WIL: Wieder näher am Menschen

Die 55jährige Gabriella Capassi ist seit diesem Monat neue Leiterin des Männerhauses St. Otmar in Wil. Sie löst in dieser Funktion Monika Stillhart ab. Die Ur-Wilerin arbeitete 30 Jahre lang in Littenheid im Bereich der klinischen Psychiatrie.

Chris Gilb
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Die Hausleiterin Gabriella Capassi im Aufenthaltsraum der Bewohner des Hauses St. Otmar in Wil. (Bild: Chris Gilb)

Die Hausleiterin Gabriella Capassi im Aufenthaltsraum der Bewohner des Hauses St. Otmar in Wil. (Bild: Chris Gilb)

WIL. Würde Gabriella Capassi etwas anders machen, wenn sie noch einmal am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen würde? «Nein», sagt sie. «Es gibt keine Alternative für mich dazu, mit Menschen zu arbeiten. Auch wenn ich sie oft in schwierigen Situationen kennengelernt habe, sind sie doch in erster Linie immer ganz normale Menschen für mich geblieben.» Dieses Credo bestimme ihre Arbeit. Und genau an diese Menschen wollte sie wieder näher herankommen.

Kontakt ist niederschwelliger

Gabriella Capassi hat einst die Lehre zur Pflegefachfrau-Psychiatrie gemacht, über Weiterbildungen wurde sie zwischenzeitlich Leiterin eines Wohnheims mit integrierter Beschäftigung der Murg Stiftung in Littenheid. Seit 1996 arbeitete sie unterbruchslos für die Stiftung. 30 Jahre lang arbeitete sie insgesamt in der klinischen Psychiatrie. Mit 55 sei es nun der perfekte Zeitpunkt für eine Neuorientierung: «Wenn nicht jetzt, wann dann», sagt sie. Das Männerhaus St. Otmar kenne sie als Ur-Wilerin schon lange und wisse dessen Bedeutung zu schätzen. «Auch ich kenne Menschen, denen das Angebot schon geholfen hat und eine wichtige Überbrückungshilfe war.» Als sie von Monika Stillhart hörte, dass diese nach zehn Jahren als Hausleiterin aufhöre und die Stelle frei werde, war sie sofort interessiert. Einen Monat lang wird sie nun von ihrer Vorgängerin in ihre 60-Prozent-Stelle eingearbeitet. Sie wird hauptsächlich an den Vormittagen und vereinzelt an den Wochenenden im Haus St. Otmar anzutreffen sein. «Natürlich ist die Klientel hier eine andere als etwa in der Psychiatrie. Der Kontakt ist niederschwelliger. In der Psychiatrie hatten wir einen klaren Betreuungsauftrag. Hier stehen wir bei Bedarf zur Verfügung.»

Gemeinsames Kochen

Trotzdem möchte sie in Zukunft die Angebotsseite noch ausbauen. «Ich glaube vor allem, dass im Bereich des gemeinsamen Kochens oder der Freizeitgestaltung im allgemeinen noch etwas gemacht werden kann», sagt Gabriella Capassi. Interessant sei, dass die Aufenthaltszeit der Bewohner tendenziell immer länger werde. «Damit gehen neue Herausforderungen einher.» Von den 26 Zimmern im Haus sei momentan eines zu vermieten. Die Nachfrage dafür sei gross.

Vor einigen Jahren hat sich die zweifache Mutter mit italienischen und Schweizer Wurzeln zudem zur Sexualpädagogin ausbilden lassen und hatte auch schon einige Zeit einen Raum in einer Gemeinschaftspraxis in Wil. Während ihrer Arbeit in der klinischen Psychiatrie habe sie festgestellt, dass die Sexualität der Patienten in der Behandlung oftmals zu kurz käme.

Dies war damals einer ihrer Antriebe, die Ausbildung zu machen. Sie war die einzige aus dem Bereich der Psychiatrie im Kurs. Bei ihrer neuen Anstellung im Männerhaus spiele diese Ausbildung aber keine Rolle. Da wolle sie nichts vermischen.