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Wiler Wald widersteht der Trockenheit: Neue Strategie trägt Früchte

Während es an anderen Orten zu Ast- und Kronenabbrüchen kommt, zeigt der Wald der Ortsbürgergemeinde Wil bis jetzt trotz Trockenheit keine solchen Symptome. Das hat nicht zuletzt mit der Forststrategie zu tun.
Richard Clavadetscher
Revierförster Renaldo Vanzo: Den Wald auf wärmere Zeiten vorbereiten. (Bild: Richard Clavadetscher)

Revierförster Renaldo Vanzo: Den Wald auf wärmere Zeiten vorbereiten. (Bild: Richard Clavadetscher)

Doch, es gibt sie auch in diesen Tagen, die Berufsleute, die trotz des extremen Wetters und der Trockenheit wenig zu klagen haben. Renaldo Vanzo, Betriebsleiter und Revierförster der Ortsgemeinde Wil, ist so einer. Während Berufskollegen in Basel feststellen müssen, dass die Buchen mit Ast- und Kronenabbrüchen auf die Trockenheit reagieren und deshalb Waldspaziergänger warnen, hat Renaldo Vanzo keine solchen Botschaften zu verbreiten.

Der Borkenkäfer ist wenig präsent

Die Buchen auf den 430 Hektaren Wald im Besitz der Ortsgemeinde Wil weisen solche Symptome nicht auf – mindestens bis jetzt nicht. Nicht einmal der Borkenkäfer hat sich – abgesehen von einigen kleinen Herden – gross blicken lassen in Vanzos Wald, was selbst den Waldfachmann erstaunt: «Die Bedingungen für diesen Schädling wären jetzt eigentlich ideal.». So kann der Förster der Ortsgemeinde «seinem» Wald insgesamt ein gutes Zeugnis ausstellen: «Über alles gesehen, ist der Wald der Ortsbürgergemeinde Wil gesund.»

Neue Strategie scheint sich bereits auszuzahlen

Bäume nicht zu dicht pflanzen: So kann der einzelne Baum genügend Wasser aufnehmen. (Bild: Hans Suter)

Bäume nicht zu dicht pflanzen: So kann der einzelne Baum genügend Wasser aufnehmen. (Bild: Hans Suter)

Dass sich der Wiler Wald – hauptsächlich Fichten (Rottannen), Buchen, Weisstannen, Eschen und Ahorn – so gut präsentiert, hat durchaus mit der Umsicht von Förster Vanzo zu tun – aber nicht nur. Auch etwas Glück ist mit dabei: So hat der Wintersturm Burglind Anfang Jahr im Wiler Wald nicht flächendeckend gewütet, sondern nur einzelne Bäume in Mitleidenschaft gezogen oder gar umgelegt. Die Schäden sind im Vergleich zu anderen Orten gering, die Zahl der geschwächten Bäume ist relativ klein. Gleichwohl hat Burglind etwa einen Viertel der Jahresnutzung zu Boden gebracht. Und da nur einzelne Bäume dem Sturm zum Opfer fielen, war der Aufräumaufwand entsprechend gross.
Weniger mit Glück, dafür aber mit der Umsicht des Försters hat hingegen zu tun, dass der Wiler Wald die grosse Trockenheit bisher weitgehend problemlos erträgt. Es sei eben schon lange seine Strategie, den Wald, für den er verantwortlich sei, für eine heissere und trockenere Zukunft vorzubereiten, sagt Vanzo und schmunzelt.
Diese Strategie bestehe einerseits darin, möglichst unterschiedliche, gegenüber Hitze und Trockenheit resistentere Baumsorten zu pflanzen und zu ziehen, anderseits die Zahl Bäume pro Fläche nicht zu gross werden zu lassen, damit sich der einzelne Baum auch ausreichend mit Wasser versorgen könne.
Dass sich diese Strategie gerade jetzt auszuzahlen scheint, sagt Renaldo Vanzo nicht explizit. Dafür ist er zu bescheiden.

Auch ohne Hitzeschäden genug Sorgen im Wald

Auch wenn der Borkenkäfer «komischerweise», wie Vanzo sagt, seinen Wald zurzeit verschont, Herausforderungen gibt es für den Förster auch so. Sorgen macht ihm wie allen Berufskollegen zum Beispiel das Eschentriebsterben. Nur fünf Prozent der vielen Eschen in der Schweiz sollen aufgrund ihrer genetischen Disposition dem das Triebsterben verursachenden Pilz widerstehen. Es ist also damit zu rechnen, dass in naher Zukunft zahlreiche Eschen in der Schweiz und damit auch im Wiler Wald absterben werden. Ob die resistenten fünf Prozent überleben, ist laut Vanzo nicht sicher: «Was, wenn der verursachende Pilz so mutiert, dass auch die erwähnten fünf Prozent bisher resistenter Bäume ihm nicht mehr widerstehen können?»
Eine andere Herausforderung hat weder mit dem Wetter zu tun, noch lauert sie als Schädling im Forst: Es ist das oftmals geringe Verständnis der Menschen für den Wald und die Notwendigkeiten, ihn gesund zu erhalten. Vanzo erzählt von grossen Diskussionen, die jeweils dann anheben, wenn es aus Sicht des Fachmanns angezeigt ist, Bäume zu fällen. Der Revierförster begegnet diesem Wissensdefizit in der Bevölkerung mit geduldigem Erklären und mit Argumenten: «Anders geht es nun mal nicht.»

Keine Steuergelder für den Unterhalt

Auch die Ansprüche der Allgemeinheit bereiten ihm bisweilen Kummer – wenn es etwa darum geht, einen Waldweg zu reparieren. «Die Leute vergessen, dass dafür nicht einfach Steuergelder aufgewendet werden können», sagt Vanzo. «Sowohl die Ortsgemeinde als auch andere, private Waldbesitzer müssen solche Arbeiten mit dem Ertrag des Waldes finanzieren. Der Holzpreis aber ist auf einem sehr bescheidenen Niveau, die Erträge sind entsprechend tief.»

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