WIL: Zwei skurrile Oberbayrer

Zum Abschluss der 38. Saison war im Wiler Chällertheater das bayrische Duo Josef Brustmann/Ardhi Engl zu Gast. Sie sind hierzulande weitgehend unbekannt. Es war ein Geheimtipp mit vergnüglich-schrägen Geschichten.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Ardhi Engl spielt bei der Saisondernière im Chällertheater ein Solo auf der Kleiderhakenharfe. (Bild: Michael Hug)

Ardhi Engl spielt bei der Saisondernière im Chällertheater ein Solo auf der Kleiderhakenharfe. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

«Er spuit, worauf i irgendwas verzähl und dann spuit er wieder.» So fasste es einst Gerhard Polt kurz und bündig zusammen. Eine einfache Formel. Mehr als zehn Jahre lang hielt sie beim Duo Polt-Engl. Nun heisst es Brustmann-Engl. Was nicht bedeuten soll, dass Ardhi Engl, der Oberbayer mit indonesischen Wurzeln, einfach seinen Bühnenpartner ausgewechselt hat. Es bedeutet vielmehr, dass es im deutschen Sprachgebiet noch mehr knorrig denkende Menschen gibt, denen zuzuhören es sich lohnt. Josef Brustmann meint dazu: «Meine Sprache ist Geschwistersprache. Ich habe sie von meinen acht Geschwistern gelernt. Das wunderbare K+K-Sprachgemisch meiner Eltern, ich habe es einfach übersprungen.»

Heimatsprache Oberbayrisch

Der eine spielt, worauf der andere eine Geschichte erzählt. Dann spielt der eine oder andere – oder beide zusammen ein Lied. Manche dieser Lieder sind selbst nicht minder knorrig wie die beiden Typen selbst. Alle aber interpretieren die Zwei in ihrer sympathischen Heimatsprache Oberbayrisch, von der sie selber behaupten, dass sie eckig und kantig ist, manchmal unfreundlich wie der Oberbayer selber. «Wer diese Sprache bis jetzt nicht verstanden hat, der versteht sie auch den Rest des Abends nicht mehr.» Manche würden sogar behaupten, der Oberbayer sei fremdenfeindlich. Ein Indiz dafür sei, dass an den Hotels «Fremdenzimmer» angeschrieben steht statt «Gästezimmer» wie andernorts. «Manche behaupten auch, die Oberbayrer seien Preussenfresser. Das stimmt natürlich nicht, denn was der Oberbayer nicht mag, das frisst er auch nicht.»

«Aber da kumm’ schon zamm», sagt Brustmann und wechselt ins bayrisch gefärbte Hochdeutsche, als er nach und nach mehr über seine und die seines Partners Ardhi Engl Herkunft zwischen die Lieder flicht. Engl, geboren in Bayern, «verzählt» gleich selber seine Geschichte, die in Indonesien seinen Ursprung hat, deshalb auch der für Bayern etwas ungewöhnliche Vorname «Ardhi». Dass er seine Wurzeln immer noch spürt, demonstriert er dann auf der selbst gebauten Indonesischen Harfe. Wobei sich herausstellt, wo Engls Qualitäten liegen: Er ist ein ziemlich kreativer Instrumentenbauer und Tüftler, der aus Sonnenschirmstangen den «Stangerlbass» baut oder aus einem blossen Brett eine Zither. Sie stimmen alle diese Instrumente und es lässt sich daran auch formidabel spielen, beweist Engl und spielt ein Solo auf der Kleiderhakenharfe.

Liebevoll und hintersinnig

Brustmann und Engl sind zwei bayrische Musiker und Komiker, soviel lässt sich sagen. Sie sind aber auch Dichter (Brustmann) und Sänger (Engl), Satiriker und brillante Geschichtenerzähler. Aus einfachen Begebenheiten machen sie vergnügliche und skurrile Anekdoten, die so liebevoll sind wie hintersinnig. Brustmann sagte: «Vor Kurzem ist eine ältere Frau nach der Vorstellung zu uns gekommen und hat gesagt: «So viel gelacht wie heute Abend bei ihnen habe ich seit dem Tod meines Mannes nicht mehr.»