Wilen ändert die Stromstrategie

Bis anhin haben die Gemeinden Rickenbach und Wilen den Strom gemeinsam eingekauft. Dies ändert sich per 1. Januar des nächsten Jahres, wenn Wilen den Strom direkt beim EKT bezieht. In Rickenbach setzt man künftig auf Wasserkraft.

Simon Dudle
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Trotz gemeinsamer Einspeisestation Schützenmatt kaufen Wilen und Rickenbach den Strom künftig separat. (Bild: Simon Dudle)

Trotz gemeinsamer Einspeisestation Schützenmatt kaufen Wilen und Rickenbach den Strom künftig separat. (Bild: Simon Dudle)

WILEN/RICKENBACH. Die Liberalisierung des Strommarktes hat auch Auswirkungen auf die beiden Hinterthurgauer Gemeinden Rickenbach und Wilen. Bis anhin haben sie den Strom gemeinsam beim Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) bezogen. Mit der Öffnung des Strommarktes sind beiden aber Grosskunden abhandengekommen. In Wilen ist es der Lidl, in Rickenbach gehören die Geschäfte im Einkaufszentrum Breite dazu. «Jene Firmen, die im ganzen Land Filialen haben, wählen nun vermehrt eine gesamtschweizerische Lösung», sagt der zuständige Rickenbacher Gemeinderat Georg Züblin.

In den beiden Dörfern wurde in der Vergangenheit zu unterschiedlichen Zeiten viel Strom gebraucht. In Wilen mit seiner grossen Anzahl Ein- und Mehrfamilienhäuser waren die Spitzenzeiten jeweils am Mittag und am Abend, wenn die meisten Bewohner zu Hause sind. Rickenbach mit industriellen Grossbetrieben wie der Zehnder Print AG hat einen grossen Verbrauch in der Nacht. «Mit dem Wegfall grosser Kunden sind die teuren Spitzen verschwunden. Die Wirkung des gemeinsamen Stromeinkaufs ist verlorengegangen», sagt Wilens Gemeindeammann Kurt Enderli.

Wenige wollen Naturstrom

Also hat man sich in Wilen auf dem Markt umgeschaut und entschieden, die Strategie zu ändern. Der Strom wird direkt beim EKT bezogen. Am Mix ändert sich indes nichts. Es wird weiterhin grauer Strom gekauft. «Jeder Bewohner hat die Möglichkeit, uns eine Karte zu schicken und ökologischen Strom zu beziehen», sagt Enderli. Gebrauch gemacht wird davon aber kaum. Nur rund 20 der 1000 Kunden sind aktiv geworden und setzen auf weissen Strom.

Anders ist die Situation in Rickenbach. Bis anhin wurde der weitverbreitete EKT-Strommix bezogen, bei dem rund 70 Prozent aus Kernenergie stammt. Nun hat der Gemeinderat ein Angebot angenommen, wonach für einen Gesamtpreis von 12 000 Franken Strom aus 100 Prozent Wasserkraft bezogen werden kann. Dadurch wird im Gegenzug auf Thurgauer Naturstromprodukte verzichtet. «Das war für uns wie eine Aktion, von der wir profitieren können», sagt Gemeinderat Züblin.

«Ein Nullsummenspiel»

Beim Strompreis soll es weder in Wilen noch in Rickenbach für den Kunden eine markante Veränderung geben. «Es ist ein Nullsummenspiel und es bleibt fast alles beim alten», sagt Enderli und spricht von «nur kleinen Anpassungen». In Rickenbach werden zwar die Abgaben an das Gemeinwesen um 0,4 Rappen auf 2 Rappen pro Kilowattstunde erhöht, dafür erfährt der Energiepreis eine Reduktion um 0,5 Rappen pro Kilowattstunde, womit auch hier die Anpassungen gering sind. «Das EKT hat uns nicht bestraft», sagt Züblin mit einem Schmunzeln.

Kurt Enderli Gemeindeammann Wilen (Bild: Urs Bucher)

Kurt Enderli Gemeindeammann Wilen (Bild: Urs Bucher)

Georg Züblin Gemeinderat Rickenbach (Bild: pd)

Georg Züblin Gemeinderat Rickenbach (Bild: pd)

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