Wildpinkler missbrauchen Velohalle am Wiler Bahnhof als Pissoir: Das Problem besteht seit Jahren – doch getan hat sich kaum etwas

Das Veloparkhaus am Wiler Bahnhof wird seit Jahren als Pissoir missbraucht. Bereits 2016 wurde in einer Interpellation auf den Missstand hingewiesen.

Adrian Zeller
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Die zweigeschossige Veloeinstellhalle am Wiler Bahnhof.

Die zweigeschossige Veloeinstellhalle am Wiler Bahnhof.

Bilder: Adrian Zeller

Beim Abgang ins Untergeschoss der zweigeschossigen Veloeinstellhalle am Wiler Bahnhof fallen in der Ecke eingetrocknete Überreste von Erbrochenem auf. Im vorderen Teil liegt ein leichter Uringeruch in der Luft. Am Boden sind feuchte sowie eingetrocknete Urinrinnsale zu erkennen. Offensichtlich wird hier die Notdurft öfters nicht im mobilen WC, das in einer Ecke steht, ausgeführt.

Und auch das Schild mit der Aufschrift «Pinkeln verboten» und einem entsprechenden Piktogramm scheint die wild Urinierenden kaum abzuschrecken, ebenso wenig die Hinweistafel auf Videoüberwachung.

Problem wartet seit Jahren auf eine Lösung

Das Problem wartet seit Jahren auf eine Lösung. Die Veloeinstellhalle am Wiler Bahnhof werde schon seit längerem als Selbstbedienungsladen für Velos missbraucht, die Innenbeleuchtung sei wochenlang defekt und in steigendem Masse werde sie auch als Pissoir zweckentfremdet, führte Luc Kauf (Grüne Prowil) in einer Interpellation aus. Er reichte seine parlamentarische Anfrage an den Stadtrat im Juli 2016 ein; 24 Parlamentsangehörige hatten sie mitunterzeichnet.

Luc Kauf, Interpellant, Grüne Prowil

Luc Kauf, Interpellant, Grüne Prowil

Im politischen Vorstoss heisst es über das Wasserlassen am falschen Ort: «Die Folge davon ist ein unerträglicher Gestank, ein grossflächig rutschiger Boden mit für die eigenen Schuhe klebrige Folgen.» Weder die Stadt noch die SBB hätten bisher etwas gegen diese insbesondere für Frauen unangenehmen Umstände etwas unternommen. Den Grund für dieses Wildpinkeln ortete Kauf damals in der neu eingeführten Kostenpflicht für die Toilettenbenutzung am Wiler Bahnhof.

Im September 2016 hielt der Wiler Stadtrat in einer ausführlichen Antwort auf den Vorstoss fest, eine entsprechende Abklärung bei der SBB habe ergeben, dass das ursprüngliche Pissoir am Bahnhof öfters zweckentfremdet und mit Fäkalien gefüllt worden sei. Seit Einführung von kostenpflichtigen Toiletten hätten sich die Qualitätswerte der WC-Anlagen am Bahnhof verbessert.

Am Boden sind feuchte und eingetrocknete Urinrinnsale zu erkennen.

Am Boden sind feuchte und eingetrocknete Urinrinnsale zu erkennen.

Weiter heisst es in der stadträtlichen Stellungnahme, der Unterhalt der doppelstöckigen Velohalle werde durch die Stadt wahrgenommen. Täglich erfolge eine Trockenreinigung, alle drei Wochen werde ein Duftmittel versprüht. Zwei Mal jährlich werde eine Nassreinigung mit einem Hochdruckgerät vorgenommen. Dies sei allerdings nur in einer Zeit möglich, in der wenige Velos parkiert seien, dies treffe auf die Frühjahrs- und die Herbstferien zu. Und bei Bedarf würden zusätzliche Nassreinigungen in den Sommerferien durchgeführt.

Toilettenbenutzung ist nach wie vor kostenpflichtig

Im Weiteren sei die Stadt Wil mit der SBB im Gespräch, um eine allseits zufriedenstellende Lösung zu finden, «welche das öffentliche Urinieren beim Bahnhof Wil sobald als möglich wieder auf ein Minimum reduziert.» Die Stadt hoffe, bei der SBB eine Aufhebung der Nutzungsgebühr in der WC-Anlage erreichen zu können. «Dem Stadtrat ist es ein Anliegen, dass die unangenehme Situation sobald als möglich verbessert wird», heisst es in der Interpellationsantwort von 2016. Die Problematik werde auf verschiedenen Bereichen und Ebenen angegangen. Durch eine Intensivierung der Kontrollen verspreche sich der Stadtrat zudem eine Verbesserung der Situation und erhoffe sich auch eine Verhaltensänderung bei den Verursachenden.

Die Toilettenbenutzung am Bahnhof Wil ist aber nach wie vor kostenpflichtig. Was meint der Interpellant Luc Kauf zu dem Problem, das seit Jahren einer Lösung harrt? «Als ich vor vier Jahren die Interpellation einreichte, habe ich auf eine pragmatische und wirksame Lösung gehofft. Das Resultat der Massnahmen zeigte keine anhaltende Verbesserung und der Zustand ist nach wie vor ein Ärgernis.» Und weiter:

«Schade und nicht nachvollziehbar ist für mich, dass dies in der Stadtverwaltung niemanden wirklich zu interessieren scheint.»