Wilder Westen in Jonschwil

Der deutsche Regisseur Rüdiger Specht suchte lange nach einem Drehort für Szenen seines Films «Lobo – der Teufel sang sein Wiegenlied». Er wurde fündig auf der Weide von Landwirt Arnold Thalmann.

Merken
Drucken
Teilen

JONSCHWIL. Pulverrauch steigt auf der Weide von Arnold Thalmann in den Himmel auf. Schüsse sind jedoch keine zu hören. Was ist geschehen?

Szenen eines Filmes werden auf der Wiese in Jonschwil gedreht – genau zehn an der Zahl. Dafür werden rund sieben Stunden Drehzeit benötigt. Vor Ort sind die sieben in diesen Filmsequenzen benötigten Schauspielerinnen und Schauspieler, der Regisseur, die Kamerafrau, die Maskenbildnerin, Assistenten, die Mitarbeiter für die Verpflegung und die Zuständige für die Lichtmessung.

Grosser Aufwand

Ein grosses Aufgebot und viel Drehzeit, um einige Szenen eines Western zu filmen. Könnte man meinen. Vor Ort sieht und spürt man jedoch schnell, wie intensiv die Zeit genutzt werden muss und wie viel Arbeit hinter dem Dreh einer einzigen Szene ist.

Beim Film handelt es sich um die Umsetzung einer Masterarbeit der Merz Akademie Stuttgart für Film und Video. Der Regisseur und Drehbuchautor Rüdiger (Rudi) Specht benötigte einen Standort für einzelne Szenen seines Western, der einige Voraussetzungen bezüglich Wiese, Haus erfüllen musste. Monatelang suchten er und sein Team in ganz Süddeutschland nach genau diesem Ort. Gefunden haben sie ihn dort nicht. Die andern Standorte wurden in Spanien und an andern Orten recht schnell gefunden.

In der alten Heimat der Eltern

Weshalb jedoch Noldi Thalmanns Weide in Jonschwil? Claudia Sutter, die als ausgebildete Schauspielerin selbst in diesem Film mitspielt, erzählte bei einem Kurzbesuch bei ihren Eltern – den in Jonschwil aufgewachsenen Othmar und Theres Sutter-Moser – vom Film und den Schwierigkeiten, die Örtlichkeit zu finden. Natürlich wäre der Aufbau von Kulissen möglich gewesen. Da dieser Teil des Films jedoch ohne Kunstlicht entstehen und damit völlig andere Stimmungen einfangen sollte, wäre die Kulisse-Version nur im äussersten Notfall zum Tragen gekommen. Da Othmar Sutter die Örtlichkeiten in der Nähe seines Waldes in Jonschwil bestens bekannt sind, schlug er seiner Tochter diesen Standort vor. Es folgten Gespräche mit dem Landbesitzer, Fotos an den Regisseur senden und innerhalb von 24 Stunden war klar: Genau diese Weide mit der Scheune und dem Umfeld erfüllen die gewünschten Anforderungen.

So rückte am letzten Samstagmorgen das Drehteam an. Um 10 Uhr ging es los, um 17 Uhr war die letzte Szene im Kasten. Das ohne Mittagspause. Aber was heisst gedreht? Jede Szene – und wird sie im Film noch so kurz sein – braucht Zeit, viel Zeit. Lichteinfall, unterschiedliche Kamerastandorte, Masken (Schminke, Blut, Schweiss) ausprobieren, verschiedene Mimiken der Schauspieler, Hintergrund, Wörter und Sätze und Dutzende von weiteren Möglichkeiten und Abhängigkeiten zu den andern Szenen des Films müssen aufgenommen werden. Der Aufwand ist ausserordentlich, Aussenstehenden bleibt nur das Staunen.

Zufriedener Regisseur

Und die Meinung des Regisseurs zu den Örtlichkeiten in der Umgebung von Jonschwil? «Dieser Ort war wirklich perfekt. Es stimmte einfach alles.» (red.)