WIL: Warten auf grünes Licht

Die Wiler Jugend darf vorübergehend ins Häxähüsli einziehen. Die Initianten haben nun ein Nutzungskonzept vorgelegt. Jetzt benötigen sie noch das Einverständnis der Stadt.

Ursula Ammann
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Das Häxähüsli wird nächstes Jahr umgebaut. Der Besitzer hat sich aber mit einer Zwischennutzung einverstanden erklärt. (Bild: Ursula Ammann)

Das Häxähüsli wird nächstes Jahr umgebaut. Der Besitzer hat sich aber mit einer Zwischennutzung einverstanden erklärt. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Die Wände sind verschmiert, der Briefkasten steht schiefer als der Turm von Pisa, und auf dem Dach wächst Moos. Das Häxähüsli am Stadtweier hat die besten Tage längst hinter sich. Voraussichtlich im Februar 2018 wird die Liegenschaft umfassend renoviert. Bis dahin steht sie der Wiler Jugend zur Verfügung. Der Besitzer, Markus Brühwiler, hat sein Einverständnis für eine Zwischennutzung als Kulturbetrieb durch die Initiative Häxehuus gegeben. Nun liegt ein Konzept vor, in dem die wichtigsten Punkte der Nutzung geregelt sind.

Gemäss einer Bedingung, die Brühwiler stellte, muss auch die Stadt grünes Licht erteilen. Man hoffe auf eine möglichst schnelle Antwort der Behörden auf das Konzept, sagt ein Vertreter der Initiative Häxehuus auf Anfrage der «Wiler Zeitung». Die Gruppe hat sich gegenüber der Stadt und dem Besitzer mit Namen zu erkennen gegeben, möchte darüber hinaus aber nur als Kollektiv auftreten. «Zur Sicherung des apolitischen Standpunktes und der Unvoreingenommenheit der Öffentlichkeit gegenüber der IG Häxehuus möchten weiterhin alle Mitglieder in den Medien ihre Anonymität wahren und bauen auf das allgemeine Vertrauen in eine engagierte Jugend», begründet sie.

Von Kunstausstellungen bis zu Poetry Slam und Karaoke

Sobald das Einverständnis der Stadt vorliegt, will das Kollektiv mit den für einen Kulturbetrieb erforderlichen Arbeiten beginnen. Das Gebäude ist in einem maroden Zustand. «Es wird sicherlich viel zu putzen geben», sagt der bereits erwähnte Vertreter der Initiative Häxehuus. Auch sei geplant, die Wände mit Ma­tratzen zu bestücken, um so eine Lärmisolation zu schaffen. Zudem muss das Häxehüsli einem Veranstaltungsort entsprechend eingerichtet werden. Anlässe sind bis jetzt noch keine geplant, Ideen gibt es aber schon. Konkretisieren will man diese, sobald die Stadt ihre offizielle Erlaubnis gegeben hat. Mögliche Veranstaltungen gemäss Konzept sind eine Eröffnungsparty, ein Infoabend zum Thema «Freiraum», Kunstausstellungen, Konzerte/DJs, Vorträge sowie Poetry Slam und Karaoke. Der Betrieb darf unter der Woche maximal bis 22 Uhr und am Wochenende bis 24 Uhr dauern.

Keine Art von Diskriminierung geduldet

Aufgrund der Einsturzgefahr werden die oberen Stockwerke verbarrikadiert. Nutzbar ist also aus Sicherheitsgründen lediglich das Erdgeschoss des Gebäudes. Dort gibt es zwei Räume. Einer ist für die Bar vorgesehen und der andere für Veranstaltungen. Für Letztere – so sieht es das Konzept vor – wird kein Eintritt verlangt. Wer will, kann eine Kollekte entrichten. Die Preise für die Getränke an der Bar sind freiwillige Spenden an das Kollektiv. Einen Konsumzwang gibt es nicht. «Für die Alkoholabgabe gelten die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Alter», heisst es im Konzept.

Die Fassade des Häxehüsli soll – sofern alle Beteiligten damit einverstanden sind – durch eine Künstlerin oder einen Künstler verschönert werden. Dies für die Zeit der Zwischennutzung.

Die Initiativgruppe legt Wert darauf, dass jede und jeder willkommen ist, unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft. «Wer das Häxehuus besucht, akzeptiert und lebt seine Grundsätze», steht im Konzept. Rassismus, Sexismus und Homophobie werden nicht geduldet. Physische, psychische und sexuelle Übergriffe, Ausbeutung und Unterdrückung sowie Selbstbereicherung durch Deal und Klau sind ebenso fehl am Platz. Dagegen hält das Konzept explizit die gewaltfreie Lösung von Konflikten sowie den respektvollen Umgang mit den Mitmenschen und der Infrastruktur fest. Das Häxehuus sei kein Ort für Drogenkonsum, heisst es weiter. Im Haus herrscht Rauchverbot. Es sind öffentliche Toiletten in der Umgebung zu benutzen, die auf Lageplänen beschildert werden. Wild Urinierende werden weggeschickt.

Doch nicht nur für die Besucher hält das Konzept Pflichten fest, sondern auch für die Betreiber. So übernimmt das Kollektiv Initiative Häxehuus die volle Haftung für Veranstaltungen und die Verantwortung für Sicherheit und Ordnung. Zwei Sicherheitsverantwortliche müssen für den reibungslosen Ablauf des Abends sorgen. Auch schreibt das Konzept vor, dass die Initianten vor der Eröffnung mit Anstössern Kontakt aufnehmen. Wann es so weit sein wird, hängt nun von der Antwort der Stadt ab.