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Wildhüter ist sein Wunschberuf

Matthias Müller ist seit Monatsbeginn als Wildhüter für die Region Wil und Umgebung zuständig. Er versteht seinen Beruf auch als Moderator zwischen Mensch und Natur.
Richard Clavadetscher
Wildhüter Matthias Müller bei der Wildbeobachtung. (Bild: Richard Clavadetscher)

Wildhüter Matthias Müller bei der Wildbeobachtung. (Bild: Richard Clavadetscher)

Kein Zweifel, da hat einer seinen Wunschberuf gefunden: Der 31-jährige Matthias Müller ist seit Anfang Monat Wildhüter des Wildhutkreises 7. Das Gebiet umfasst die Region zwischen Bronschhofen und Wattwil sowie zwischen Degersheim und Mosnang. Man merkt schnell, dass da jemand seiner Arbeit mit Herzblut nachgeht – und man stellt im Gespräch bald einmal fest, dass dieser junge Mann sich nicht einfach als «Aufsicht über das Wild» in seinem Zuständigkeitsgebiet sieht; er will mehr sein: Matthias Müller versteht sich als Moderator zwischen Mensch und Natur. Dabei hilft ihm nicht zuletzt, dass er kommunikativ ist und dank seiner offen und herzlichen Art mit den Leuten ins Gespräch kommt.

Immer auch an die Wildtiere denken

«Immer mehr Menschen suchen Erholung in der Natur. Das ist schön», sagt Müller. «Aber wenn man sich in der Natur bewegt, soll man nie vergessen, dass dies der Lebensraum der Wildtiere ist. Man soll sich entsprechend verhalten.» Verständnis für die Wildtiere und ihre Bedürfnisse schaffen, das sieht Müller schlicht als Teil seines Jobs.
Matthias Müller, in Herisau aufgewachsen und nun in Bazenheid wohnhaft, hat dieses Verständnis seit Kindheit schon. Die Familie sei viel im Alpstein und im Nationalpark im Kanton Graubünden unterwegs gewesen, sagt er. Insbesondere im Nationalpark habe er das ursprüngliche Verhalten der Rehe, Hirsche, Gemsen und Steinböcke beobachten können, und dies habe ihn fasziniert. Ebenso fasziniert war er von der Arbeit der Parkwächter und ihrem profunden Wissen über Natur und Wildtiere.

In der unberührten Natur des Nationalparks zeige sich, dass die genannten Wildtiere eigentlich tagesaktiv seien. Dass das Wild in unserer Gegend seine Aktivität aber auf die Tagesrandzeiten und die Nacht verlegt habe, sei nichts anderes als eine Folge der Störung durch die Menschen. Müller findet das weder gut noch schlecht, er will einfach informieren, Verständnis für die Wildtiere und ihr Verhalten schaffen.
Als seinerzeit die Berufswahl anstand, deutete ausser seiner Naturverbundenheit noch nichts darauf hin, dass Matthias Müller einmal Wildhüter sein würde.

Er machte eine KV-Lehre mit Berufsmaturität und absolvierte hernach den Militärdienst als Durchdiener. Dabei durchlief er die Militärpolizeischule im waadtländischen Savatan. Wieder zurück im Zivilleben, entschied er sich für den Polizeiberuf. Die entsprechende Ausbildung erhielt Müller in der Polizeischule Ostschweiz im thurgauischen Amriswil. Anschliessend arbeitete er bei der Kantonspolizei St. Gallen, zuletzt auf dem Stützpunkt Schmerikon.

In dieser Zeit als Kantonspolizist begleitete er auch einen Arbeitskollegen, einen erfahrenen Jäger, auf der Jagd und erwarb schliesslich selber den Jagdfähigkeitsausweis. Bis zu seinem Stellenantritt war Müller Jagdpächter im Revier Mühlrüti.
Müllers Wildhutkreis 7 hat nicht nur eine beachtliche Grösse, es ist auch ein sehr vielfältiges Gebiet: Von der Landwirtschaft geprägte Regionen mit wenig Menschen und viel Wald gehören ebenso dazu wie ein Stück der Autobahn A1, zahlreiche Dörfer, Agglomerationsgebiete und die Stadt Wil – «natürlich ein Nichtjagdgebiet», wie Müller den Laien schon mal schmunzelnd beruhigt. Aber Wildtiere – zum Beispiel Füchse – seien sehr anpassungsfähig und machten heutzutage eben auch an einer Stadtgrenze nicht Halt.

Auf Beobachtungen und Hinweise angewiesen

In diesem Gebiet, diesem Wildhutkreis, ist Müller nun für die Wildtiere, ihr Verhalten und ihre Bestände zuständig. Dabei kann er natürlich nicht überall gleichzeitig sein, ist er immer auch auf Beobachtungen und Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. «Gerade heute Morgen hat mir zum Beispiel eine Bäuerin erzählt, dass sie einen hinkenden Fuchs gesehen habe, der sich nur noch auf drei Beinen fortbewege», so Müller. Solche Hinweise seien wertvoll, und deshalb sei ihm der Dialog mit den Menschen in seinem Wildhutkreis auch so wichtig.

Nicht nur mit der Bevölkerung will Müller im Gespräch bleiben. Von Amts wegen gehört auch der Austausch mit der Jägerschaft dazu. Die Jägerschaft: Bekannt ist, dass die Jäger – sagen wir, unterschiedliche Ansichten haben, was die zunehmende Präsenz von Grossraubtieren, wie Bär, Wolf und Luchs betrifft. Wo steht da Wildhüter Matthias Müller? «Diese Frage habe ich erwartet», sagt Müller und lacht. Er habe sich diesbezüglich Neutralität verordnet und wolle für beide Seiten ein offenes Ohr haben, lautet die Antwort. «Meine Aufgabe ist es ja, für Probleme angemessene Lösungen zu finden – innerhalb des gesetzlichen Rahmens, versteht sich.»

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