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Ausbeutung, Hungerlöhnen und Kinderarbeit einen Riegel schieben: Stadt Wil verschreibt sich fairem Handel

Die Stadt möchte als Fair Trade Town zertifiziert werden. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet die nötigen Massnahmen.
Gianni Amstutz
Das Fair-Trade-Label garantiert gute Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Bild: Fotolia

Das Fair-Trade-Label garantiert gute Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Bild: Fotolia

Günstige Preise sind zwar für den Konsumenten ein Anreiz, doch das heisst nicht, dass nicht irgendjemand dafür bezahlen muss. Allen voran sind dies die Arbeiterinnen und Arbeiter, die unsere Billigpreismentalität mit teilweise unwürdigen Arbeitsbedingungen begleichen müssen. Kleiderfabriken in Bangladesch oder Kaffeeplantagen in Südamerika lassen grüssen.

Unmenschlich hohe Arbeitspensen, kaum Pausen, miserable hygienische Zustände oder sogar Kinderarbeit prägen die Produktion in solchen Betrieben. Manche Berichte zeigen, dass Mitarbeiter dort eher wie Sklaven denn wie Arbeitnehmer behandelt werden. Solange die Produkte in den reichen Ländern Westeuropas und Nordamerikas auf Nachfrage stossen, wird sich daran aber kaum etwas ändern.

Wil ruft eine Arbeitsgruppe ins Leben

Nun will auch die Stadt Wil ihren Beitrag zu mehr Fairness im globalen Handel leisten. Ausgehend von einer Motion des ehemaligen SP-Stadtparlametariers Kilian Meyer hat der Stadtrat die Zertifizierung als Fair Trade Town zu einem seiner Legislaturziele erhoben.

Wil wäre damit nach Gossau die zweite Stadt im Kanton mit einer entsprechenden Auszeichnung. Nachdem das Projekt in Wil seit dem Legislaturbeginn 2017 etwas auf der Strecke blieb, nimmt es nun langsam Fahrt auf.

Anfang Juni hat sich eine neu gebildete Arbeitsgruppe unter der Leitung von Cristina Roduner erstmals getroffen. Neben Roduner als Vertreterin der Verwaltung finden sich auch Personen aus dem lokalen Gewerbe, der Schule und der Gastronomie in der Arbeitsgruppe.

Denn das Spezielle beim Projekt Fair Trade Town: «Nicht nur die Verwaltung ist gefordert, Massnahmen zur Förderung des fairen Handels umzusetzen, sondern auch private Unternehmen und Gastrobetriebe», erklärt Cristina Roduner.

Wie viele Teilnehmer sich für eine erfolgreiche Zertifizierung an dem Projekt beteiligen müssen, ist klar definiert und hängt von der Einwohnerzahl ab.

In Wil müssen neben der Verwaltung drei Detailhandelsgeschäfte, sechs Gastronomie- bzw. Hotelleriebetriebe, eine Schule oder Kita, drei Vereine sowie drei Unternehmen die Kriterien von Fair Trade Schweiz umsetzen. Konkret geht es darum, Fair-Trade-Produkte anzubieten bzw. zu verwenden. Gastrobetriebe müssen gemäss den Vorgaben mindestens drei, Detailhandelgeschäfte mindestens fünf als Fair Trade zertifizierte Produkte zum Verkauf anbieten. Bei Unternehmen, Vereinen und der Stadt sind es drei Produkte mit dem Fair-Trade-Label, die verwendet werden müssen.

Die Stadt sei bereits auf einem guten Weg, diese Auflagen zu erfüllen, sagt Cristina Roduner. Noch würden Restbestände aufgebraucht, doch danach kaufe die Verwaltung nur noch Fair-Trade-Kaffee, -Zucker und -Tee ein. Damit ist es noch nicht getan.

«Wir werden bei der Stadt in Zukunft darauf achten, möglichst auf lokale oder regionale Produkte zu setzen, und wo dies nicht möglich ist, Fair Trade Produkte einzukaufen»

Nur so könne die Stadt ihre Verantwortung wahrnehmen.

Thema der Öffentlichkeit näherbringen

Im nächsten Schritt sollen die Mitglieder der Arbeitsgruppe nun Geschäfte, Restaurants und Vereine mobilisieren, die sich am Projekt beteiligen wollen.

Die Aufnahme einiger Fair-Trade-Produkte ins Sortiment reicht aber für eine Zertifizierung nicht aus. Eine Auflage sei auch, dass teilnehmende Betriebe sich an lokalen Aktivitäten zum Thema beteiligten und ihr Angebot von Fair-Trade-Produkten gegen aussen kommunizierten, sagt Cristina Roduner.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist denn auch ein wichtiges Kriterium für die Zertifizierung. Mindestens einmal pro Jahr soll dazu eine Veranstaltung zum fairen Handel in Wil stattfinden. Nur so kann das Ziel von Fair Trade Schweiz erreicht werden, nämlich das Bewusstsein der Bevölkerung für nachhaltigen, fairen Konsum zu stärken. Der Fahrplan ist klar, genauso wie das Ziel. Am 11. Mai 2020 soll die Stadt Wil die Auszeichnung erhalten. Ein Datum, das nicht zufällig gewählt wurde, ist es doch der internationale Tag des fairen Handels.

Hinweis

Interessierte, die in der Arbeitsgruppe Fair Trade Town mitarbeiten wollen, melden sich bei Christina Roduner per Mail an cristina.roduner@stadtwil.ch

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