Wiler Fotografin Fiona Bischof ist mit ihre Kamera am Anfang und Ende des Lebens dabei

Die Wiler Fotografin Fiona Bischof ist oft bei den intensiven Momenten des Lebens mit der Kamera dabei.

Adrian Zeller
Drucken
Teilen
Solche Bilder entstehen, wenn Fiona Bischof eine Geburt mit ihrer Kamera begleitet.

Solche Bilder entstehen, wenn Fiona Bischof eine Geburt mit ihrer Kamera begleitet.

Bild: Fiona Bischof

«Ich würde gerne öfters Geburten fotografieren, leider wird es von Kundinnen nur selten gewünscht», erzählt Fiona Bischof, die sich als Hochzeitfotografin einen Namen gemacht hat. Bisher hat die Wilerin die Vermählung von rund 350 Paaren mit der Kamera begleitet. Zwar gäbe es öfters Abklärungsgespräche für Geburtsfotografien, aber nur wenige werdende Mütter erteilten ihr schliesslich den Auftrag. In diesem Jahr hat sie drei Entbindungen im Bild festgehalten.

Es sind Frauen, welche entweder zu Hause oder in einem Geburtshaus ihr Baby zur Welt bringen, die sie mit ihrer Kamera anfordern. «Meistens wollen sie für sich selber den besonders intensiven Moment in ihrem Leben festgehalten haben», sagt Fiona Bischof.

Es sei sehr wichtig, in solch intimen Situationen wie einer Geburt besonders respektvoll zu arbeiten, sagt die Mutter dreier Kinder. Die Rolle der aufmerksamen aber diskreten Beobachterin liegt ihr. Schmunzelnd fügt sie an: «Ich bin ohnehin keine Rampensau, die sich gerne in den Vordergrund drängt.»

Auch technisch anspruchsvoll

Gelegentlich muss sie mit Hand anlegen, etwa wenn die werdende Mutter Hilfe beim Ein- oder Ausstieg in die oder aus der Geburtswanne benötigt. Das Fotografieren einer Niederkunft gestaltet sich technisch oft anspruchsvoll. «Wenn das Kind mitten in der Nacht kommt, ist das vorhandene Licht sehr beschränkt. Da muss man einen günstigen Aufnahmewinkel wählen oder eine vorhandene Ständerlampe leicht verschieben, damit das Licht zum Fotografieren reicht.» Einen Blitz einzusetzen ist tabu. Rund sechs Stunden Präsenzzeit veranschlagt Fiona Bischof für einen Geburtsfotoauftrag.

Die Fotografin begrüsst es sehr, dass für Frauen heutzutage eine grosse individuelle Offenheit bezüglich des Mutterwerdens herrsche. Sie weiss beispielsweise von Müttern, die ihr Kind in der Natur bekommen wollen. Andere übergeben der Hebamme eine Checkliste mit speziellen Wünschen für den Gebärprozess, etwa spezielle Ölmassagen.

Vom Anfang und dem Ende des Lebens

Fiona Bischof ist mit der Kamera präsent, wenn Menschen die Welt neu betreten, aber auch wenn sie eine Person verlassen hat. Manche Angehörige beauftragen sie mit der bildlichen Dokumentation einer Trauerfeier. Zum Teil sind die Verstorbenen ganz plötzlich aus dem Leben gerissen worden, die Angehörigen können sich erst nach und nach mit dem Verlust abfinden. Die Bilder der Abschiedsfeier helfen ihnen beim Verarbeiten.

Reportagefotografie bezeichnet Fiona Bischof als ihre Stärke, sie setzt sie auch bei den sogenannten «Herzensbildern» ein. In dieser Organisation stellen Fotografinnen und Fotografen ihre Fähigkeiten kostenlos zur Verfügung. Sie halten früh- oder totgeborene sowie schwerbehinderte Kinder und auch schwerkranke Elternteile mit ihren Söhnen und Töchtern im Bild fest. Über ihre Motivation sagt sie: «Mir geht es gut, ich habe selber drei gesunde Kinder, meine Gabe ist das Fotografieren. Sie ist mein Beitrag, den Betroffenen ihre schwierige Situation etwas zu erleichtern.»