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WIL: Züchter fordern Menschlichkeit und kritisieren Stadtrat

Kaninchenzüchter Josef Eicher habe nichts falsch gemacht, sagt der Verband Rassekaninchen Schweiz und kritisiert den Stadtrat auch nach einem Treffen scharf für seinen Kündigungsentscheid. Dieser hält aber daran fest.
Ursula Ammann
Einzelhaltung oder nicht: eine Frage, die Kontroversen auslöst, wie es sich aktuell in Wil zeigt. (Symbolbild: iStock)

Einzelhaltung oder nicht: eine Frage, die Kontroversen auslöst, wie es sich aktuell in Wil zeigt. (Symbolbild: iStock)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Das Gespräch sei nicht gut verlaufen, sagt Peter Iseli. Der Präsident des Verbands Rassekaninchen Schweiz ist gestern aus dem Kanton Bern nach Wil gereist, um mit Stadtrat Daniel Stutz und Stadtpräsidentin Susanne Hartmann über den in seinen Augen sinnlosen Entscheid der Behörde zu reden: den Entscheid, Kaninchenzüchter Josef Eicher zu kündigen. Dieser betrieb unterhalb des Spitals eine Anlage mit Einzeltierhaltung. Der Forderung, diese artgerecht, sprich auf Gruppenhaltung und ganzjährigen Freilauf auszurichten, leistete er innerhalb der dreimonatigen Frist keine Folge. Für den Verbandspräsidenten ist das Vorgehen der Stadt nicht nachvollziehbar. «Herr Eicher hat nichts falsch gemacht», sagt er. Die Tierschutzanforderungen habe er sogar mehr als erfüllt. Die Stadt jedoch zeige wenig Verständnis und Einsicht. Auch auf eine Schadensersatzforderung in Form eines Geldbetrages sei sie nicht eingegangen. Wie hoch der geforderte Betrag war, möchte Iseli nicht sagen.

Haltung der Stadt als «bedenklich» bezeichnet

Peter Iseli ist nach wie vor überzeugt, dass der Entscheid des Stadtrats einer Rechtsgrundlage entbehrt. «Die artgerechte Haltung von Kaninchen ist gesetzlich nirgends verankert», sagt er. Was ihn stört, ist aber auch das «fehlende Fingerspitzengefühl» des Stadtrats. «Hinter der Tierhaltung stehen Menschen», sagt er. Was Josef Eicher, einem «vorbildlichen Züchter», widerfahren sei, gleiche einer Tragödie, sagt auch Klaus Blättler, Tierschutzberater von Kleintier Schweiz. Er hat Iseli zum Gespräch mit der Stadt begleitet. Sowohl er als auch Iseli finden es bedenklich, welche Haltung die Stadt vertritt. Von einer Anfechtung des Entscheids sehen sie wohl ab. Auch, weil Kaninchenzüchter Josef Eicher bereits resigniert habe.

Die Vereinbarung, in deren Rahmen die Stadt das Grundstück dem Kaninchenzüchter – notabene unentgeltlich – zur Verfügung gestellt habe, stamme aus dem Jahr 2003, sagt Stadtrat Daniel Stutz. Darin sei auch die Möglichkeit, auf jedes Monatsende zu kündigen, enthalten. Von einem klassischen Pachtvertrag könne man nicht reden. Josef Eicher sei schon Anfang Juni auf den möglichen Kündigungstermin Ende September hingewiesen worden. Die Stadt habe ihn aufgefordert, die Anlage so umzubauen, dass Gruppenhaltung und ganzjähriger Freilauf gewährleistet seien. Dem sei er nicht nachgekommen. «Der Entscheid lag also letztlich bei ihm», so Stutz. Es stehe Josef Eicher frei, weiter Kaninchen einzeln zu halten, «einfach nicht auf städtischem Boden». Die Stadt verlange auf ihren Grundstücken nicht nur eine tierschutzkonforme, sondern auch eine artgerechte Haltung. «Kaninchen sind soziale Wesen, die auch mal in der Erde buddeln wollen», sagt Stutz.

Die Diskussion zu Eichers Ställen ziehe sich über mehr als vier Jahre hin. Es sei davon ausgehen, dass sich der Züchter bereits mit anderen Haltungsformen auseinandergesetzt habe. Die Länge der gesetzten Frist erachtet Stutz daher nicht als «ausschlaggebend». Seiner Ansicht nach, hätte der Verband Eicher schon vorher unterstützen können, um eine alternative Lösung zu finden. Er spüre aber ein Verharren der Züchter im «alten Schema», sagt Stutz. So sehe er keine Möglichkeit zur Einigung.

Die Vorgeschichte

Mehrere Jahre lang betrieb der Rickenbacher Josef Eicher auf einem Grundstück der Stadt Wil unterhalb des Spitals eine Kaninchenanlage mit Einzeltierhaltung. Vor kurzem hat die Stadt den Pachtvertrag mit ihm gekündigt, weil Eicher die Ställe nicht auf artgerechte Haltung umgebaut hat. Den Stein ins Rollen brachte ursprünglich der Verein gegen Tierfabriken (VgT). Dieser kritisierte das «Kaninchengefängnis» auf städtischem Boden und forderte den damaligen Stadtrat Marcus Zunzer zum Handeln auf. Weil nichts geschah, startete der VgT neben Kundgebungen und weiteren Aktionen eine Abwahlkampagne gegen den Departementsvorsteher Bau, Umwelt und Verkehr. Bei den Stadtratswahlen 2016 wurde Zunzer nicht mehr in seinem Amt bestätigt. Sein Nachfolger Daniel Stutz hat den Fall nun neu angepackt. (uam)

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