WILEN: Der Ort, an dem sie bestimmen

Am Mittwoch erschienen rund 80 Jugendliche zur Eröffnung des Jugendtreffs Ägelsee. Sie alle wollten sich selbst ein Bild vom neuen Angebot machen. Bei der künftigen Gestaltung ihres Treffpunkts sollen sie ihre eigenen Ideen einbringen.

Gianni Amstutz
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Jugendliche spielen «Wer bin ich». Sie müssen durch Fragen Namen von Persönlichkeiten herausfinden. Die Lösung steht auf Post-Its. (Bild: gia)

Jugendliche spielen «Wer bin ich». Sie müssen durch Fragen Namen von Persönlichkeiten herausfinden. Die Lösung steht auf Post-Its. (Bild: gia)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Schon von draussen ist laute Musik zu hören. Sobald man den Eingangsbereich des neuen Jugendtreffs Ägelsee in Wilen betritt, erwartet einen eine etwas eigenwillige Interpretation von Ordnung. Jacken und Schuhe liegen über den Boden verstreut, Jugendliche hasten die Treppen hinauf und hinunter. Denn lästige Vorschriften von Eltern oder Lehrern gibt es hier nicht. Erwachsene haben keinen Zutritt. Eine Ausnahme bildet Milena Kuster, die neue Jugendarbeiterin der Jugendkommission Rickenbach-Wilen.

Diese bleibt trotz der Unordnung im Eingangsbereich gelassen. «Der Jugendtreff soll ein Ort sein, an dem die Jugendlichen selbst bestimmen können, wie sie ihn gestalten wollen.» Dazu gehöre auch, dass sie ihre Jacken nicht aufhängen müssten, wenn sie das nicht wollten. «Schliesslich müssen sie ihre Jacken am Ende selber wiederfinden», sagt Kuster. Ganz auf Regeln kann aber nicht verzichtet werden. So herrscht Alkoholverbot, essen und trinken dürfen die Jugendlichen nur in einigen Bereichen.

Ideen müssen von den Jugendlichen kommen

Für den Eröffnungsanlass hat die Jugendarbeiterin bewusst kein Programm organisiert. Das war auch nicht nötig, wie ein Rundgang durch den Jugendtreff zeigt. Dieser befindet sich in der ehemaligen Wohnung des Hauswarts und verfügt über viele verschiedene Zimmer. In einem spielen ein paar Jungen «Wer bin ich» mit Post-It-Zetteln auf der Stirn, nebenan messen sich weitere bei einer Partie Tischfussball und im Keller wird Ping-Pong gespielt. Für Unterhaltung ist gesorgt. Allerdings sind die Räume noch etwas karg eingerichtet. Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Milena Kuster. «Es bringt nichts, wenn ich den Jugendtreff nach meinen Vorstellungen gestalte. Die Ideen hierfür wie auch für mögliche Aktivitäten müssen von den Jugendlichen selbst kommen.» Dazu hat die Jugendarbeiterin überall im Haus Zettel aufgehängt, auf denen die Jugendlichen ihre Wünsche aufschreiben können. Dieses Angebot wird rege genutzt. Die Vorschläge reichen dabei von Kissen, Foto-Wänden und Vorhängen bis hin zu einem Airhockey-Tisch, einem Fernseher und W-LAN.

Die beiden Kolleginnen Tanja und Miu wünschen sich, dass die Räume etwas bunter gestaltet werden. «Wir könnten die Wände anstreichen», schlagen sie vor. Ansonsten gefällt den beiden der neue Jugendtreff ausgezeichnet. «Besonders, weil es hier so viele verschiedene Räume hat», sagen sie. Auch Dejan findet, dass es im Jugendtreff alles habe, was man brauche. Wenn er sich doch noch etwas wünschen könnte, wäre es eine Playstation mit Beamer, um gegen seine Kollegen Fifa zu spielen, sagt er. In nächster Zeit wird Milena Kuster mit den Jugendlichen zusammensitzen, um gemeinsam zu entscheiden, welche Ideen umsetzbar sind und welche zumindest vorerst Wünsche bleiben werden.

73 Schülerinnen und Schüler der 1. bis 3. Oberstufenklassen haben sich für den Eröffnungsanlass angemeldet. Einige liessen dafür sogar das Fussballtraining ausfallen. «Es ist nicht das Ziel, dass die Jugendlichen ihre Hobbys vernachlässigen», sagt Kuster. Trotzdem freue sie sich, dass dem Jugendtreff ein solch hoher Stellenwert eingeräumt werde. Da der Treff jeden Mittwoch zwischen 15 und 19 Uhr geöffnet habe, finde sich sicher ein Zeitfenster vor oder nach dem Training für einen Besuch im Jugendtreff, sagt sie. Ausserdem sei geplant, dass der Jugendtreff auf Wunsch der Schülerinnen und Schüler künftig auch am Freitagabend geöffnet haben wird. Auf das kommende Jahr hin soll die Jugendarbeit mit einer zweiten Person ergänzt werden. «Schön wäre es, wenn sich ein Mann für die Stelle bewerben würde», sagt sie. «Dann hätten die Jugendlichen auch eine männliche Ansprech- und Bezugsperson.»