WIL: Wald soll verschiedenen Nutzern dienen

Amtierende und ehemalige Ortsbürgerräte und GPK-Mitglieder der Ortsgemeinde Wil erfuhren auf einem Waldgang, dass illegale Biketrails zunehmend zu einem Problem werden und der Unterhalt der Waldwege mit hohen Kosten verbunden ist.

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Sie ist fast nicht zu hören. In voller Montur rauscht die Bikerin an der 20-köpfigen Gruppe vorbei. Sie ist schnell, aber in angepasstem Tempo unterwegs. Die Teilnehmer lassen sich von der Sportlerin nicht stören und folgen weiter den Ausführungen von Renaldo Vanzo, Leiter des Forstbetriebs der Ortsgemeinde Wil. Vanzo berichtet den 20 aktiven und ehemaligen Ortsbürgerräten und GPK-Mitgliedern, dass sich nicht alle Biker derart beispielhaft verhalten wie die zuvor vorbeigefahrene Frau. Viele suchen sich Wege abseits der vorgespurten Waldwege. Dadurch entstehen sogenannte Biketrails. Da sich das Biken von einer Trendsportart schon fast zu einem Massenphänomen entwickelt hat, werden diese illegalen Biketrails zu einem Problem.

Nicht nur wegen der Schäden an Boden und Bäumen. Fahren die Biker durch das Gehölz, stören sie das Wild – und zwar permanent. Als Folge ziehen sich die Tiere zurück, und ihr Lebensraum wird zunehmend kleiner. «Die meisten Biker sind sich nicht bewusst, dass sie dem Wald schaden, wenn sie die angelegten Wege verlassen», sagte der Förster beim Waldgang. Er zeigte die Problematik an einem kaum sichtbaren, illegalen Biketrail im Wald am Nieselberg auf; einem Gebiet mit einem dichten Dauerwald, der auch von Spaziergängern, Walkern und Joggern als Naherholungsgebiet genutzt wird. Ein Festhalten an einem generellen Verbot für das Biken und das Velofahren im Wald am Nieselberg hält Vanzo trotz der Störungen und Schäden nicht für zweckdienlich. Einerseits ist die Durchsetzung des Verbots schwierig, anderseits soll der Wald allen zur Verfügung stehen. «Das Biken soll erlaubt sein, aber nur auf den offiziellen Waldwegen und Strassen», schlägt Vanzo vor.

Anspruchshaltung der Bevölkerung ist gestiegen

Für diese Wege sind die Mitarbeiter des Forstbetriebs zuständig. Wie die Pflege des Waldes gehört der Unterhalt der Waldwege zu den Aufgaben. Vanzo beschreibt die Wege in den 430 Hektaren Wald der Ortsgemeinde Wil als zweckmässig. «Sie sind keine Luxusvarianten, werden aber kontinuierlich unterhalten.» Da die Instandhaltung der Waldwege ein hoher Kostenfaktor ist, diese ausserdem unterschiedlich oft und stark genutzt werden, hat Vanzo eine Klassifizierung vorgenommen, welche Strassen mit welcher Intensität unterhalten und in Stand gestellt werden müssen. Er hat festgestellt, dass die Anspruchshaltung in der Bevölkerung gestiegen ist, diese aber von den Anforderungen, welche der Forstbetrieb an Waldwege hat, divergiert. Während für deren Mitarbeiter die Waldwege Arbeitswege sind, die mit Fahrzeugen und Maschinen für die Holzabfuhr befahren werden müssen, erwartet die Bevölkerung hindernisfreie und einwandfrei begehbare Waldwege. Dass ein derartiger Standard mit hohen Kosten verbunden ist, sind sich die wenigsten bewusst. (pd)