Wil
Wer tritt die Nachfolge von Ursula Egli an der Spitze der Wiler SVP an? Das sind die aussichtsreichsten Personen

Nach der Wahl von Ursula Egli in den Stadtrat muss die SVP ihren Parteivorsitz neu besetzen. Namen gibt die Partei noch keine bekannt, doch das Kandidatenfeld ist überschaubar.

Gianni Amstutz
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Ursula Egli hat ihr Amt als Parteipräsidentin abgegeben.

Ursula Egli hat ihr Amt als Parteipräsidentin abgegeben.

Bild: PD

Mit der Wahl von Ursula Egli in den Stadtrat ging für die Wiler SVP ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Bereits bei den Wahlen zuvor konnte die Partei im Stadtparlament Sitzgewinne verbuchen, für ein Stadtratsamt reichte es jedoch bis 2020 nie.

Durch die Wahl in den Stadtrat ist aber auch eine Vakanz an der Parteispitze entstanden. Das auf Konsenspolitik und Kollegialitätsprinzip ausgerichtete Stadtratsmandat lässt sich nicht mit der Rolle einer Parteipräsidentin vereinbaren. In jenem Amt wird auch einmal Kritik am Stadtrat geübt, was einem Mitglied dieses Gremiums unmöglich wäre.

Bis Ende April soll die Person gefunden sein

Wie die SVP-Ortspartei in einer Medienmitteilung bekanntgab, läuft derzeit die Suche nach einer Nachfolgerin beziehungsweise einem Nachfolger. Die Gespräche mit Interessierten würden aktuell geführt.

Erwin Böhi will wohl nicht: Der Denker und Lenker im Hintergrund würde das Rüstzeug mitbringen.

Erwin Böhi will wohl nicht: Der Denker und Lenker im Hintergrund würde das Rüstzeug mitbringen.

Bild: PD

Das Ziel sei, die Person bis Ende April gefunden zu haben, sagt Erwin Böhi, Medienbeauftragter der SVP Wil. «Wünschenswert wäre, wenn die Person aus den Reihen der Stadtparlamentsmitglieder kommt, da in Wil hauptsächlich dort Politik gemacht wird.»

Namen will Böhi noch keine preisgeben. Die Liste möglicher Nachfolger ist jedoch nicht allzu lang. Die SVP wurde im Herbst zwar wählerstärkste Partei, was die Anzahl Mitglieder angeht, gehört sie jedoch nach wie vor zu den kleineren Parteien in Wil. So trat sie mit gerade einmal 17 Kandidierenden zur Wahl fürs Stadtparlament an ­– am wenigsten der fünf traditionell grössten Parteien.

Wird es ein ehemaliger Präsident?

Einer, der zweifellos das politische Rüstzeug zum Parteipräsidenten hätte, ist Erwin Böhi selbst. Er bekleidete dieses Amt bereits einmal Anfang der Nullerjahre. Damals war die SVP Wil zerstritten, Böhi sollte als Krisenmanager die zerstrittene Fraktion einen.

Nicht nur seine Erfahrung spricht für Böhi. Vieles, was die SVP politisch bewegt, scheint seine Handschrift zu tragen. Der Politologe ist intern der, der die Fäden zieht. Auch ohne dieses Amt wird er seinen Einfluss als Parteistratege weiterhin ausführen können. Ob er im Pensionsalter nochmals die Parteileitung übernehmen will, ist deshalb fraglich.

Klaus Rüdiger war schon Parteipräsident der SVP Wil.

Klaus Rüdiger war schon Parteipräsident der SVP Wil.

Bild: PD

Dasselbe gilt für Klaus Rüdiger. Auch er hat die Parteileitung schon besetzt, legte das Amt 2015 jedoch nieder. Er tat dies damals unter anderem deshalb, weil die SVP auf mehreren Nebenschauplätzen für Negativschlagzeilen sorgte. Das ist zurzeit nicht der Fall. Die Partei ist stärker denn je. Rüdiger könnte sich komplett auf die politische Arbeit konzentrieren. Gut möglich aber, dass er lieber jemand anderem den Vortritt lassen will.

Einer aus dem harten Kern

Benjamin Büsser bleibt wohl eher Fraktionspräsident.

Benjamin Büsser bleibt wohl eher Fraktionspräsident.

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Eine weitere mögliche Personalie wäre Fraktionspräsident Benjamin Büsser. Auch er zählt im Parlament zum aktiven Kern der SVP. Mit seinen pointierten Voten scheint er wie gemacht für die Spitzenposition innerhalb der SVP. Als Fraktionspräsident hat er aber bereits eine Führungsrolle inne. Da die SVP besonders im Parlament von sich reden macht, ist es fraglich, ob er gewillt ist, dieses Amt zu Gunsten des Parteipräsidiums aufzugeben.

Auch Pascal Stieger wäre eine mögliche Option. Der ehemalige CVP-Politiker gehört heute zu den Hardlinern der SVP Wil. Einen Beliebtheitspreis würde er bei den Parlamentariern der anderen Parteien aufgrund seiner Politik wohl nicht gewinnen, für das Parteipräsidium der SVP ist dies aber nicht entscheidend.

Pascal Stieger steht für die staatskritische Positionierung der Wiler SVP.

Pascal Stieger steht für die staatskritische Positionierung der Wiler SVP.

Bild: PD

Innerhalb der SVP ist Stieger der Finanzexperte. Gerade in Wil, wo die SVP anders als national kaum ausländerpolitische Themen aufgreift, sondern sich als finanzpolitisch staatskritische Partei positioniert, dürfte Stieger das Profil für das Spitzenamt erfüllen. Als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission kennt er zudem alle Geschäfte aus dem Effeff.

Rüdiger auf Rüdiger, Egli auf Egli?

Neben den arrivierten Stadtparlamentariern könnte die SVP aber auch auf eine unbekanntere Personalie setzen. Dies, zumal das Parteipräsidium bei einer Lokalpartei nicht allzu anspruchsvoll ist.

Christina Rüdiger ist zwar politisch unerfahren, wäre aber eine valable Option.

Christina Rüdiger ist zwar politisch unerfahren, wäre aber eine valable Option.

Bild: PD

Von den neuen Parlamentsmitgliedern wäre Christina Rüdiger eine valable Option. Politisch ist sie selbst zwar weitgehend unerfahren, als Frau des ehemaligen Präsidenten Klaus Rüdiger weiss sie aber bestens, welche Anforderungen das Amt mit sich bringt. Zudem ist sich die Parteileitung wohl bewusst, dass die Besetzung des Präsidiums mit einer Frau immerhin ein Zeichen wäre, dass einem der notorisch tiefe Frauenanteil in der Partei nicht egal ist.

Mit Dominik Egli würde die SVP auf die Jugend setzen.

Mit Dominik Egli würde die SVP auf die Jugend setzen.

Bild: PD

Will die SVP auf die Karte «Jugend» setzen, wäre Dominik Egli eine Option. Damit würde dann Egli auf Egli folgen. Dass bei der SVP vieles in der Familie bleibt, haben auf nationaler Ebene nicht zuletzt Esther Friedli und Toni Brunner sowie Magdalena Martullo-Blocher und Christoph Blocher bewiesen.