Wil
Zum Jubiläum des Frauenstimmrechts: Verein Wiler Frauentag ehrt lokale Frauenrechtlerin Lotti Ruckstuhl-Thalmessinger

Die Mitglieder des Vereins stellen mit einer Tafel das Wirken von Lotti Ruckstuhl-Thalmessinger in den Fokus. Sie hoffen, dass in Wil bald weitere Strassen nach Frauen benannt werden, die sich für die Gesellschaft engagiert haben.

Merken
Drucken
Teilen
Sie kämpfen weiter für Gleichstellung: die Mitglieder des Vereins Wiler Frauentag.

Sie kämpfen weiter für Gleichstellung: die Mitglieder des Vereins Wiler Frauentag.

Bild: PD

(gia/pd) Am 7. Februar 1971 nahmen die Schweizer Stimmbürger bei einer Stimmbeteiligung von 57,7 Prozent das Frauenstimmrecht auf nationaler Ebene an. 14 Stände und drei Halbkantone stimmten der Verfassungsänderung zu.

Die Gemeinden im Kanton St.Gallen lehnten diese grossmehrheitlich ab. Die Stadt Wil gehörte – wenn auch äusserst knapp – zu den wenigen Befürworterinnen im Kanton. 1152 Wiler sagten Ja, 1143 lehnten das Frauenstimmrecht ab.

Ein langer Kampf für gleiche Rechte

Der Abstimmung ging ein jahrzehntelanger Kampf voraus. Unter den vielen Frauen und Männern, die sich für die Einführung des Frauenstimmrechts engagierten, war mit Lotti Ruckstuhl-Thalmessinger (1901-1988) auch eine Wilerin.

Sie war Juristin und Frauenrechtlerin. Aufgewachsen in Südafrika, legte sie in Zürich die Matura ab, studierte Recht und Volkswirtschaft, promovierte und erwarb das Anwaltspatent. Nach ihrer Heirat zog sie nach Wil. Sie engagierte sich in verschiedenen Frauen- und Expertenorganisationen, war unter anderem Mitbegründerin der juristischen Kommission SKF, Präsidentin des Verbandes Frauenstimmrecht in der Schweiz, Vorstandsmitglied der International Alliance of Women.

Eine Tafel «zur Erinnerung an eine mutige Frau»

Die Tafel, welche der Verein Wiler Frauentag platzierte.

Die Tafel, welche der Verein Wiler Frauentag platzierte.

Bild: PD

Seit einiger Zeit gibt es in Wil einen Weg, der nach ihr benannt ist. Am Sonntag, exakt 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts, traf sich eine kleine Gruppe aus Mitgliedern des Vereins Wiler Frauentag vor dieser Wegtafel. Ihr Ziel: Lotti Ruckstuhl-Thalmessingers Wirken bekannter zu machen. So befestigten sie «zur Erinnerung an diese mutige Frau» eine Tafel mit einem Foto und den wichtigsten Daten. Damit würden Passantinnen und Passanten erfahren, wer Lotti Ruckstuhl-Thalmessinger war, heisst es in einer Medienmitteilung des Vereins.

Obwohl mit der Einführung des Frauenstimmrechts ein wichtiger Schritt für die Gleichstellung der Frauen gemacht wurde, sieht der Wiler Verein weiterhin noch grosses Verbesserungspotenzial. Den Mitgliedern schwebt denn auch eine Idee vor, wie man auf einfache Weise die Gleichstellung im öffentlichen Raum noch sichtbarer machen könnte:

In der Mitteilung heisst es:

«Vielleicht kann diese Aktion ein Anstoss sein, dass in Wil noch andere Strassen und Wege nach Frauen benannt werden, die viel für Gesellschaft und Wirtschaft geleistet haben.»