Wiler Nacht-OL mit einer grossen Anziehungskraft

In Wil wird am Samstagabend die Schweizer Meisterschaft im Nacht-Orientierungslauf ausgetragen. Für den Anlass haben sich zehn WM-Medaillen-Gewinner angemeldet.

Urs Schönenberger
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ORIENTIERUNGSLAUF. Auf der Startliste figurieren auch die 17-fache Orientierungslauf-Weltmeisterin Simone Niggli und der dreifache Weltmeister Daniel Hubmann aus Eschlikon. Die beiden haben bereits mehrmals eine Nacht-Schweizer-Meisterschaft gewonnen und würden gerne nachdoppeln: «Da die Veranstaltung in diesem Jahr von meinem Verein organisiert wird und vor Heimpublikum stattfindet, würde ich besonders gerne gewinnen», sagt der Hinterthurgauer. Man darf auf einen spannenden Wettkampf hoffen, denn «ein Sieg ist nicht vorprogrammiert, da gerade beim Nacht-OL viel passieren kann», sagt Niggli.

Wechsel des Karten-Massstabs

Als erster national wichtiger Wettkampf der Saison wird die Nacht-Schweizer-Meisterschaft den Athleten zeigen, in welcher Form sie sich im Hinblick auf die diesjährige Heim-WM in Lausanne befinden. Dies gilt auch für den zweiten Medaillen-Kandidaten Martin Hubmann, der 2011 den Sprung in die Weltelite geschafft hat und in diesem Jahr sein WM-Début geben möchte.

Grund für die grosse Ansammlung an Weltklasse-Läufern ist das bestechende Konzept des Anlasses, das Laufleiter Roland Ludwig mit seinem Organisationskomitee erarbeitet hat. Er wolle «die Nacht-OL-Schweizer-Meisterschaft für die Läufer, aber auch für die Zuschauer, möglichst attraktiv gestalten», sagt Ludwig. Dazu wird erstmals an einer Schweizer Meisterschaft ein Wechsel des Karten-Massstabs während des Wettkampfes durchgeführt. Der Hauptteil findet im Wald auf der Karte «Nieselberg-Weidli» statt. Für die Schlussrunde erhalten die Athleten eine zweite, detailliertere Karte, welche sie durch urbanes Gebiet bis ins Ziel auf der Leichtathletikanlage Lindenhof führt. Ab 20 Uhr kann die Entscheidung dank GPS-Tracking beim Zieleinlauf im Lindenhof oder auf der Grossleinwand in der Festwirtschaft live mitverfolgt werden. Die Spannung wird erhöht, da alle Athleten gleichzeitig starten. Die Anlauf-Reihenfolge der Posten wird dann unterschiedlich sein, womit die Läufer zum selbständigen Orientieren gezwungen werden sollen.

Auch starke Schweden dabei

Für die Entwicklung des ausgeklügelten Streckenposten-Netzes zeichnet der ehemalige Schweizer OL-Kadertrainer der Frauen, Kilian Imhof aus Balterswil, verantwortlich. Er beschreibt die Faszination Nacht-OL so: «Wegen des eingeschränkten Gesichtsfeldes bietet auch ein einfacher Mittelland-Wald technisch grössere Herausforderungen als am Tag. Mit Massenstart, Massstab- und Geländewechsel versuchen wir, die Meisterschaft möglichst abwechslungsreich zu gestalten.» Imhof geht davon aus, dass Simone Niggli und auch Daniel Hubmann nur schwer zu schlagen sein werden, fügt aber an: «Auch Schweden startet mit einem starken Team, angeführt von der amtierenden Mittelstrecken-Weltmeisterin Helena Jannson.»