Wiler Klimanotstand könnte den Gewinn der Sportanlagen im Bergholz dahinschmelzen lassen

Die Wiler Sportanlagen AG ist wirtschaftlich stabil – doch muss sie in naher Zukunft verschiedene Herausforderungen meistern.

Philipp Wolf
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Die Wiler Sportanlagen AG erwirtschaftet auch dank dem Sportpark Bergholz jährlich einen kleinen Gewinn.Bild: Philipp Wolf

Die Wiler Sportanlagen AG erwirtschaftet auch dank dem Sportpark Bergholz jährlich einen kleinen Gewinn.Bild: Philipp Wolf

Ein Nachmittag im Restaurant des Sportparks Bergholz. Christian Tröhler, Verwaltungsratspräsident der Wiler Sportanlagen AG (Wispag) und Marcel Schneller, Geschäftsführer der Wispag, geben Auskunft über das neue Gastronomiekonzept und den möglichen Einfluss des von der Stadt ausgerufenen Klimanotstands auf den Betrieb der Anlagen.

Vor einigen Monaten haben Sie für das Restaurant, in dem
wir uns befinden, ein neues Konzept lanciert. Wie läuft
es bisher?

Marcel Schneller, Geschäftsführer der Wispag.

Marcel Schneller, Geschäftsführer der Wispag.

Marcel Schneller: Vom neuen Konzept der Selbstbedienung kann man sagen, dass es von den Abläufen her funktioniert und von den Kundinnen und Kunden angenommen wurde. Für uns hat es den Vorteil, dass in schwächer ausgelasteten Zeiten die gleiche Person, welche die Eintrittskasse betreut, auch das Restaurant überwachen kann. Davor brauchte man immer zwei Personen. Ob das neue Konzept betriebswirtschaftlich die gewünschten Effekte vollumfänglich erzielt, wissen wir aber erst Ende Jahr.

Christian Tröhler: Wir hoffen, dass wir mit diesem neuen Konzept der Gastronomie zumindest eine schwarze Null schreiben.

Abgesehen von der Gastronomie: Wie steht es um die Eigenwirtschaftlichkeit des Sportparks?

Christian Tröhler, Verwaltungsratspräsident der Wispag.

Christian Tröhler, Verwaltungsratspräsident der Wispag. 

Tröhler: In der Leistungsvereinbarung mit der Stadt ist festgehalten, dass unsere Preise sozial verträglich sein sollen. Das heisst; jedem Einwohner, jeder Einwohnerin sollte es möglich sein, den Sportpark Bergholz zu nutzen. Das ist vom Eigentümer bewusst gewollt. Deshalb können wir unsere Gewinne nicht maximieren. Der Beitrag von 1,5 Millionen Franken von der Stadt und die rund 200'000 Franken von den beteiligten Gemeinden erlauben uns, schwarze Zahlen zu schreiben. Normalerweise resultiert jährlich ein Gewinn zwischen null und 50'000 Franken. Wir sind soweit im Plan.

Schneller: Im Wellness und mit den Kursen, die wir selber anbieten, verdienen wir gutes Geld. Beispielsweise auch mit Massagen und dem Badeshop. Das ermöglicht es uns, die Belastung für die Steuerzahler in dem Rahmen zu halten, in dem er jetzt ist. Die Kurse sind ein Erfolgsprodukt und zeigen, dass wir einiges richtig machen.

Die Sommer werden immer heisser. Macht es da wirtschaftlich Sinn, die Sauna im Juli und August laufen zu lassen?

Tröhler: Ja, wir haben auch bei 35 Grad Wellnessbesucher.

Schneller: Es macht Sinn, weil eine Nachfrage besteht. Natürlich sind die Frequenzen im Sommer nicht so hoch wie zwischen Weihnachten und Neujahr. Deswegen legen wir die zweiwöchige Revision des Wellnessbereichs und des Hallenbads auch bewusst in die Sommerferien.

Wie zufrieden sind Sie mit der Besucherentwicklung?

Tröhler: Sehr zufrieden. Wir konnten über die vergangenen fünf Jahre in allen Bereichen konstant mehr Besucherinnen und Besucher verzeichnen.

Gibt es zahlenmässige Ziele, die Sie sich gesetzt haben?

Schneller: Irgendwo gibt es sicher eine Obergrenze. Irgendwann wird ein Plafond erreicht werden und das Wachstum aufhören. Am Ende ist für uns aber Qualität wichtiger als Wachstum.

In der Leistungsvereinbarung mit der Stadt und den beteiligten
Gemeinden heisst es: «Die Wispag pflegt einen sparsamen Ressourcenumgang. Die Nutzung von Abwärme und erneuerbaren Energien ist in angemessenem Rahmen zu realisieren.» In welchem Ausmass erfüllt die Wispag dieses Anliegen?

Schneller: Die Sportanlage besitzt das Minergie-Label. Das alleine zeigt bereits, dass Energieeffizienz einen ganz hohen Stellenwert hat. Der ganze Energiehaushalt im Sportpark ist auf Energieeffizienz getrimmt. Wir haben beispielsweise eine thermische Solaranlage auf dem Dach. Die Abwärme der Eisbahn brauchen wir, um das Beckenwasser zu wärmen. Selbst die Abwärme des Restaurantkühlschranks wird genutzt. Wir verschenken kein Kilowatt Energie.

Kann der ganze Strom- und Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden?

Schneller: Nein. Für die Energie, die wir nicht selber produzieren können, nutzen wir Gas – davon 25 Prozent Biogas. Den Strom den wir brauchen, kommt zu 100 Prozent aus Schweizer Wasserkraft. Wir könnten billigeren Strom einkaufen, aber das würde nicht zum Minergie-Standard und der Maxime des sparsamen Ressourcenumgangs passen. Und nun, da die Stadt Wil den Klimanotstand ausgerufen hat, stellt sich diese Frage sowieso nicht mehr.

Inwiefern?

Tröhler: Die Stadt Wil hat den Klimanotstand ausgerufen. Es kann sein, dass wir völlig auf Biogas umsteigen müssen. Eine konkrete Möglichkeit, die aber höhere Energiekosten verursachen würde.

Würde dahingehend auch eine Anpassung der Leistungsvereinbarung im Raum stehen?

Tröhler: Nein, nicht sofort. Die aktuelle Leistungsvereinbarung ist bis zum 31. Dezember 2021 gültig. Dann wird sie neu verhandelt.

Apropos Geld, wie steht es um das Namen-Sponsoring der Wispag?

Schneller: Bis Ende Jahr ist die IGP noch Namenssponsor und wird für die Namensrechte bezahlen.

Und dann?

Schneller: Im Moment können wir noch nichts zu diesem Thema sagen. Wir sind zusammen mit dem Fussballclub Wil auf der Suche nach einem neuen Namenssponsor.

Wie gross wären die finanziellen Auswirkungen, wenn kein Nachfolger gefunden wird?

Schneller: Die wären sicherlich da, wären aber nicht so gross, dass man gleich in die Luft springen müsste.

Tröhler: Es könnte sein, dass der Gewinn, den die Wispag jährlich schreibt, dahinschmilzt. Aber das sehen wir dann, wenn es so weit kommen sollte. Es ist auf jeden Fall nicht so, dass das Überleben der Wispag vom Namenssponsoring abhängt.

Sie haben nun bereits Punkte genannt, die den Gewinn der
Wispag dahinschmelzen lassen könnten. Ist das fortschreitende Alter der Anlagen ein weiterer?

Tröhler: Es ist klar, dass eine älterwerdende Anlage mehr Investitionen bedarf und diese auf den Gewinn schlagen. Die Wispag ist verpflichtet, Abschreibungen zu machen und Rückstellungen zu tätigen. Gleichzeitig ist es natürlich auch Aufgabe der Stadt, Mittel zur Instandhaltung beizutragen.

Schneller: Die Wispag gehört der Stadt und den beteiligten Gemeinden. Sollten wir Verlust machen, würden diese einspringen. Stadt und Gemeinden haben ja kein Interesse daran, dass wir in Konkurs gehen.