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Willkommen und doch unerwünscht: Wiler mit Migrationshintergrund erzählen über ihr Leben in der Schweiz

Bei einem Generationengespräch im Baronenhaus tauschten sich Migranten über ihre Erfahrungen mit ihrem Leben in der Schweiz aus. Dabei kam viel Überraschendes und Tragisches zur Sprache.
Nicola Ryser
Viel Diskussionsstoff, viel Publikum: Migranten und Doppelbürger erzählen von ihrer turbulenten Zeit in der Schweiz. Bild: Nicola Ryser

Viel Diskussionsstoff, viel Publikum: Migranten und Doppelbürger erzählen von ihrer turbulenten Zeit in der Schweiz. Bild: Nicola Ryser

«Dummer Tschingg», «blöder Jugo», «verdammter Flüchtling»: Das Vokabular im Chäller- theater erreichte am Donnerstagabend wüste Töne. Jedoch ging es nicht um Beleidigungen, die in einer hitzigen Diskussion gefallen sind und den Gegenüber angreifen sollten. Vielmehr erzählten Migranten aus verschiedenen Ländern bei einem Generationengespräch über ihren Zuzug in die Schweiz und die Erfahrungen, die sie durch ihre ausländischen Wurzeln gesammelt haben. Worte wie die oben genannten waren dabei Bestandteil ihrer Anekdoten. Es entstand der Eindruck, dass sie sich zwar willkommen, in gewissen Momenten aber auch unerwünscht fühlten.

Das Theater bleibt, die Schauspieler ändern sich

So hielt Autor Angelo Maiolino, dessen Eltern italienischen Ursprungs sind, ein kurzes Referat zur schweizerischen Einstellung gegenüber den Italienern. Gälten diese heute als Vorzeige-Ausländer, seien sie früher in der Schweiz wenig beliebt gewesen, so Maiolino. «Da waren wir noch die Tschinggen. Es gab Tafeln vor Restaurants, auf denen stand: ‹Für Hunde und Italiener verboten›.» Die Italiener seien billige Arbeitskräfte gewesen, die mit der Zeit unerwünscht wurden. Luigi Perone, italienisch-schweizerischer Doppelbürger, erzählte von seinem Vater, der als Saisonnier in die Schweiz einwanderte und jährlich vorübergehend für drei Monate in den Süden zurückkehren musste. «Unter anderem arbeitete er auf einem Bauernhof für einen Stundenlohn von 1.20 Franken.» Perone hingegen fühlte sich in seiner Kindheit als Secondo sehr gut aufgenommen. Doch etwas hat ihn immer gestört:

«Es hat oft diese Vorurteile gegeben, Italiener seien faul, lebten nur in ihrer Sippe und wollten sich nicht integrieren. Was natürlich nicht stimmte.»

Heute sei das keineswegs mehr so schlimm. Doch – das betont Maiolino – eine schlechte Einstellung gegenüber Ausländern existiere weiterhin. «Das Theater bleibt, nur die Schauspieler haben sich geändert.»

Lehrstelle und Wohnung liessen auf sich warten

Heute hätten unter anderem Einwanderer aus dem Balkan und Nahen Osten einen schlechten Ruf. Das musste die 26-jährige Valentina Kovacevic, kroatisch-schweizerische Doppelbürgerin, ebenfalls feststellen. Sie fühle sich hier zwar nicht als Ausländerin, aber auch sie wurde mit Vorurteilen konfrontiert. «Ich habe kaum eine Lehrstelle gefunden, obwohl ich viele Bewerbungen geschrieben habe. Auch dauerte es fast neun Monate, bis ich eine Wohnung fand.» Vielleicht habe dies am Nachnamen gelegen.

Noch schlimmer erlebte es der 22-jährige Afghane Hamid Abdullahi, der 2012 aus dem Iran in die Schweiz flüchtete. Nach einiger Zeit sah er, einsam, arbeitslos und mit einem temporären Visum, keinen Ausweg mehr und sprang von einer Autobahnbrücke. Abdullahi überlebte jedoch und fand mit Unterstützung zurück ins Leben. Zwar habe er nun eine Lehrstelle, doch seine Zukunft gestalte sich weiter unsicher: «Ich weiss nicht, ob ich in einigen Jahren noch in der Schweiz bin.»

Zufrieden mit der Veranstaltung

Arber Bullakaj und Mirta Sauer, Organisatoren der Veranstaltung – beide ebenfalls mit Migrationshintergrund –, zogen nach dem Gespräch ein positives Fazit. Sauer war beeindruckt vom breiten Publikum, das den Weg ins Chäller­theater fand: «Alle hörten aufmerksam zu. Wir haben unser Ziel erreicht, dem Thema verschiedene Gesichter zu geben.» Gerne hätte sie aber noch mehr über ein Mitspracherecht der Ausländer in der Politik diskutiert.

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