Wiler Stadtratswahlen: Die SVP tritt mit Ursula Egli an und will erstmals den Sprung in die Exekutive schaffen

Die Schweizerische Volkspartei portiert als einzige Partei eine Frau für den Wiler Stadtrat, verzichtet aber auf eine Präsidiumskandidatur.

Hans Suter
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Ursula Egli will in den Stadtrat. Sie wäre die erste SVP-Politikerin in der Wiler Exekutive.

Ursula Egli will in den Stadtrat. Sie wäre die erste SVP-Politikerin in der Wiler Exekutive.

Bild: PD

Der Wahlausschuss der SVP Wil schlägt der Nominationsversammlung vor, Ursula Egli als Kandidatin für die Stadtratswahlen am 27. September zu nominieren. Das Prozedere dürfte eine Formsache sein. Ob Ursula Egli die Richtige ist, um als Erste ihrer Partei die Hürde in den Wiler Stadtrat zu nehmen, entscheidet das Wahlvolk. Mit Sicherheit aber ist es ein kluger Schachzug der SVP, eine Frau ins Rennen zu schicken.

Bis jetzt ist Ursula Egli neben der parteilosen Stadträtin und Schulratspräsidentin Jutta Röösli die einzige Frau im Rennen um einen Sitz in der Wiler Exekutive. Die drei städtischen Regierungsparteien FDP, SP und Grüne Prowil deswegen zu kritisieren, wäre aber zu kurz gegriffen. Schliesslich haben diese drei Parteien je einen Sitz zu verteidigen, der aktuell von einem Mann besetzt ist. Zwei von ihnen, Daniel Meili (FDP) und Dario Sulzer (SP), kandidieren auch als Stadtpräsident.

Keine Kandidatur für das Stadtpräsidium

Der einzige sozusagen freiwillig frei gewordene Sitz im Stadtrat ist jener von Stadtpräsidentin Susanne Hartmann (CVP), die in den St.Galler Regierungsrat gewählt worden ist. Sie war die erste Stadtpräsidentin – sowohl in Wil als auch im Kanton St.Gallen. Diesen Sitz möchte die CVP nun aber mit einem Mann verteidigen. Die SVP will sich zu den Wahlen ins Stadtpräsidium erst äussern, wenn alle Wahlvorschläge veröffentlicht worden sind, wird selber aber keinen Kandidaten aufstellen.

Eine Powerfrau, die sich nicht so leicht erschrecken lässt

Wer ist Ursula Egli? Die Präsidentin der SVP Wil ist Mutter von vier Kindern und lebt seit 25 Jahren mit ihrem Ehemann Lorenz auf dem Feldhof in Rossrüti. Sie ist gelernte Hauspflegerin und Bäuerin. Neben der Familienarbeit gestaltet sie aktiv die Weiterentwicklung des gemeinsamen Landwirtschaftsbetriebs mit. Seit sieben Jahren ist sie Mitglied des Stadtparlaments, das sie 2017 präsidierte. Seit 2016 vertritt sie den Wahlkreis Wil zudem im Kantonsrat. Im März wurde die 49-Jährige für die Amtsdauer 2020–2024 bestätigt.

«Durch die Weiterbildung zur Wirtschaftsfachfrau hat sich Ursula Egli das nötige Rüstzeug für Führungs- und Wirtschaftsfragen geholt», hebt Fraktionschef Benjamin Büsser in einer Medienmitteilung die Stärken der SVP-Kandidatin hervor. «Als Stadträtin würde sie sich in konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Stadtrat, dem Parlament und den Verantwortungsträgern aus Wirtschaft und Gewerbe für die Interessen der Bevölkerung und für die Zukunft von Wil als attraktive Stadt im Grünen mit hoher Lebensqualität einsetzen», sind Büsser und der Wahlausschuss überzeugt. Dies ganz im Sinne ihres Wahlmottos «Machen statt verhindern» – einem Motto, das in der nationalen SVP-Politik eher fremd anmutet. Der Wahlausschuss gibt sich überzeugt, am 22.Juni der SVP-Nominationsversammlung mit Ursula Egli eine Stadtratskandidatin vorschlagen zu können, «die sämtliche Voraussetzungen erfüllt, um bei einer erfolgreichen Wahl der Stadt Wil die dringend notwendigen neuen politischen Impulse zu geben». Die SVP-Politikerin gilt als streitbare Powerfrau, die sich nicht so leicht erschrecken oder gar einschüchtern lässt.

«Bin eine pragmatische Person»

Wie sieht sich Ursula Egli selber? Was glaubt sie, den anderen Kandidierenden vorauszuhaben? «Ich bin eine pragmatische Person, die mit einfachen Lösungen Wege aufzeigen und Beschlüsse durchziehen will», antwortet die Politikerin spontan. Vieles sei heute träge in Wil, die Stadt brauche unbedingt wieder mehr Schwung. Als Macherin könne sie da ihren Teil dazu beitragen. «Es liegt vielleicht in meinem Naturell als Bäuerin, schnell zu entscheiden und zu handeln, flexibel und anpassungsfähig zu sein.»

Im Gegensatz zu den bisherigen Stadträten könne sie unbeschwert zu den Wahlen antreten. «Ich habe nichts zu verlieren, weil ich keinen Sitz verteidigen muss», sagt die 49-Jährige und unterstreicht: «Die Zeit ist reif für einen SVP-Sitz im Stadtrat. Wir wollen Verantwortung übernehmen.» Ein grosses Anliegen ist ihr aber auch, dass die Frauen im fünfköpfigen Stadtrat vertreten sind. «Da hat es Platz für eine Frau aus dem rechtsbürgerlichen Lager.»

Wunschdepartement wäre das Soziale oder die Bildung

Warum sie ausgerechnet das Motto «Machen statt verhindern» gewählt hat, wo doch die SVP auf dem nationalen Parkett eher für das Gegenteil steht, begründet sie mit den Worten: «Wil braucht wieder eine vorwärtsgerichtete Politik. Dazu kann ich beitragen.» Welches Departement hätte sie dazu am liebsten? «Es ist kein Wunschkonzert», lacht Egli und gesteht: «Am liebsten das Soziale oder die Bildung. Aber ich bin natürlich für alles offen.»