WILDTIERE: Im Dorf liegt das Essen vor der Tür

In den Siedlungsgebieten Zuzwils gibt es in letzter Zeit vermehrt Meldungen über zutrauliche und freche Füchse. Der Obmann der örtlichen Jagdgesellschaft rät, die Tiere auf keinen Fall zu füttern, sondern zu vergrämen.

Ursula Ammann
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Füchse kommen in bewohnten Gegenden leicht zu Nahrung. Das Problem ist hausgemacht. (Bild: Ralph Ribi)

Füchse kommen in bewohnten Gegenden leicht zu Nahrung. Das Problem ist hausgemacht. (Bild: Ralph Ribi)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Fast jeden zweiten Tag bekommt Harry Flückiger, Obmann der Jagdgesellschaft Zuzwil, ein Telefon von besorgten Bürgern. Der Grund: In den Siedlungsquartieren schleichen Füchse herum, die praktisch keine Scheu vor dem Menschen zeigen. Anfänglich seien es meist die Fähen, die auf der Suche nach Futter für ihre Jungen seien, später auch die Jungfüchse selber, erklärt Harry Flückiger. «Im Siedlungsgebiet gibt es mehrere Fuchsbauten, etwa in alten Scheunen oder unter Scheiterbeigen.» Dementsprechend müssten die Fuchseltern derzeit Nahrung anschleppen, und das gelinge in bewohnten Gegenden besonders gut und einfach. Meister Reinecke geht von Haus zu Haus und tut sich an Futterquellen von Haustieren, an Kompost oder an Resten eines Grillfestes gütlich. «Der Fuchs ist ein Kulturfolger und kein Kulturflüchter wie etwa das Reh», sagt Harry Flückiger. Das bedeutet, dass er sich nicht am Zusammenleben mit dem Menschen stört, solange ihn diese gewähren lassen. Allerdings fühlen sich immer mehr Menschen durch den Fuchs gestört, wie die Telefone, die der Jagdobmann bekommt, zeigen.

Meister Reinecke mag sogar Erdbeeren sehr gerne

Für Harry Flückiger ist klar: Das Problem ist auch ein Stück weit hausgemacht. Vor den Türen stehen volle Näpfe mit Fressalien für den Stubentiger, und nach dem abendlichen Grillieren landet ab und zu mal ein halbe Wurst, die niemand mehr essen mag, in der Hecke. Der Appetit des Fuchses beschränkt sich aber nicht nur auf Fleisch. «Er ist ein Allesfresser und mag beispielsweise auch Erdbeeren sehr gern», sagt Flückiger.

Öfters komme es auch vor, dass der Fuchs sogar absichtlich gefüttert werde, so der Obmann. Damit tue man ihm aber keinen Dienst. Es handle sich um ein Wildtier, das seine Nahrung ohne Problem selbst beschaffen könne. «Das Füttern der Füchse ist falsch verstandene Tierliebe», so Flückiger. Am Ende steigere man damit einfach die Population.

Vielmehr rät er zu Vergrämungsmassnahmen. Dazu zählt das Bespritzen mit Wasser aus dem Gartenschlauch oder aus der Wasserpistole. Man könne aber auch auf den Fuchs zugehen und dabei fest in die Hände klatschen oder einen Gegenstand nach ihm werfen, sagt Harry Flückiger. Der Fuchs habe durchaus ein Gedächtnis für unangenehme Begegnungen mit dem Menschen und könne so auch die natürliche Scheu wieder erlernen. Gemäss Flückiger besteht auch keine Grund zur Angst, dass der Fuchs zum Gegenangriff ausholt. «Von solchen Fällen habe ich bisher nie gehört», sagt er. Treibt sich der Fuchs in den Siedlungsgebieten ungestört herum, kann das allerdings sehr wohl zur Gefahr führen. Vor allem für Haustiere, die sich mit der Reude anstecken können. Für den Menschen wiederum bildet der Fuchsbandwurm ein Risiko. Deshalb rät Flückiger, Gemüse und Früchte aus dem Garten immer zu waschen.

Es wird um Verständnis für Jäger gebeten

Das Bejagen der Füchse im Siedlungsraum ist gemäss Harry Flückiger ein schwieriges Unterfangen. Dennoch gelte es, dort aktiv zu werden. Es sind bereits Fallen aufgestellt worden. Man müsse aber keine Furcht haben, dass Jäger wahllos Schüsse abgeben, sagt Flückiger. Jedoch brauche es das Verständnis, dass ein Jäger gelegentlich ein Privatgrundstück betreten müsse – auch ohne Voranmeldung.

Trotz allem sei die Situation nicht ungewöhnlich, wenn man darum wisse, dass der Fuchs ein Kulturfolger sei, der in bewohnten Gebieten auf einfache Weise zu Nahrung kommt, so Harry Flückiger. Zudem dürfe man annehmen, dass die Hochsaison der Füchse in den bewohnten Gebieten demnächst vorbei gehe. «Spätestens dann, wenn die Jungen von ihren Eltern aus dem Bau vertrieben werden und ihren Platz – hoffentlich – erst einmal im Wald suchen.»