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Wiler Integrationsbeauftragter Felix Baumgartner: «Jeder Mensch hat Vorurteile»

Heute ist der internationale Tag gegen Rassismus. Felix Baumgartner, Integrationsbeauftragter der Stadt, spricht über Diskriminierung, verzerrte Bilder von Migration und mögliche Lösungsansätze.
Gianni Amstutz
Felix Baumgartner fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den Wertevorstellungen. (Bild: Gianni Amstutz)

Felix Baumgartner fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den Wertevorstellungen. (Bild: Gianni Amstutz)

«Überspitzt gesagt, kann Rassismus nicht als Ausnahmeerscheinung verstanden werden, sondern als Normalität.» Dieser Satz, den die Stadt Wil in einer Mitteilung zu den Aktionstagen gegen Rassismus schreibt, lässt aufhorchen. Hat die Stadt ein Rassismusproblem? Felix Baumgartner, Integrationsbeauftragter der Stadt, der die Kampagne mitgestaltet hat, verneint – oder relativiert dies zumindest.

Denn Rassismus und Diskriminierung beträfen nicht nur Übergriffe, sondern begännen schon bei schiefen Blicken oder unbewussten Verhaltensmustern, die man gegenüber bestimmten Personengruppen anwende. Eine gewisse Angst oder Vorbehalte gegenüber dem Fremden sei an sich noch nichts Verwerfliches und beim Menschen wohl auch evolutionär bedingt. Das müsse nicht per se nur bei religiösen oder kulturellen Unterschieden zum Tragen kommen. Auch er selbst ertappe sich bisweilen dabei, vom Äusseren einer Person auf gewisse Eigenschaften zu schliessen.

Sich mit eigenen Stereotypen auseinandersetzen

Wichtig sei, sich dessen bewusst zu sein und solche Stereotype kritisch zu hinterfragen. Denn aus Zuordnungen entstünden teils auch Problemzuschreibungen. Sei dies Kriminalität oder fehlendende Bildung, die gewissen Ausländergruppen zugeschrieben wird. Dabei sei Migration ein weitaus vielfältigeres Thema als oft angenommen. So seien beispielsweise entgegen der allgemeinen Wahrnehmung nur rund fünf Prozent aller Zugewanderten Flüchtlinge. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Gründe für Migration. Liebe, Jobmöglichkeiten oder auch die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land können dabei eine Rolle spielen, um nur einige zu nennen.

Die Wortkampagne der Stadt Wil anlässlich der Aktionstage gegen Rassismus zielt darauf ab, Menschen zur Auseinandersetzung mit den eigenen Haltungen gegenüber anderen Nationen, Religionen oder Kulturen zu bringen. «Afrikaner, Latina, Albanerin, Schweizer, ...», heisst es auf den Plakaten beispielsweise. Und dann die Ergänzung: «Die Stadt Wil denkt nicht in Schubladen, sondern sieht Vielfalt.» Eine Aussage, die Felix Baumgartner wichtig erscheint, denn: «Man kann Vielfalt mögen oder nicht, doch sie ist längst eine Tatsache.» So betrage der Anteil Schülerinnen und Schüler, die nicht Deutsch als Erstsprache sprechen an den Primarschulen, heute 48 Prozent.

Dieser Herausforderung gelte es sich anzunehmen. In der Stadt wurde dazu bereits 2004 ein 37 Massnahmen umfassendes Integrationskonzept erarbeitet. Dieses deckt zahlreiche Lebensbereiche wie Wohnen, Freizeit, Bildung, Arbeitsmarkt oder Soziales ab.

Dementsprechend vielfältig ist die Arbeit der Fachstelle Integration. Ein Einführungsgespräch mit neu Zugewanderten gehört ebenso dazu wie die Funktion als Ansprechpartner für Fragen, die das Zusammenleben in der Stadt betreffen. Ein Grossteil sei auch der Austausch mit Vereinen oder Institutionen wie beispielsweise der Schule oder Arbeitgeberverbänden.

Zudem kümmert sich die Fachstelle um die Initiierung und Durchführung von Projekten, die teils nicht reine Migrationsthematiken sind. Die Frühförderung etwa betrifft nicht nur Zugewanderte, ist jedoch angesichts der Chancengleichheit in der Bildung und des Erlernens von Deutsch ein Aspekt, der in die Integrationsbemühungen hineinspielt.

Werte diskutieren und konsequent anwenden

Wichtig in der Diskussion um Integration erscheint Baumgartner, dass eine Diskussion über Werte geführt werde, die für die Schweiz zentral sind. «Diese Werte müssen für alle gleich gelten, unabhängig vom Pass.» Das bedeute, dass man sich auch mit den eigenen Vorstellungen auseinandersetzen müsse. Gleichberechtigung der Geschlechter im Islam zu fordern, sei zwar richtig. Gleichzeitig müsse man sich auch fragen, inwiefern die Gleichstellungsfragen in der Schweiz umgesetzt werden und dort ebenfalls handeln.

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