Willy Tell braucht keine Armbrust

Zum fünftenmal feierte Flawil am Wochenende am Open Air «Flawil live». Vor einer eindrücklichen Publikumskulisse trat mit Willy Tell ein Künstler auf, der an den Schweizer Nationalhelden erinnert, tatsächlich aber Mundartmusiker ist.

David Metzger
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Hochbetrieb am Open-Air-Anlass «Flawil live». Zeitweilen war zwischen den Tischen, Bänken und Verkaufsständen kein Durchkommen mehr. (Bilder: David Metzger)

Hochbetrieb am Open-Air-Anlass «Flawil live». Zeitweilen war zwischen den Tischen, Bänken und Verkaufsständen kein Durchkommen mehr. (Bilder: David Metzger)

FLAWIL. Wilhelm Tell hat sich den kecken Kurznamen Willy zugelegt und die legendäre Armbrust gegen eine schwarzweiss gepunktete Handorgel getauscht. Hat der Schweizer Nationalheld aus dem 14. Jahrhundert ein Imageproblem und sehnt sich nach einer neuen Aktivität? «Nicht wirklich», lässt Hauptact und Musikgast Willy Tell, der mit bürgerlichem Namen Willy Vogel heisst, lachend verlauten. Er sei auch kein Geschichtsfan, schon gar nicht ein Verehrer von Wilhelm Tell. «Eigentlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun.» Er habe sich einzig und allein aufgrund seines Vornamens für eben diesen Künstlernamen entschieden. Der Nachtrag «Tell» stehe für die Schweizer Volksmusik, die er zelebriere und fabriziere.

Scharfe Pfeile kann aber auch der Musiker Tell schiessen. Wenn auch nur in Form von Musikfetzen. Diese feuerte der aus Frutigen angereiste Künstler mit seiner Band am Freitagabend gekonnt auf die anwesende Dorfbevölkerung ab und heizte so richtig ein: je länger der Abend dauerte, desto mehr.

Ein Stück Flawil geschaffen

Bereits zum fünftenmal fand die Outdoorveranstaltung «Flawil live» statt. «Ursprüngliches Ziel war einmal, für Flawil etwas auf die Beine zu stellen, eine echte Party zu schmeissen», verrät Michel Keller aus dem Organisationskomitee. Zusammen mit dem OK – federführend gemanagt von René Brunschwiler und Roland Klotz – wurde ein Anlass geschaffen, der die Menschen aus Flawil und den umliegenden Gemeinden anzieht und Freude aufkommen lässt. Auch bei der jüngeren Generation geniesst der Event grosse Beliebtheit, wie Arbresha Krasniqi, 23, aus Flawil verrät. «Es ist ja schon nicht unbedingt so, dass in Flawil jeden Tag ein solches Fest angeboten wird. Da muss man dann schon hingehen, wenn mal etwas ansteht», sagt die junge Frau. Heutzutage steht der Anlass bei vielen Flawilerinnen und Flawilern als Fixpunkt in ihrer Agenda, mit dem Ziel, sich mit Freunden auszutauschen, darauf anzustossen und Leute zu treffen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat.

Gleich viele Besucher

Nicht nur Jugendliche waren am Anlass zugegen. Auch viele Gäste der älteren Generation waren vertreten. Die aufgestellten Festbänke auf der Bahnhofstrasse waren rappelvoll. Zeitweise gab es zwischen den langen Tischen und den vielen Verpflegungsständen kaum ein Durchkommen.

Auch in diesem Jahr durften gegen 1000 Besucher begrüsst werden, womit der Vorjahreswert in etwa egalisiert werden konnte. ««Ein Outdoorevent steht und fällt mit dem Wetter», macht OK-Mitglied und Festwirtschaftsleiter Michel Keller deutlich. «Ist es sonnig und warm, verweilen die Gäste bis spät in die Nacht. Regnet es aber, kommen sie gar nicht erst. «Wir hatten Glück.» Der Eintritt war übrigens kostenlos. Denn der Anlass wird komplett von Flawiler Unternehmern und Geschäften finanziert. Nur dadurch war es überhaupt möglich, das Dorffest mit dem entsprechenden Programm ein weiteres Mal durchzuführen.

Das fetzige Bühnenprogramm lieferte Willy Tell.

Das fetzige Bühnenprogramm lieferte Willy Tell.