Wiler Brauchtum: Laternenkinder verzaubern Altstadt

Ein Brauchtum, das beibehalten werden muss: Dazu gehört bestimmt auch der Silvester-Laternenumzug in Wil.

Christoph Heer
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Hunderte Kinder und Erwachsene lassen die Altstadt, dank Laternenumzug im Kerzenlicht erstrahlen.

Hunderte Kinder und Erwachsene lassen die Altstadt, dank Laternenumzug im Kerzenlicht erstrahlen.

Bild: Christoph Heer

Nach den Weihnachtsfesttagen bildet der Silvester-Laternenumzug den traditionellen Schlusspunkt im Jahreskalender der hiesigen Brauchtumsanlässe. So auch im 2019.

Wiederum versammeln sich mehrere hundert Teilnehmer, dick eingepackt, da die Temperatur am frühen Abend doch unter dem Gefrierpunkt liegt. Der guten Stimmung tut diese Kälte jedoch keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. «Ich trage unter meiner Jeans noch eine Trainerhose und meine Mutter hat gesagt, ich solle auch zwei T-Shirts anziehen, so geht’s ganz gut. Aber die Finger, die werden langsam kalt», sagt ein zwölfjähriger Laternenträger aus Wil.

Ein Brauch mit einer speziellen Geschichte

Die Altstadt präsentiert sich in einmaligem Ambiente, die Lichter sind gelöscht, die selbst gebauten Laternen leuchten und machen sich mit ihren Besitzern auf durch die dunklen Gassen. Der Ursprung des Wiler Laternenumzugs geht auf die zu Beginn des 19.Jahrhunderts erstmals protokollierte behördliche Laternenvisitation zurück. Diese Inspektion, bei der das Vorhandensein einer Notbeleuchtung in den Häusern der Altstadt kontrolliert wurde, fand alljährlich am 31.Dezember statt. Schon damals war es, genau zwischen 18 Uhr und 19 Uhr und für die Kinder äusserst spannend, diese Kontrolleure zu begleiten. Da es dunkel war, trugen die Kinder eine Beleuchtung mit, daraus entstand schlussendlich dieser beliebte Kinderbrauch.

Leuchtend ins neue Jahr

Richard Widmer sorgte für die geschichtliche Umrahmung des Ganzen. «Mer träged d’Liechter s’Städtli ii. Das söll für üs es Zeiche sii. Mer fiired zäme s’Johresend, mit allne wo mitmache wend.» Zwischendurch wird auch gesungen.

«Das isch dä Stern vo Bethlehem», erklingt von wohl einem der grössten Chöre, den die Stadt je gesehen hat. Unter den Teilnehmern sind etliche Persönlichkeiten anzutreffen. Stadträte, Vereinspräsidenten, natürlich Stadtpräsidentin Susanne Hartmann und viele weitere. Sie alle lassen sich diese unbezahlbare und gemeinschaftsfördernde Stunde nicht entgehen.

Susanne Hartmann betont, dass es der Silvester erlauben soll, auf das vergangene Jahr zurückzublicken. «Zurückschauen und die Lehren aus dem Widerfahrenen ziehen. Aber auch Platz zum Danke sagen, muss es haben. Danke allen, die liegen gelassenen Abfall völlig freiwillig auflesen, den Brotbäckern, den Mitwirkenden an öffentlichen Schaltern, allen anderen und natürlich der grösste Dank den Kindern, die heute mit ihren wunderbaren Laternen mitmachen.»

Hartmanns Augen – überhaupt, alle Augen – leuchten zeitgleich mit den Laternen um die Wette. Adieu 2019 – Willkommen 2020.