WIL ZH: Klein, aber keine «Langwiler»

Die Äbtestadt hat in der Schweiz so manche Namensvetterin. Eine davon ist Wil ZH, ein 1300-Seelen-Dorf im Rafzerfeld. Gemeindepräsident Peter Graf über Wahrzeichen und Witze, Verwechslungen und Vereine.

Ursula Ammann
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Wil ZH hat einen Dorfladen, drei Restaurants und 22 Hektaren Rebanbaufläche. (Bild: PD)

Wil ZH hat einen Dorfladen, drei Restaurants und 22 Hektaren Rebanbaufläche. (Bild: PD)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Peter Graf, was wissen Sie über die Stadt Wil im Kanton St. Gallen?

Ich weiss, dass Wil eine sehr schöne Altstadt hat. Diese besichtigten wir einmal anlässlich einer Reise mit dem Gemeinderat. Wir waren alle sehr beeindruckt.

Auf der Webseite Ihrer Gemeinde ist davon die Rede, dass kein anderes Wil solch markante Wahrzeichen habe, wie Wil ZH. Welche sind das?

Gut sichtbar ist auf jeden Fall unsere Kirche auf dem Hügel. Zudem verfügen wir über grosse Rebanbauflächen. 22 Hektaren sind es. Markant sind auch die Kiesgruben.

Macht man in Wil ZH gelegentlich Witze über andere Wiler?

Über andere Wiler machen wir keine Witze. Aber von uns selbst sagen wir, dass wir keine «Langwiler» sind.

Ist es schon zu Verwechslungen zwischen Wil ZH und Wil SG gekommen?

Das gibt es sogar ziemlich oft. Wir erleben immer wieder, dass Pakete, Lastwagenlieferungen oder Telefonanrufe nicht am Ort ihrer Bestimmung landen. Ich selbst habe auch schon meine Erfahrungen gemacht. Etwa, als ich mich auf einen Job bei der Stadt Bischofszell beworben habe. Beim Vorstellungsgespräch waren alle ganz erstaunt, dass ich über eine halbe Stunde Autofahrt hatte. Man war davon ausgegangen, dass ich im st. gallischen Wil wohne. Die Stelle habe ich dann nicht erhalten. So wie es tönte wohl nicht zuletzt deshalb, weil ich aus dem «falschen» Wil kam.

Was haben die Wiler für eine Mentalität?

Eigentlich sagen wir ja nicht Wiler, sondern Wilemer. Die Wilemer und Wilemerinnen sind sehr ländlich geprägt. Vor allem die Älteren. Die Jüngeren stehen jedoch schon etwas unter dem Einfluss der Stadt Zürich. Viele fahren auch dorthin zur Arbeit.

Apropos Arbeit. Im Wappen von Wil ZH ist eine Schaufel abgebildet. Sind die Wilemer besonders arbeitsame Leute?

Das ist keine Schaufel, sondern eine Pflugschar (lacht). Und diese passt noch immer sehr gut. Denn wir sind nach wie vor ein Bauerndorf.

Worin liegt die Stärke Ihrer Gemeinde?

Das kann ich grad an einem Beispiel erklären: Vergangenes Jahr feierten wir 800 Jahre Wil. In diesem Rahmen haben wir ein Freilichtspiel auf die Beine gestellt. Dieses wurde an fünf Abenden aufgeführt. Die Probearbeiten zogen sich über ein halbes Jahr hin. Es wurden 120 Schauspieler und 250 Helfer benötigt. Es ist gelungen, die Posten praktisch ausschliesslich mit Mitgliedern aus Vereinen, sprich Leuten aus dem Dorf zu besetzen. Sie haben mitgemacht ohne eine Aussicht auf Entschädigung. Nur den Regisseur und einen Schauspieler holten wir von auswärts. Dieses gute Vereinsleben ist zweifelsohne eine grosse Stärke unserer Gemeinde.

Was beschäftigt die Politik gerade so?

Ein Thema ist der Zusammenschluss mit Eglisau im Bereich der Sekundarschule. Dazu gibt es im Herbst eine Abstimmung. Die Mitarbeit in Zweckverbänden ist in unserer Gemeinde allgemein etwas Essenzielles, sei es im Bereich Schule, Wasserversorgung oder Feuerwehr. Das gibt uns auch die Chance, politisch eigenständig zu bleiben.

In Wil SG leiden die Laden- geschäfte unter dem Onlinehandel aber auch unter dem Einkaufstourismus. Wil ZH grenzt direkt an Deutschland. Wie sehr ist der Einkaufstourismus dort ein Thema?

In unserem Dorf gibt es nur einen Laden. Den Volg. Wir haben schon ein bisschen Angst um diesen. Er kämpft jedoch generell mit Konkurrenz, auch mit grösseren Einkaufszentren in unseren Nachbargemeinden. Eher ein Thema ist das Essengehen ennet der Grenze. Das macht unseren drei Restaurants im Dorf zu schaffen.

Wil ZH hat etwas über 1300 Einwohner. Wie hoch ist Ihr Pensum als Gemeindepräsident und was arbeiten Sie sonst noch?

Mein Pensum beträgt zwischen 20 und 40 Prozent. Daneben arbeite ich 100 Prozent bei der ETH als Leiter Energieversorgung. Da geniesse ich viel Flexibilität. Ansonsten wäre es wohl nicht denkbar, neben dem Amt als Gemeindepräsident noch einen Vollzeitjob auszuüben.

Worüber würden Sie sich mit der Stadtpräsidentin von Wil SG gerne mal austauschen?

In einer Stadt gibt es bestimmt ganz andere Herausforderungen als bei uns. Themen, die mich interessieren würden, sind das kulturelle Leben und das soziale Miteinander in der Stadt Wil.