenbereiche wieder öffnen.

Bild: PD / KEYSTONE

Auf den Tischen im Innenbereich des «Arts Restaurant und Bar» in Wil liegen wieder Besteck und Tischsets bereit. Dennoch haben dort nur vereinzelt Gäste Platz genommen. Die langersehnten warmen Temperaturen laden an diesem Montag ein, unter schützenden Sonnenschirmen das Mittagessen einzunehmen.

Arts Küchenchef Jimmy Bühler

Arts Küchenchef Jimmy Bühler

Bild: Francesca Stemer

Jimmy Bühler, Küchenchef des «Arts» merkt an, dass er sehr froh ist, nun endlich wieder die Innenbereiche öffnen zu können. Er freut sich aber auch, dass das Wetter mitspielt. Damit steht er nicht allein.

Das Restaurant Rebstock in Wil öffnete Anfang Mai den Aussenbereich. Doch Wirtenpaar Afrodita und Nike Rrasi blicken mit Sorgenfalten auf den vergangenen Monat zurück. Der Wirt erklärt: «Es gab sehr wenige schöne Maitage. Wer möchte bei sieben Grad schon draussen essen?» Eine ähnliche Meinung vertritt Stefan Bernet vom Restaurant Falken in Wattwil. Er hat ab Mitte April den Gartenbereich geöffnet:

«Rentiert hat es nicht wirklich. Immerhin hatten wir jedoch etwas zu tun.»

Das Restaurant Eintracht in Kirchberg öffnete am Montagnachmittag den neu eingerichteten Biergarten. Wirt Bruno Metzger winkt ab: Den Aussenbereich zu öffnen und Take-away anzubieten, hätte sich zuvor nicht gelohnt.

Hoffnung und Ungewissheit

Es sind schwierige Monate für die Gastrobetriebe. Wobei es bei einigen auch zu personellen Änderungen gekommen ist, wie die Umfrage in der Region ergeben hat. Doch viele Stellen konnten bereits wieder besetzt werden oder werden es in naher Zukunft sein. Umso grösser war die Erleichterung, als vergangene Woche das langersehnte Ja zum Öffnen der Gastroinnenbereiche erfolgte. Noch immer gelten Auflagen wie Abstandsregel, Sitzpflicht oder Contact-Tracing. Etwas anders sieht es bei unserem Nachbarland aus.

Bruno Metzger, Restaurant Eintracht

Bruno Metzger, Restaurant Eintracht

Bild: PD

Wer beispielsweise in Österreich ein Restaurant oder eine Bar besuchen möchte, muss einen negativen Test vorweisen, genesen oder geimpft sein. Kürzlich erklärte Daniel Koch, ehemaliger Coronadelegierter des Bundes, dass er den Restaurantbesuchern empfehle, zuvor einen Selbsttest zu machen.

Die Wirte der Region stehen dieser Aussage kritisch gegenüber. Sie appellieren an die Selbstverantwortung ihrer Gäste. «Sollte sich jemand nicht wohlfühlen, hoffe ich, dass diese Personen von sich aus zu Hause bleiben», erklärt Nike Rrasi vom «Rebstock». Metzger von der «Eintracht» ergänzt: «Es ist schlicht nicht meine Aufgabe, Polizist zu spielen.» Denn das Ziel sei es, den Gästen jetzt möglichst gute Momente in den jeweiligen Restaurants zu ermöglichen.

Viele angefragte Wirte konnten für die kommenden Tage bereits einige Reservationen verbuchen. Dennoch ist eine gewisse Unsicherheit nicht wegzudenken. Besonders Buchungen für Bankette und grössere Anlässe werden zurückhaltend getätigt. Und auch in der «Eintracht» in Kirchberg, die für ihre kulturellen Veranstaltungen bekannt ist, wurden geplante Events auf die Herbstmonate verschoben. Die Wirte hoffen jetzt, nicht noch einmal mehrere Wochen lang schliessen zu müssen.