WIL: Wie die Wiler zum Zug kamen

«Die Eisenbahn kommt!» heisst die neue Ausstellung im Stadtmuseum im Hof zu Wil. Sie widmet sich Wil und seinen Bahnlinien. Die Reise durch die Geschichte beginnt vor über 150 Jahren, als hier der erste Zug einfuhr.

Ursula Ammann
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Kunst und Zug: Der Wiler Maler Karl Peterli hat die Geschehnisse am Bahnhof Wil festgehalten. Einige Bilder sind in der Ausstellung zu sehen.

Kunst und Zug: Der Wiler Maler Karl Peterli hat die Geschehnisse am Bahnhof Wil festgehalten. Einige Bilder sind in der Ausstellung zu sehen.

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Am 18. April 1852 machten die Wiler endgültig die Bahn frei ­ für den Zug. An jenem Tag beschlossen sowohl die politische Gemeinde als auch die Ortsgemeinde, sich an der Bahnlinie Winterthur–Wil–Rorschach zu beteiligen. Dies auf Ansuchen der st. gallisch-appenzellischen Bahngesellschaft, die das Projekt aufgegleist hatte. Die politische Gemeinde Wil war bereit, Aktien im Wert von 30 000 Franken zu zeichnen. Die Ortsgemeinde kaufte Aktien für 50 000 Franken. Beide stellten aber die gleiche Bedingung. Nämlich, dass der «in Wyl zu erbauende Bahnhof nicht weiter als 1000 Fuss von der St. Peterfriedhofmauer entfernt zu stehen komme».

Die Argumente für eine Beteiligung waren vor allem wirtschaftlicher Natur. Was den Handel betraf, waren die Stadt und ihre Bevölkerung durch die Anbindung ans Eisenbahnnetz alles andere als auf dem Abstellgleis. So hat sich beispielsweise die ­Stickereiindustrie rund um den Bahnhof entwickelt.

Ideen, die auf der Strecke blieben

Die Eröffnung der Bahnlinie Winterthur–Wil–Rorschach im Herbst 1855 brachte weitere Projekte ins Rollen. 1870 kam die Toggenburgerbahn, 1887 die Frauenfeld-Wil-Bahn und 1911 die Mittelthurgaubahn. Alle haben ihre eigene Geschichte. Davon erzählt die neue Ausstellung «Die Eisenbahn kommt!» im Stadtmuseum Wil. «Die Besucher können hier stundenlang verweilen und diesmal viel lesen», sagt Museumsleiter und Stadtarchivar Werner Warth. Die Ausstellung bietet aber weit mehr als Stellwände mit Texten. Sie lebt von bewegten Bildern, interaktiven Stationen, Originaldokumenten sowie Loks und Zugkompositionen im Kleinformat, die der Modelleisenbahnclub Wil zur Verfügung stellt. Auch Kunst gibt es zu sehen. So sind Werke des Wiler Malers Karl Peterli ausgestellt, der in Bildern das Geschehen am Wiler Bahnhof festhielt: Etwa Reisende, die sich vor der Abfahrt zu einem «Schwatz» aus dem Fenster lehnen. Auch die gegenwärtige Kunst fehlt nicht. Die Gäste werden mit einer Videoinstallation des Wiler Künstlers Renato Müller begrüsst. Dessen Vater Otto Müller erzählt übrigens in einem Ausstellungsvideo aus seinem früheren Berufsleben als Lokomotivführer.

Gegenstände aus der Welt der Eisenbahn finden in der Ausstellung ebenfalls ihren Platz: Darunter ein Führerstand, Kleidung von Zugpersonal, aber auch eine Holzbank aus der Frauenfeld-Wil-Bahn, auf die man sich setzen kann. Dort hängen auch alte Zeitungen zum Lesen bereit.

Neben den Eisenbahnlinien, die bis in die Neuzeit grosse Bedeutung haben, widmet sich die Ausstellung auch Projekten, die auf der Strecke geblieben sind. «Es gab einst Pläne für eine Strassenbahn durch Wil», sagt Werner Warth. «Sie hätte von einer kleinen Dampflok oder von Pferden gezogen werden sollen.» Die Idee sei aber wieder verworfen worden. Wegen zu hoher Kosten.

Nur auf Papier bestehen blieb auch die Hörnlibahn. Sie hätte von Wil via Gähwil und Mosnang ins Tösstal und weiter nach Zürich geführt. Die Hörnlibahn war dann tatsächlich unterwegs, allerdings nur als Nachbildung am Wiler Fastnachtsumzug von 1933. «Auf diese Weise machte sich die Bevölkerung über das Projekt lustig», sagt Werner Warth.

Wil ist trotzdem zu einem bedeutenden Verkehrsknoten der Ostschweiz geworden. Seit dem 14. Oktober 1855, jenem Tag, als der erste Eisenbahnzug in den Bahnhof Wil einfuhr, und heute hat sich viel getan. Diese Geschichte kommt nun im Stadtmuseum Wil auf vielfältige Art und Weise zum Zug.

Hinweis

Die Ausstellung ist erstmals am Wochenende vom 12. und 13. August jeweils von 14 bis 17 Uhr offen. Der Eintritt ist frei.