WILEN: Nach oben verdichten

Der neue Zonenplan mit 19 Änderungen wurde den Bewohnern der Gemeinde vorgestellt. Vor allem eine vorgeschlagene Aufzonierung stiess auf Gegenwehr.

Jonas Manser
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An der Dorfstrasse sieht der neue Zonenplan dreistöckige Gebäude vor, auf gleicher Höhe wie das «Casa Grande» rechts im Bild. (Bild: JM)

An der Dorfstrasse sieht der neue Zonenplan dreistöckige Gebäude vor, auf gleicher Höhe wie das «Casa Grande» rechts im Bild. (Bild: JM)

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

Verdichtung heisst ein Schlagwort im überarbeiteten Ortsplan der Gemeinde Wilen. Für die Bewohner ist besonders der Zonenplan und das Baureglement von Interessen. An einer Orientierungsversammlung stellte die Gemeinde den 150 Anwesenden die Revision des Ortsplanes vor. «Die zentrale Fragestellung bei der Ausarbeitung der Revision war stets: Was passiert zukünftig in unserem Dorf?», sagt Gemeindepräsident Kurt Enderli.

Der für die Gemeinde verbindliche Plan müsse alle potenziellen Ideen umfassen. Der alte Zonenplan ist noch aus dem Jahr 2001 und benötigte eine Aktualisierung. In der Regel werde die Ortsplanung alle 15 Jahre überarbeitet, so Enderli. Miteingeflossen in die neuen Pläne von Wilen sind die Vorgaben und Änderungen aus dem revidierten Raumplanungsgesetz des Bundes: Dieses strebt unter anderem eine «Siedlungsentwicklung nach Innen» an, also eine Verdichtung der Zonen. Der Gedanke dahinter sei, dass in der Schweiz kein weiteres Kulturland verbaut werden soll, erklärt Enderli. Auch in Wilen wird dem neuen Zonenplan kein zusätzliches Bauland hinzugefügt. «In den vergangenen zehn Jahren ist die Einwohnerzahl von 1800 Einwohner auf 2500 angewachsen. Das Dorf soll nicht noch mehr wachsen, sondern den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern Zeit lassen, sich einleben zu können und Teil des Dorfes zu werden», sagt Kurt Enderli.

19 Änderungen im Zonenplan vorgesehen

Wilen bei Wil ist unter dem Dichtetyp «Urban» eingestuft, da es sich in der Nähe der Stadt Wil befindet. Dies bedeutet, dass die heutige Raumnutzdichte – nach den neusten kantonalen Vorgaben – von 59 Raumnutzern pro Hektaren auf 63 erhöht werden sollte. Nun werden vom Gemeinderat 19 Änderungen am Zonenplan vorgeschlagen. Was anfänglich nach drastischen Massnahmen klingen mag, relativiert Kurt Enderli: «Die meisten baulichen Änderungen sind bereits über die Bühne gegangen. In vielen Fällen ist es eine Anpassung des Ortsplans an die heutigen Gegebenheiten.» So hat beispielsweise der Friedhof keine eigene Bezeichnung mehr, sondern gehört im neuen Plan zur «Zone für öffentliche Bauten und Anlagen».

Punkt 10 und 11 sorgen für Diskussionen

Trotzdem wurden nicht alle Vorschläge der Gemeinde gleich positiv aufgenommen. So gaben Punkt 10 und 11 im Planungsbericht Grund zur Diskussion. Geplant ist eine Umzonung entlang der Dorfstrasse von der Wohnzohne W2b zu W3. Konkret bedeutet dies, dass Neubauten künftig dreistöckig gebaut werden müssten. Betroffen wären die Gebäude der Schärer Transport AG und die Parzelle der ehemaligen Chemischen Reinigung, welche neu gebaut werden müssten, nennt Enderli als Beispiele. Mit der geplanten Umzonung waren nicht alle einverstanden. Die Besitzer der umliegenden Einfamilienhäuser befürchten eine Wertminderung, da Neubauten die Sicht versperren würden. «Ortsplanung ist nicht nur eine rationale Angelegenheit, sondern auch eine emotionale», sagt Kurt Enderli und zeigt Verständnis. Die Gemeinde werde den Vorschlag nochmals überprüfen und nach alternativen Lösungsvorschlägen suchen. «Wir müssen nicht zwingend am Vorschlag festhalten», sagt Enderli. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird eine ausserordentliche Gemeindeversammlung für die Abstimmung über den neuen Zonenplan einberufen.