WIL: Wegen Einbürgerungsgesuchs: Stadtparlamentarierin stellt zwölf Fragen an Imam Bekim Alimi

Der Imam des Islamischen Vereins Wil möchte sich einbürgern lassen. Doch dagegen wurde Einsprache erhoben. Nun muss das Stadtparlament entscheiden. Die grünliberale Parlamentarierin Erika Häusermann hat Bekim Alimi deshalb ein Dutzend Fragen geschickt.
Hans Suter
Bekim Alimi, Imam in der albanischen Moschee Wil, lebt seit rund 20 Jahren in der Schweiz und will sich einbürgern lassen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bekim Alimi, Imam in der albanischen Moschee Wil, lebt seit rund 20 Jahren in der Schweiz und will sich einbürgern lassen. (Bild: Hanspeter Schiess)

  • Glauben Sie, dass die Frau dem Mann untergeordnet ist?
  • Darf ein Mann seine Frau schlagen, wenn sie ihm nicht gehorcht?
  • Welches Mindestalter vertreten Sie für die Verheiratung von Mädchen? Wer bestimmt, wen eine junge Frau heiratet: ihr Vater, ihre Familie oder sie selbst?
  • Darf ein muslimisches Mädchen mit Buben gemeinsam schwimmen? Und darf ein muslimisches Mädchen Velo fahren?
  • Darf ein Muslim homosexuell, eine Muslimin lesbisch sein? Wie sollen Eltern reagieren, wenn ihre Kinder diese Veranlagung haben?
  • Darf ein guter Muslim Freundschaft mit Juden, Christen, Hindus, Atheisten knüpfen?
  • Wenn Ihr Sohn eine Nicht-Muslimin heiraten möchte, müsste diese zum Islam konvertieren oder würden Sie die Frau auch so akzeptieren?
  • Darf eine muslimische Frau ohne Kopftuch in die Moschee kommen?
  • In Wil trifft man vermehrt Primarschülerinnen, welche ein Kopftuch tragen, was wohl kein Mädchen in diesem Alter freiwillig tut und was der Integration und der Erziehung zu einer selbstbestimmten Frau kaum förderlich ist. Wie erklären Sie den Eltern, dass ein Kopftuch bei Primarschülerinnen nicht akzeptiert werden kann?
  • Wie reagieren Sie auf die Ankündigung eines jungen Muslims, einer jungen Muslimin, er oder sie möchte sich vom Islam abwenden? Dürfen sie sich vom Islam abwenden und respektieren Sie diesen Wunsch?
  • In der Liberalen Moschee in Berlin dürfen muslimische Frauen Seite an Seite mit den Männern beten. Wären sie bereit, die Moschee in Wil als liberale Moschee zu führen analog der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin? Wenn nein, weshalb nicht? Wenn ja, bestehen bereits Pläne?
  • Was tun Sie, um der Bildung einer muslimischen Parallelgesellschaft mit eigenen Gesetzen entgegenzuwirken?


Diesen Fragekatalog richtet die GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann an Bekim Alimi, Imam des Islamischen Vereins Wil. Der Albanischstämmige lebt seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz und will sich einbürgern lassen.

Als Muslim gehört er einer Glaubensgemeinschaft an, die aktuell aus den täglichen Nachrichten kaum wegzudenken ist. Nicht wegen des Islams an sich, sondern wegen unkontrollierbarer Auswüchse aus fundamentalistischen Kreisen, die sich oft in terroristischen Taten und Glaubenskriegen der Weltöffentlichkeit offenbaren. «Demnächst wird Ihr Einbürgerungsgesuch im Wiler Stadtparlament beraten», schreibt Erika Häusermann im ersten Satz ihres Briefes an Bekim Alimi, dem der Katalog mit den zwölf Fragen angehängt ist. «Als Stadtparlamentarierin der grünliberalen Partei möchte ich mir gerne ein Bild machen von Ihnen und Ihrer politischen und religiösen Haltung», begründet sie. «Da Sie als Imam bei einem grossen Teil der muslimischen Bevölkerung die Beziehung zur Schweizer Kultur prägen und damit die Integrationswilligkeit massgeblich beeinflussen können, erachte ich es als zwingend, dass Sie sich zu den nachfolgenden Fragen äussern.»

Als Imam sei Alimi sowohl mit extremen Strömungen des Islams als auch mit fortschrittlichen Muslimen und Musliminnen konfrontiert. «Von Ihnen als eingebürgertem Imam erwarten wir ein grosses Engagement für einen fortschrittlichen, das heisst den schweizerischen Grundrechten verpflichteten Islam», heisst es weiter im Brief. Im Interesse der einheimischen wie auch der muslimischen Bevölkerung müsse alles getan werden, um die Entwicklung einer Parallelgesellschaft zu verhindern.

Bekim Alimi wird die Fragen beantworten

Erika Häusermann hat bei der Formulierung der Fragen Unterstützung von der Menschenrechtspreisträgerin Saida Keller- Messahli und der Wissenschaftlerin Elham Manea erhalten. Was macht Bekim Alimi damit? «Ich werde die Fragen beantworten», erklärte er auf Anfrage der «Wiler Zeitung». «Das Anliegen, sich ein Bild von mir zu machen, ist legitim.» Er sei sich bewusst, als Imam stärker im Interesse der Öffentlichkeit zu stehen als ein nicht näher bekannter Muslim. «Ein Stück weit ist es dennoch belastend», gesteht er. «Ich lebe seit über 20 Jahren in der Schweiz und fühle mich gut integriert.»

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