WILEN: Die Natur wirken lassen

Die tiefen Holzpreise machen die Waldbewirtschaftung nicht mehr rentabel. So müssen Waldbesitzer nach neuen Lösungen suchen, wie Kosten gespart werden können. In Wilen läuft ein innovatives Projekt.

Gianni Amstutz
Drucken
Teilen
Revierförster Claude Engeler erklärt das Bepflanzungskonzept des Waldstücks der Bürgergemeinde Wilen. (Bild: Gianni Amstutz)

Revierförster Claude Engeler erklärt das Bepflanzungskonzept des Waldstücks der Bürgergemeinde Wilen. (Bild: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

«Der Wald ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Er gehört mir nicht, sondern ist mir nur anvertraut. Der Wald ist Freiheit, ja sogar Erlösung und wenn ich da bin, ist es für mich fast wie Ferien.» Diese Aussagen stammen von Waldbesitzern und verdeutlichen eines: Forstgebiete zu besitzen, ist heutzutage in erster Linie eine Leidenschaft und ein zeitaufwendiges Hobby. Vorbei sind die Zeiten, als Waldbesitzer mit dem Verkauf von Holz noch grosse Gewinne einstreichen konnten. Die Holzpreise sind dafür schlicht zu tief. Doch darum geht es den meisten auch gar nicht. Am Ende des Jahres für ihre Arbeit noch draufzahlen wollen die Waldbesitzer jedoch nicht.

Vom reinen Fichtenwald zum Mischwald

Um das zu vermeiden, sind neue, günstigere Methoden gefragt, um den Wald zu bewirtschaften. Eine solche wird derzeit auf dem Hummelberg in einem Waldstück, welches der Bürgergemeinde Wilen gehört, umgesetzt. Die heutige Waldbewirtschaftung lasse sich unter dem Motto «Vom reinen Fichtenwald zum Mischwald» zusammenfassen, erklärt Claude Engeler, Revierförster von Sirnach.

Auf einer Fläche von 18 Aren wurden Buchen gepflanzt. Anstatt diese zu kaufen, verwendete man sogenannte Wildlinge. Diese stammen aus dem Wald selbst, wurden ausgegraben und am selben Tag wieder eingesetzt. «So konnten wir rund 2000 Franken sparen», sagt Engeler. Doch nicht die ganze Fläche wurde bepflanzt. Zwischen den in Rechtecke angelegten Jungbuchen wurde jeweils bewusst Platz freigelassen. «Die Natur wird ihren Teil dazu beitragen und die Lücken füllen», ist Engeler überzeugt. Man müsse nur zuwarten und der Natur ihren Lauf lassen, dann würde die Flora in den Zwischenräumen sich eigenständig entwickeln. Wenn es nötig sei, könne man zu gegebener Zeit punktuell nachhelfen. Der Förster schätzt einen Zeitraum von rund fünf Jahren, bis man Ergebnisse des Projekts erkenne.

Unterstützung selbst aus den Ferien

Arthur Wiesli, Präsident der Bürgergemeinde, schwärmt von den Ideen und der Zusammenarbeit mit dem Revierförster. «Claude Engeler hilft uns Waldbesitzern enorm. Sei dies mit innovativen Ideen oder durch tatkräftige Unterstützung.» Im vergangenen Jahr beispielsweise bemerkte Wiesli im Wald einen Borkenkäferbefall. Obwohl der Revierförster zu dieser Zeit in den Ferien weilte, erreichte der Bürgergemeindepräsident ihn telefonisch. Engeler habe dann Unterstützung organisiert, um die befallenen Fichten abzutransportieren.

Durch die Winterstürme Burglind und Co. zu Beginn des Jahres seien nur einzelne Bäume zu Schaden gekommen, sagt Wiesli. Deshalb geht er für das laufende Jahr nicht von einer erhöhten Gefahr durch Borkenkäfer aus. Ausserdem verbringt der Bürgergemeindepräsident fast jede freie Minute im Wald, nimmt so jede Veränderung wahr und kann entsprechend schnell auf Entwicklungen reagieren.