Wiler ist oberster Käseverkäufer

REGION. Seit dem 1. April ist der gebürtige Wiler Christoph Holenstein Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse. Der 55-Jährige ist ein Profi im Käsegeschäft. Er kann auf über ein Vierteljahrhundert Erfahrung im Käsehandel zurückblicken.

Karin Erni
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Der neue Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse, Christoph Holenstein, posiert mit zwei «Mitarbeitern». (Bild: ker)

Der neue Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse, Christoph Holenstein, posiert mit zwei «Mitarbeitern». (Bild: ker)

Diese Arme können zupacken. Trotz Anzug und Krawatte sieht man dem neuen Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse seinen landwirtschaftlichen Bezug an. «Ich habe bereits in allen drei Sparten der Milchwirtschaft gearbeitet», bestätigt Christoph Holenstein. Er ist gelernter Käser und hat anschliessend das Technikum für Milchwirtschaft im bernischen Zollikofen absolviert. Während des Studiums führte er interimsweise den Hof seines Schwiegervaters. «Ich weiss daher auch, wie man Kühe melkt», scherzt er. Vor allem kenne er aus dieser Zeit auch die Sorgen und Nöte der Milchbauern, die in einem harten Verdrängungswettbewerb stünden.

In der Ostschweiz daheim

Nach einer kaufmännischen Lehre im Lebensmittelgrosshandel führte der weitere berufliche Weg Christoph Holenstein zum Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Für diesen betreute er Industriebetriebe in Österreich und der Schweiz. Doch der Arbeitsort Vevey behagte dem überzeugten Ostschweizer nicht besonders, und er kehrte in seine Heimat zurück. In Algetshausen fand der gebürtige Wiler ein 140 Jahre altes Bauernhaus, das er bis heute bewohnt. Von hier pendelt er an seinen Arbeitsort nach Appenzell. Für ihn kein Problem. «Ich bin ohnehin mehr als die Hälfte meiner Zeit in der übrigen Schweiz oder im Ausland unterwegs.» Oft ist er in Bern an Besprechungen engagiert oder besucht Fachmessen.

Preise stabilisieren

Bereits von 1989 bis 2010 hatte Christoph Holenstein bei der Sortenorganisation Appenzeller Käse GmbH als Marketingleiter und Stellvertretender Direktor gearbeitet. Zwischenzeitlich war er Standortleiter der Emmi Käse AG, Gossau und Wittenbach. Dort war er auch verantwortlich für das Marketing des Bündner Bergkäses. Die Frankenstärke bezeichnet Holenstein als die momentan grösste Herausforderung für den Appenzeller. «Wir exportieren 60 Prozent unseres Käses in den Euroraum.» Die Mengensteuerung sei deshalb ein wichtiges Instrument, um den Preis stabil zu halten. Weil der «Appenzeller» im Verhältnis zum «Emmentaler» nur eine kurze Reifezeit von drei bis sechs Monaten benötigt, muss hier frühzeitig interveniert werden. Bis jetzt habe das gut funktioniert, so Holenstein. «Nachdem die Produktion im Februar um 20 Prozent gedrosselt worden ist, konnten wir sie für den April wieder um 6,5 Prozent erhöhen.»

Wichtiges Marketing

Durch die verschiedenen Tätigkeiten habe sich sein Horizont erweitert, sagt Christoph Holenstein. Er habe eine breitere Einsicht in den Käsemarkt gewinnen können. Ihm wurde klar, dass weiterhin Anstrengungen nötig sind, um die Attraktivität des Appenzeller Käses zu erhalten. An der bekannten Appenzeller Werbung soll sich in naher Zukunft nichts ändern. «Die Kontinuität in der Kommunikation ist eines unserer Erfolgsrezepte», so Holenstein. Die Berner Werbeagentur Contexta AG mache hier einen guten Job. «Seit über 45 Jahren schaffen sie es, das Appenzeller Brauchtum und die Traditionen immer wieder frisch und überraschend zu präsentieren, ohne sie lächerlich zu machen oder in den Kitsch abzugleiten.» Zurzeit sei gerade wieder ein neuer Online-Spot mit Albert Neff, Nicolas Senn und Michael Bless in Ausarbeitung. Dieser erscheine am 21. April 2015.

Seinen Wiederbeginn bei der Sortenorganisation in Appenzell habe er als sehr positiv wahrgenommen, sagt Christoph Holenstein. Er sei auf engagierte und motivierte Mitarbeiter getroffen, die während der halbjährigen Chef-Vakanz vollen Einsatz geleistet hätten. «Es war ein schönes Zurückkommen.»