WIL: Zahlen und in Frieden ruhen

Die AHV steht in der Schieflage. Doch an der «Altersvorsorge 2020»-Reform scheiden sich die Geister. An einem Podium unter der Leitung von «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid wurde darüber diskutiert.

Daniel Wallimann
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Kunst ist, das Alter zu ertragen. Am besten mit einer gesicherten Vorsorgeeinrichtung. (Bild: Key/Gaëtan Bally)

Kunst ist, das Alter zu ertragen. Am besten mit einer gesicherten Vorsorgeeinrichtung. (Bild: Key/Gaëtan Bally)

Daniel Wallimann

daniel.wallimann@wilerzeitung.ch

Menschen werden heute älter und beziehen länger Rente. Bald erreichen auch die geburtenstarken Babyboomer das Pensionsalter. So werden in Zukunft weniger Berufstätige die Renten von mehr Pensionierten finanzieren müssen. Auch die Kapitalanlagen der Pensionskassen bringen nicht mehr genügend Geld ein, um die laufenden Renten zu decken. Mit der Rentenreform «Altersvorsorge 2020» (siehe Kasten), die der Bundesrat aufgegleist hat, soll dieser Entwicklung entgegengesteuert werden. Doch wer profitiert davon und wer hat das Nachsehen?

Menschen mit kleinem Einkommen profitieren

«Wird die Altersreform angenommen, profitieren Personen, die 45 oder älter sind, von der sogenannten Besitzstandswahrung», sagt CVP-Nationalrätin Barbara Schmied-Federer. Konkret heisst das: Liegt die neu berechnete Rente unter der Rente des heutigen Systems, übernimmt der Sicherheitsfonds der Pensionskassen die Differenz. Auch Personen mit geringem Einkommen würden von der Reform profitieren. Heute wird nämlich vom Jahreseinkommen der Koordinationsabzug von 24675 Franken abgezogen. Damit würde dieser flexibilisiert auf 40 Prozent des Einkommens – mindestens 14100 und maximal 21150 Franken. So ist ein grosser Teil des Lohns versichert. «Davon profitieren dann auch die vielen Teilzeitler», sagt SP-Nationalrätin Barbara Gysi. Diesen und anderen mit geringem Einkommen kämen die 70 Franken mehr AHV zugute. «Da mit der Reform auch mehr Mehrwertsteuergeld an die AHV fliesst, kann sie das Polster bis 2030 erhöhen», sagt Schmied-Federer. «Da aber alle Neurentner 70 Franken mehr Rente bekommen, reicht dieses Polster bei weitem nicht», entgegnet SVP-Nationalrat Lukas Reimann.

Die Jungen haben das Nachsehen

«Kommt die Reform durch, müssen Junge, die erst am Anfang ihres Berufslebens stehen, mehr auf das Rentenkonto einzahlen», sagt Reimann weiter. Die AHV-Beiträge steigen nämlich ab 2021 um 0,3 Prozent. Auch die Beiträge an die 2. Säule steigen für die heute 35- bis 55-Jährigen. Wegen des sinkenden Umwandlungs­satzes erhalten sie umgerechnet 12 Prozent weniger Rente als heute. Daneben verändert sich auch die Situation für Frauen: Ab 2018 wird für sie das Rentenalter von 64 auf 65 Jahre erhöht. «Damit müssten wir länger arbeiten und einzahlen», sagt Gysi. Das betrifft insbesondere diejenigen, die heute 44 und jünger sind. Zwar sind Rentnerinnen und Rentner, die bereits pensioniert sind, nur indirekt betroffen. An ihrer Situation ändert sich vorläufig nichts. «Dennoch zahlen auch sie mit der Reform mehr Mehrwertsteuer ein», sagt FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter. Bei einem Durchschnittseinkommen von zum Beispiel 4000 Franken würde die Steuer um fast 13 Franken pro Monat ansteigen. Würde die Vorlage aber abgelehnt, müsste eine neue her, da sich bei den Vorsorgewerken die Finanzierungsprobleme zuspitzen. Damit sie wieder auf gesunden Füssen stehen, könnten die Renten gekürzt oder das Rentenalter erhöht werden. Auf eine der Massnahmen mag sich aber noch niemand festlegen.