Wildschweine machen Bauern das Leben schwer

In den vergangenen Jahren hat die Wildschweinpopulation in der Region stark zugenommen. Für die Bauern sind sie bereits zum Problem geworden. Gestern trafen sich betroffene Landwirte in Bazenheid mit Jägern zum Gespräch.

Lara Wüest
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Winterstimmung im Wildtierpark Peter und PaulWildschwein

Winterstimmung im Wildtierpark Peter und Paul

Wildschwein

Der Ort, an dem sich gestern Vormittag über 30 Bauern aus der Region mit den Jägern der Jagdgesellschaft Bronschhofen-Hofberg trafen, war ungewöhnlich: die Cafeteria des Fleischverarbeiters Micarna in Bazenheid: Die Erklärung dafür ist jedoch einfach. Micarna-Unternehmensleiter Albert Baumann ist passionierter Jäger und Mitpächter des Jagdrevieres. Er und sieben weitere Jäger luden die Bauern zum Gespräch ein.

Die Bauern und die Jäger haben derzeit einiges zu bereden. Oft geht es dabei um ein Thema: die Wildschweine. Diese haben sich in den vergangenen Jahren in der Region so stark vermehrt, dass die Landwirte sie als Problem sehen. Zwar gibt es keine konkreten Zahlen, wie stark die Wildschweinepopulation gewachsen ist. Da die Tiere innert kürzester Zeit weite Strecken zurücklegen, sind sie schwer zu zählen. Doch die Anzahl der geschossenen Tiere im Kanton St. Gallen erlaubt eine Annäherung. Denn je höher die sogenannte Abschussquote, desto höher die Population, wie Matthias Müller sagt. Er ist Wildhüter beim St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Die Zahl der geschossenen Wildschweine hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. 2014 haben Jäger 44 Tiere erlegt, 2017 waren es bereits 104. «Das ist schon eine starke Zunahme», sagt Wildhüter Müller. Über den Grund kann er nur mutmassen: «Weil das Wetter immer wärmer wird, finden die Tiere womöglich mehr Eicheln oder Buchennüsse im Wald.» Und auch die intensivere Landwirtschaft habe wohl dazu beigetragen. «Der Winterweizen ist in der kalten Jahreszeit ebenfalls eine gute Futterquelle.»

Futtersuche verursacht Löcher im Boden

Zahlreiche Landwirte in der Region machten mit den Wildschweinen bereits ihre Erfahrungen. Neben Eicheln und Buchennüssen mögen die Tiere auch Engerlinge und Maiskolben. Um an diese zu gelangen, wühlen sie in den Wiesen uns Feldern. Zurück bleiben Löcher im Boden, welche die Bauern von Hand stopfen müssen. «Letztes Jahr hatte ich grosse Schäden», sagt ein Bauer. «Ich habe ein riesiges Theater», ein anderer. Sie alle möchten ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Wenn ihr Schaden mehr als 300 Franken beträgt, können die Landwirte Entschädigung beim Kanton einfordern. Doch das ist für manche kaum hilfreich: «Ich habe zwar regelmässig Schäden, aber die meisten betragen weniger als 300 Franken. Deshalb gehe ich leer aus», sagt ein Bauer.

Viele von ihnen befürchten, dass sich die Schweine noch stärker vermehren könnten. Deshalb sind sie an diesem Vormittag wohl auch so zahlreich der Einladung der Jäger gefolgt. «Fast alle, auf deren Land wir aktiv sind, kamen heute hierher», sagt Hanspeter Oberli, Vereinsobmann der Jagdgesellschaft. Die Stimmung unter den Anwesenden ist ernst, vereinzelte Blicke fast ein wenig grimmig. Oberli sagt: «Die Wildschweine sind zum Problem geworden.» Und ein bisschen merkt man, dass die Bauern an diesem Vormittag von den Jägern eine Lösung für dieses Problem erwarten. So sagt einer von ihnen: «Die Jäger könnten uns ruhig ab und zu beim Zumachen der Löcher auf den Wiesen helfen.» Und ein anderer will wissen, ob man nicht noch mehr junge Tiere schiessen könnte.

«Wiesen müssen gut eingezäunt werden»

Doch die Tiere zu schiessen ist nicht ganz einfach. «Die Schweine sind extrem intelligent und äusserst schwer zu erwischen», sagt Oberli. Er appelliert an die Selbstverantwortung der Bauern: «Es ist wichtig, dass Wiesen gut eingezäunt werden.» Und gibt den Bauern Tipps, wie das am besten geht.

Jahreszahlen Micarna

Der Micarna-Unternehmensleiter Albert Baumann nahm das gestrige Treffen zum Anlass, um die Zahlen des Geschäftsjahres 2018 bekanntzugeben. Der Umsatz des Fleischverarbeiters betrug gut 1,67 Milliarden Franken. Der Fleischabsatz machte 166555 Tonnen aus, und insgesamt waren 3099 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, 725 davon in Bazenheid. Albert Baumann zeigt sich zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr: «Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir den Umsatz leicht steigern.» 2017 betrug dieser 1,66 Milliarden Franken und es wurden 160000 Tonnen Fleischwaren hergestellt. Künftig dürfte mehr Fleisch in der Ostschweiz verarbeitet werden: Micarna will einen grossen Geflügelverarbeitungsbetrieb in Bütschwil-Ganterschwil eröffnen.

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