Wiler Ortsbürger: Keine Urnenwahl mehr

Die Ortsbürger beschlossen, Wahlen künftig an der Bürgergemeinde durchzuführen. Mit dem Verzicht auf eine Urnenwahl sollen Kosten gespart werden. Darüber hinaus erhofft man sich eine Aufwertung der Versammlungen.

Gianni Amstutz
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Ab 2020 können die Ortsbürger an den Versammlungen nicht nur abstimmen, sondern auch wählen. (Bild: Gianni Amstutz)

Ab 2020 können die Ortsbürger an den Versammlungen nicht nur abstimmen, sondern auch wählen. (Bild: Gianni Amstutz)

Die Wilerinnen und Wiler nehmen die Ortsbürgergemeinde und ihr Schaffen selten direkt wahr. Dabei begegnet sie einem beinahe täglich – oft jedoch, ohne dass man diese Begegnungen mit der Ortsbürgergemeinde in Verbindung bringen würde. «In der Öffentlichkeit werden wir leider immer noch zu wenig wahrgenommen», sagte denn auch Norbert Hodel, Präsident des Ortsbürgerrats, an der Hauptversammlung in der Tonhalle. Also just in einem jener historisch und kulturell wichtigen Gebäude in Wil, die im Besitz der Ortsbürgergemeinde sind. Mit dem Ba­ronenhaus in der Altstadt verfügen sie über ein weiteres markantes Bauwerk, das wohl jedem Wiler ein Begriff ist.

Doch nicht nur in Form von architektonischen Zeugnissen treffen die Wilerinnen und Wiler auf die Ortsbürgergemeinde. Auch in der Natur gibt es Berührungspunkte, gehören ihr doch rund 430 Hektar Wald in und um Wil, um dessen Pflege und Bewirtschaftung sie sich kümmert.

Jeder zehnte Franken für die Allgemeinheit

Das Engagement der Ortsbürger für die Allgemeinheit lässt sich aber auch in konkreten Zahlen beziffern. So habe die Ortsgemeinde 2018 rund 360000 Franken für öffentliche Leistungen wie Umweltschutz, Kultur, Sport und Anlässe investiert, sagte Norbert Hodel. Jeder zehnte Franken, den die Ortsbürgergemeinde ausgibt, kommt also der Öffentlichkeit zugute. Wäre dies nicht mehr der Fall, müssten wohl manche Vereine und Organisationen ohne die Unterstützungsbeiträge den Gürtel etwas enger schnallen oder die Stadt einspringen. Den Wegfall der Ortsbürgerbeiträge müsste die Stadt mit der Erhöhung des Steuerfusses um rund ein Steuerprozent kompensieren, verdeutlichte Hodel den Wert der Ortsbürgergemeinde für die Wilerinnen und Wiler.

«Wir machen das aber sehr gerne, solange es weiterhin im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten liegt.»

Änderung des Wahlmodus

An ihrer HV entschieden die Bürger über eine Anpassung der Gemeindeordnung. So sollen die Wahlen des Ortsbürgerrats und der Geschäftsprüfungskommission künftig an den Versammlungen und nicht mehr an der Urne stattfinden. Das Hauptargument für diesen Schritt: Die separate Durchführung einer Urnenwahl kostet die Ortsbürgergemeinde zwischen 6000 und 14000 Franken. Geld, das man besser einsetzen könne, zeigte sich Hodel überzeugt. Dies, zumal bei der letzten ordentlichen Legislaturwahl und der Ersatzwahl für ein GPK-Mitglied gerade einmal acht beziehungsweise fünf Personen ihre Stimme an der Urne abgaben. Als positiven Nebeneffekt erhoffe sich der Ortsbürgerrat wieder mehr Teilnehmer an den jährlichen Versammlungen.

Dass die Wahl an den Versammlungen stattfinde, sei indes bei vielen anderen Ortsbürgergemeinden längst gang und gäbe, sagte Hodel. Mit diesen Argumenten gelang es ihm, eine grosse Mehrheit der Stimmberechtigten zu überzeugen. Wird das fakultative Referendum nicht ergriffen, kommt der neue Modus bereits im nächsten Jahr zum Zuge. Dann finden Wahlen des Ortsbürgerrats und der GPK für die nächste Legislatur statt.

Wenig zu reden gaben Rechnung und Budget. Ausgaben und Einnahmen halten sich jeweils die Waage. 2018 resultierte ein Defizit von 14000 Franken, für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Ortsbürgerrat mit einem Verlust von 7500 Franken.